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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Einsatz in Jugend- oder Herrenmannschaft?


Mephisto
17.05.2000, 22:20
Folgende Situation: Ihr habt Jugendliche, die vom Alter her noch Jugend spielen könnten. Ihr überlegt, ob vielleicht die Forderung des/der Jugendlichen in Herrenmannschaften größer sein könnte. Oder was gibt es noch für Gründe/Argumente, die bei so einer Entscheidung eine Rolle spielen.

Wie habt Ihr entschieden bzw. wie würdet Ihr entscheiden?

Was für Argumente/Gründe waren bzw. wären für Euch maßgeblich?

Was spricht für die Jugend-, was für die Herrenmannschaft; grundsätzlich und insbesonders?

Wie wir uns entschieden haben, später in diesem Thread.

Joe Chip
18.05.2000, 00:49
Hi Mepho!
ich seh's an mir: da ich sehr spät erst zum tt gekommen bin, dann aber das glück hatte in einem sehr guten verein diesen sport zu erlernen, war ich zwar immer einer der ehrgeizigsten, aber auch der schlechteste der jugendlichenden. schließlich fand ich mich dann beizeiten in der schwächsten herrenmannschaft in der 2. kreisklasse wieder, wovon ich rückblickend betrachtet jedoch nur profitiert habe, da ich nun als 21-jähriger höchstens bis bezirksliga spielen werde.

Du ahnst also worauf ich hinaus will: talentierte und technisch versierte jugendliche sollten so lange wie möglich hochklassig jugend spielen, um dann so hochklassig wie möglich in herrenmannschaften intergriert zu werden. im kreis und in der bezirksklasse spielen einfach zu viele damen und herren, die sich tt im schlimmsten falle selber beigebracht haben und dementsprechend mit einem krummen spiel erfolge erzielen. solche gegner erzeugen bei schülern und jugendlichen zu viel frust und es bringt sie nicht weiter. (im training gilt übrigends das gegenteil!)
jugendliche mit weniger talent sollten jedoch so bald als möglich in damen- und herrenklassen eingesetzt werden, um sich ihre spielentscheidende erfahrung so früh wie möglich anzueignen. außerdem läßt sich in herrenklassen viel offensichtlicher grundlegend taktik trainieren.

da inzwischen immer mehr methodik in das nachwuchstraining einzug gehalten hat, ist abzusehen, daß sich in den oberen spielklassen technik und taktik weiterhin immer mehr angleichen werden - abwechslung und vielseitigkeit werden bald wohl nur noch durch material erreicht. jugendliche, die das zeug für diese spielklassen haben, brauchen für ihren erfolg auch eine dementsprechende vorbereitung in der jugendarbeit: frühzeitige regelmäßige einsätze in niederklassigen herrenmannschaften wirken sich meiner meinung nach eher entwicklungshemmend aus, das gilt speziell für psychologie und motivation.

so viel zum grundsätzlichen. meine trainerlaufbahn ist leider nocht nicht so lang, als daß ich schon von eigenen entscheidungen berichten könnte. das sollen die alten hasen machen, hehe.

grüße auch an die verantwortlichen,
der Joe.

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Ulrich
18.05.2000, 15:04
Wir stellen gute Jugendliche als Ersatzspieler (Nr. 7) in Herrenmannschaften auf. Da kommen sie dann häufig 4-5x im Jahr zum Einsatz.
Ebenfalls haben wir letztes Wochenende bei einem 4er Mannschaftsturnier (Bezirksklasse + Bezirksliga) mit 3 Herrenspielern und unserem besten Jugendspieler teilgenommen.
Das hat zwar unsere Siegchancen geschmälert, aber das ist uns dann egal.

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Ulrich Kasten
http://duingersc.tisch-tennis.de

Mephisto
18.05.2000, 16:08
Hi Ulrich, spielen die Jugendlichen trotzdem noch in der Jugend oder als Stammspieler bei den Herren mit 4-5 Einsätzen? Welcher Landesverband?

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Carpe diem

Mephisto

chris
18.05.2000, 17:58
Hi,
in Hessen kann man Spieler aus Jugend und Schülern als sogennannte EJ (=Ersatz Jugend) Spieler einsetzen. Pro Damen/Herren Team können zwei Spieler für die komplette Saison bestimmt werden. Diese dürfen dann maximal 3 mal pro Halbrunde spielen.
So kann man manchmal Ersatzprobleme im Erwachsenenbereich lösen und gibt den Kids eine sehr gute Chance sich ohne viel Stress zu aklimatisieren.

aleol
22.05.2000, 14:44
Ich denke auch, daß Jugendspieler solange sie gefordert werden auch in der Jugend spielen sollten. Anders sieht es aus, wenn Ihr nur ein oder zwei Talente habt, die in der höchsten Jugendmannschaft eher unterfordert sind. Hier kann es schon sinnvoll sein sie für eine Herrenmannschaft freizuholen, wo sie dann auch stärkere Gegner haben.
Als Jugendersatzspieler mal zwei oder drei Einsätze in der Herren zu haben, um da schon ein bißchen ´reinzuschnuppern ist für die Jugendlichen auf jeden Fall positiv. Dann ist man nicht so geschockt, wenn die erste komplette Herren-Saison ansteht.

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MfG
aleol

Foo2
25.05.2000, 14:04
Man sollte es den Jugendlichen überlassen wo sie spielen wollen.

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Jo jo und alles wird gut

Warlock
25.05.2000, 14:32
Im PTTV ist es so, daß man Jugendliche, die ads Jugendalter erreicht haben freiholen darf. So ist die Spielstärke in den Jugendklassen so gering, daß es unvermeidbar ist Jugenliche frei zu holen, wenn man sie fördern will. Es ist zumeist so, das kein Jugendlicher Ranglisten Spieler mehr in den Jugendmannschaften spielt und die Schüler versuchen über die Rangliste ebenfalls eine Freigabe zu erziehlen.
Ich bin der Meinung, daß man sie solange sie geförder werden in den Jugendklassen spielen lassen sollte.Sie entwickeln sich dort bei passendem Niveau schneller als in den unetren Herrenklassen.

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mfg
Warlock

Coach
25.05.2000, 18:48
Wenn ein Jugendspieler talentiert ist und eine gute technische und taktische Grundausbildung erhalten hat, ist es sinnvoll, ihn schon frühzeitig in Erwachsenenmannschaften einzubauen. Es sollte jedoch darauf geachtet werden, das der Nachwuchsspieler möglichst in Bezirksligamannschaften im mittleren oder in Landesligamannschaften im hinteren Paarkreuz beginnt. Bei Mädchen kann der Einsatz in Damenmannschaften auch auf höherer Ebene beginnen.

Warum ist der Einsatz in niedrigeren Mannschaften schlecht?

Die Jugendlichen haben in ihrer Jugendzeit ein technisch sauberes Tischtennis gelernt. Solche Gegner finden wir im Herrenbereich jedoch frühestens auf Bezirksebene. Auf Kreisebene befinden sich vor allem die Individualspieler mit teilweise sehr unorthodoxen Spielweisen, Techniken und Materialien. Je niedriger gespielt wird, desto mehr wird "Ball über die Schnur" gespielt. Wenn sich ein Nachwuchsspieler erst an solche Spielweisen gewöhnen muss, dann verliert er eher die Lust am Tischtennis.

Für einen frühzeitigen Einsatz in Erwachsenenmannschaften spricht auch der Entwicklungsaspekt. Zwischen dem 13. und dem 16. Lebensjahr machen die Spieler den größten Entwicklungsschritt. In dieser Zeit gewöhnen sie sich am schnellsten an verschiedene Spielweisen und -stärken. Wenn ein Spieler mit 17 Jahren aus der Jugend herauskommt, dann fällt es ihm wieder schwerer, sich an die Spielweisen der Erwachsenen zu gewöhnen. Daher bin ich grundsätzlich dafür, talentierte Nachwuchsspieler, die bereits mehrere Jahre Tischtennis spielen, frühzeitig in Erwachsenenmannschaften einzubauen.

Wer wiederum seine Jugendlichen zu lange in der Jugend lässt, vermittelt ihnen, dass sie in den Erwachsenenmannschaften unerwünscht sind. In unserer Region fallen mir gleich mehrere Spieler ein, die seit 4 Jahren in der höchsten Jugendliga (Bayernliga) spielen und die ganze Zeit über eine stark positive Bilanz hatten. Als ich einen dieser Spieler vor einigen Wochen auf einem Verbandsbereichsranglistenturnier wieder getroffen habe, hatte ich den Eindruck, er habe das Tischtennisspielen verlernt.
(PS: Dieser Spieler spielt in der nächsten Saison wieder in der Jugend-Bayernliga !!!)

Auch bei weniger talentierten Spielern ist der Entwicklungsapekt zu beachten. Auch hier ist es für einen Spieler, der aus der Jugendkreisliga kommt, besser, in der Kreisliga I oder II im mittleren Paarkreuz anzufangen. Es ist für den Spieler leichter, sich in dieser Klasse und bei diesen Gegnern durchzusetzen, als sich von niedrigeren Mannschaften nach oben zu kämpfen. Wenn ich mich an sauberes Tischtennis gewöhne ist es immer noch besser, als wenn ich mich an ANTI-Tischtennis gewöhnen muss.

Gruß an alle Nachwuchstalente

Coach

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