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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Überdrehte Kleinkinder


Ryker
17.06.2000, 20:06
Hallo Freunde!

Ich komme gerade von der Jahrgangsmeisterschaft des RTTV. Was ich da im Finale des Jahrgangs 1990 gesehen habe treibt mich mal wieder auf die Palme. Der eine kleine Spinner beginnt sofort bei jedem noch so billigen Punkt mit "tschuck!" und "tschah!" und "hossa!" und allem anderen was man sich vorstellen kann. Bei 6:1 fängt der andere (Favorit!) erst mal an zu heulen. Richtige Krokodilstränen. Er kommt zwar noch mal ran, schluchzt sich aber so durch. Der Trainer versucht ihn zu trösten und abzulenken, gibt noch ein paar Tips.
Im zweiten Satz sieht unser "Tschucker!" kein Land. Ratzfatz stehts 8:2. Da fliegen die ersten Schläger "Was ´ne Scheiße!", "Der hat nur Glück!", "Ich treff keinen Ball!" (zwischendurch immer Schlägerwerfen). Der Satz geht mit 21:12 ab.
Zu Beginn des 3. Satzes geht "Tschucker!" 4:1 in Führung (begleitet von lauten Freudenrufen). Das hat zur Folge, daß "Heulo" in tränen ausbricht, nicht so richtig, aber immer am schluchzen. Doch siehe da, das Spiel kippt nochmal! "Heulo" macht Punkt um Punkt. Plötzlich steht es 16:10! Doch da!! "Tschucker!" bricht schwer verletzt zusammen. Hält sich das Knie - und bricht natürlich in Tränen aus. O mein Gott! Er humpelt! Als ob ihm jemand ins Knie geschossen hätte. Und er schluchzt und heult und humpelt zum Tisch, legt den Kopf auf die Platte und heult. Nach einer etwa 1minütigen Pause kann das Spiel wieder aufgenommen werden. Siehe da! "Tschucker!" kann wieder springen wie ein Reh. 16:11. 16:12. Plötzlich scheinen die Schmerzen vergessen, "Tschuck!", "Hossa!", Punkt um Punkt wird aufgeholt. Bei 16:16 das unvermeidliche - der Tränenausbruch auf der anderen Seite. Dieser hält dann auch bis zum 16:21 an - "Tschuck!".
Bravo, der Abend sieht einen verdienten Sieger http://www.tt-news.de/ubb/smilies/wuerg.gif.

Jetzt will ich mal wissen: Wer macht unsere Kinder zu solchen verbissenden TT-Robotern mit Träneneffekt? Welche Erfahrungen habt Ihr mit sowas gemacht? Wie soll man da reagieren (als Trainer, als Elternteil)?

Ich habe zu meinem Schützling, der gegen "Tschucker!" im Halbfinale knapp verloren hat, gesagt, daß er, wenn er nur so bleibt, wie er ist, meinetwegen ewig Dritter werden kann.

So.

Timon
17.06.2000, 20:17
Das hört sich cool an! http://www.tt-news.de/ubb/smilies/smile.gif
Ist aber dumm! Das die dauernd rum heulen??? Dann sollen sie aufhören wenn das ihrer Psyche schadet!

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ICQ: 62971419
e-mail: timon@krammel.de

Flocke
17.06.2000, 21:45
Ryker, willkommen im Club der "Kinder unter 10 Hasser " http://www.tt-news.de/ubb/smilies/wink.gif

Manchen Kindern wird das teils von den Eltern aus; teils vom aus antrainiert immer verbissen zu kämpfen und geraten so in einen Erfolgsdruck, der sich so in solchen Krokodilstränen und simulierten Verletzungen bei einem Rückstand wiederspiegelt.
So was ist nicht selten und ich beobachte es in vielen Vereinen.
Sich selber anzufeuern ist ja ganz OK, finde ich; ich brauch´das manchmal auch...
Aber Schlägerwerfen und so finde ich ätzend ( siehste ULLI nicht Schei... http://www.tt-news.de/ubb/smilies/biggrin.gif ) !!
Wir haben auch so nen Alleinunterhalter im Verein, der vielen überlegen ist und die Zuschaue durch lautes brülle, Banden und Schlägerwerfen unterhält...Tja, jeder Verrückte ist anders !!!
Ich hab auch vor Wut mal ne Bande weggekickt; hat mir selber im Endeffekt auch nichts mehr als Konzentrationsverlust, Satzverlust und ne Ermahnung vom Schiri gebracht.
Also Kinder lasst den Mist; wenn der Gegner besser ist, zieht er euch so wie so ab ( glaubts mir http://www.tt-news.de/ubb/smilies/wink.gif )



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Ich bin hart, aber unüberlegt !!

Frank Schmidt
17.06.2000, 22:53
Das habe ich mich auch schon oft gefragt und das ganze Szenario kommt mir sehr bekannt vor! http://www.tt-news.de/ubb/smilies/frown.gif

Meiner Meinung nach haben viele Eltern eine etwas seltsame Auffassung von Tischtennis. Vor allem, wenn sie glauben, ihr Kind wird später einmal ein Spitzenspieler.
Scheint ja eine weit verbreitete Meinung zu sein, dass man nur so gut werden kann, wenn man auf Kosten anderer handelt, was sich besonders deutlich in solchen Spielen zeigt.

Ich sehe das aber völlig anders: wenn ich mal die wenigen BL-Spiele anschaue, die übertragen werden, sehe ich eigentlich immer nur sehr faire Spiele und es würde nie einem Spieler einfallen, einen Kantenball, den der Schiri übersehen hat, nicht zuzugeben.
Ich denke, in solchen Situationen zeigt sich, ob jemand wirklich das Zeug zu einem großen Sportler hat. Gewinnen kann jeder, mit Anstand verlieren will jedoch gelernt sein http://www.tt-news.de/ubb/smilies/achtung.gif

Es liegt wohl in der Hand der Trainer, wenn die Eltern ständig dazwischenfunken, ein ernstes Wörtchen mit ihnen zu reden, statt dass es zu solchen Situationen kommthttp://www.tt-news.de/ubb/smilies/achtung.gif

Also, in diesem Sinne: bleibt fair und verliert mit Anstand http://www.tt-news.de/ubb/smilies/wink.gif
...oder gar nicht! http://www.tt-news.de/ubb/smilies/cool.gif


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The Saw
17.06.2000, 23:52
Psycho Dad, Psycho Dad, Psycho Daaaaaad,

in Al Bundy werden diese Menschenfreunde ein zuhause finden...


Tschaaaaaa,

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Have fun, play defensive.

The Saw

Ryker
18.06.2000, 00:59
Original erstellt von Flocke:
Das dumme ist, das auch die Trainer oft einen wesentlichen Anteil an solchem Erfolgsdruck haben...



In diesem Fall muß ich, was ich oben vergesse habe, ausdrücklich darauf hinweisen, daß die Trainer beider Spieler sehr faire, freundliche und ich denke auch kompentente Leute sind, an denen liegts wohl keinesfalls http://www.tt-news.de/ubb/smilies/top.gif.


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Rock Hard, Ride Free, Hau rein!

Flocke
18.06.2000, 11:50
Das dumme ist, das auch die Trainer oft einen wesentlichen Anteil an solchem Erfolgsdruck haben...



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Ich bin hart, aber unüberlegt !!

The Saw
18.06.2000, 13:55
Hatte letzte Woche auf einem Turnier auch den Fall, dass sich ein paar psychophatische Österreicher (ist nicht böse gemeint, waren halt welche) über jeden Fehler des Gegners gefreut und bejubelt haben.

Nach dem siebten Punkt hatte der Spieler nur ein Problem, er mußte dann gegen das Publikum, ca. 100 Zuschauer, spielen.

Schlußendliich hat er verloren http://www.tt-news.de/ubb/smilies/smile.gif

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Have fun, play defensive.

The Saw

Freddie
18.06.2000, 21:52
Vor allem @ Ryker, aber auch an die anderen

Ich habe selbst einen 9-jährigen, der die Jahrgangsmeisterschaften noch vor sich hat (BTTV). Ich werbe hier zunächst für etwas Verständnis. In meinen Augen sind solche Verhaltensweisen nicht antrainiert, sondern vielfach noch im jungen Alter begründet.

Ein Kind kennt von jüngsten Jahren an, ein Mittel, mit welchem er in für ihn unsicheren Situationen um Hilfe ruft, es weint. Ich meine damit nicht den Spielstand, sondern das kann auch ungewohntes, agressives Verhalten des Gegners sein. Bei Kindern spielt da viel auch die Körpersprache der andern noch mit. Das Weinen wird dem Kind, und wurde auch uns, in späteren Jahren immer mehr ausgetrieben und wird bei Erwachsenen heute ersetzt durch Zornesausbrüche o. ä.

Bei großen Anlässen, oder auch besonderen Gegnern, auch wenn viele Leute zusehen, will das Kind (auch wir) nicht schwach wirken. Kommt es auf die Verliererstrasse sucht es nach Auswegen/Ausreden (Verletzungen werden vorgespielt,...). Bei uns sind es Zornesausbrüche. Dadurch sollen die anderen denken, daß man doch stärker ist, als der Spielstand aussagt.

Zurück zu Ryker: Es werden in meinen Augen hier keine Roboter gemacht, es sind kindliche Verhaltensweisen, die durchaus normal sind für solche Streßsituationen, speziell wenn Kinder (oder auch Eltern) Ehrgeiz haben. Was hilft ???

Als Vater bin ich gefordert, meinem Sohn klar zu machen, daß er für mich nicht schwach ist, wenn er verliert, und daß ich ihn trotzdem liebe. Zweitens versuche ich ihm zu erklären, wie sich solch ein Verhalten auf dritte auswirkt, indem wir gemeinsam Matches beobachten und darüber reden (Ranglisten bieten sich dazu an). Ein solcher Kommentar wie von Ryker ist auch super, er sagt seinem Schützling, so wie du bist, bist du richtig.

Ich sage meinem Sohn, spiele bitte so, daß du möglichst viel Spaß beim Spielen hast, auch wenn du dadurch nicht gewinnst. Am Anfang habe ich aber auch vor Spielen ausgemacht: Jeder Tränenausbruch ist eine Kugel weniger Eis (von 5 Stück) oder ähnliches. Kinder lernen so, Ihre Gefühle zu erkennen und zu steuern.

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Freddie,
mit Skol und einem Cheerio
macht Tischtennis mein Leben froh.

Ryker
18.06.2000, 22:02
http://www.tt-news.de/ubb/smilies/top.gif Danke Freddie http://www.tt-news.de/ubb/smilies/top.gif

Super Beitrag. Von der Seite habe ich es ehrlich gesagt noch nicht gesehen.

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Rock Hard, Ride Free, Hau rein!

Benjamin
18.06.2000, 23:03
Sorry Freddy,
aber das sehe ich nicht ganz so. Ich finde nicht das man das alles nur auf die Kindlichkeit der Spieler schieben kann. Denn ich habe selber mal als Schüler gespielt. Und da kam das nie vor. Da hat keiner geheult. Und auch hat niemanddiese Tschu-rufe alles zwei Minuten losgelassen.

Ich denke schon, das das Problem sehr oft an den Eltern liegt. Die waren als Spieler nie besser als vielleicht Verbandsliga und legen nun alle hoffnungen in ihre Kinder. Ich hab das neulich selber wieder gehört, wie die Väter über ihre Söhne reden. (Es ärgerd mich, wie wenig Ehrgeiz er hat...... er muss mehr beissen......du gehst nicht eher von der Platte bis das klappt........nein du kanns heute nicht ins Schwimmbad Du hast Training......) und vieles vieles mehr. Klar, werden diese Kinder gut, aber für welchen Preis????
Dann auch zu Deiner Idee (Am Anfang habe ich aber auch vor Spielen ausgemacht: Jeder Tränenausbruch ist eine Kugel weniger Eis (von 5 Stück) oder ähnliches. Kinder lernen so, Ihre Gefühle zu erkennen und zu steuern.) Kinder müssen ihr Verhalten nicht zu steuern lernen, wenn Sie nicht auf Leistung erzogen werden. Ich bin zwar ein schlechter Spieler, aber bin immer mit Freude zum Training und zu den Punktspielen gefahren. Und ich war zwar häufig sauer, wenn ich verloren habe (klar, ehrgeizig war und bin ich auch. Viel mehr sollten Trainer und Eltern versuchen, ihren Kindern (wie Du es sagtest, daher finde ich Deinen Beitrag an sich auch sehr sehr sehr gut) zu vermitteln, das sie wollen, das ihre Kinder spass beim Spiel haben und sie geliebt werden egal wie gut oder schlecht sie spielen.

Ich hoffe das war jetzt nicht zu konfus!!


Und um das noch klar zu stellen, es sollte keinerlei Kritik an Dir sein, Freddie, sondern nur eine weiter Sichtweise und weitere Ideen.

Benjamin

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Inmitten von Schwierigkeiten liegen günstige Gelegenheiten (Albert Einstein)

Piranja II original, CurlP1Bamboo, Badman, 837, L-8512?????

Frank Schmidt
19.06.2000, 00:21
@lolly

Das mit den Vereinen kann man aber auch so nicht pauschalisieren.

Ich kenne da einige Projekte, wo ganz bewusst versucht wird, den Kinder den Spaß am Tischtennis zu vermitteln ohne irgendwelchen Leistungsdruck! http://www.tt-news.de/ubb/smilies/top.gif

Das kommt auch immer sehr gut an und nicht selten rennen in solchen "Trainingseinheiten" bis zu 40 Kinder rum! http://www.tt-news.de/ubb/smilies/smile.gif

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aleol
19.06.2000, 00:57
Es kommt darauf an, worin diese Verhaltensweisen begründet sind.
Die Verhaltensweise des "Tschucker" verdient auf jeden Fall Kritik, meiner Meinung nach vor allem aber doch am Trainer oder auch den Eltern.
Sollte dem Jungen solch ein übertriebener Ehgeiz, wie sich dort gezeigt hat, eingeimpft worden sein, halte ich das für eine ziemliche http://www.tt-news.de/ubb/smilies/zensiert.giferei vor allem ihm selbst gegenüber. Denn der Spaß am TT kann dabei schnell flöten gehen.
Ist dieser Ehrgeiz tatsächlich eine Charaktereigenschaft , dann sollten ihm Trainer und Eltern versuchen beizubringen, daß Ehrgeiz zwar durchaus positiv,ein solches Verhalten trotzdem unsportlich gegenüer dem anderen ist und auch ihm selber mehr schaden als nutzen kann.

Was den "Heuler" angeht. Bei eingeimpftem Ehrgeiz gilt eigentlich das oben angesprochene.
Sollte der Junge aber einfach "weinerlich" veranlagt sein, dann ist es wirklich schwerer, es ihm abzugewöhnen, denn darüber hat ein Kind in diesem Alter selber nicht die absolute Kontrolle. Da kann man nur versuchen, ihm den Druck zu nehmen, den er sich selber auferlegt.

(Übrigens saß die jüngste Deutsche Teilnehmerin bei der EM nach ihrem Aus im Einzel auch weinend vor Enttäuschung auf der Tribüne. Topleistungen scheinen also auch möglich, wenn man nah am Wasser gebaut hat.)

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Versuchungen sollte man nachgeben, wer weiß, ob sie wiederkommen. (Oscar Wilde)

[Diese Nachricht wurde von aleol am 19-06-2000 editiert.]

Frank Schmidt
19.06.2000, 07:48
Ich denke mal, dass die Wahrheit irgendwo dazwischen liegt.

Natürlich spielen kindliche Einflüsse wohl eine genau so große Rolle wie die Einstellung der Eltern/Trainer.

Ich denke mal, dass es wohl in der heutigen Zeit zum Normalfall geworden ist, dass einige Leute einen so großen Druck aufbauen (ob von außen oder selbst), dass gerade in diesen Altersklassen die eine oder andere Träne wohl kaum noch vermeidbar ist.

Ich finde es wichtig, wie Freddie schon gesagt hat, dass man als Vater oder Mutter ganz einfach versucht, den Spaß in den Vordergrund zu stellen, statt immer den Druck, gewinnen zu "müssen"!
Vielleicht sieht es ja bei besagten Spielern in 2-3 Jahren ganz anders aus. Meiner Meinung nach ist die Chance, dass man mit einer solchen Einstellung länger Sport betriebt, auch relativ gering. Man macht sich ja nur selbst kaputt!http://www.tt-news.de/ubb/smilies/flop.gif

In diesem Sinne hoffen wir mal auf das fortschreitende Alter und die damit verbundene Vernunft! http://www.tt-news.de/ubb/smilies/smile.gif

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Lolly
19.06.2000, 07:51
meine tochter ist 9 Jahre und spielt seit ca. einem Jahr tischtennis. ich stehe auf dem standpunkt, dass es ihr spass machen soll. ich spiele mit ihr daheim im garten - ganz locker- und erkläre/korrigiere sie wenn notwendig/gelegentlich.
im verein bin ich bewusst nicht dabei, denn sie wird dann abgelenkt und macht den kasper.

das kinder in diesem alter weinen ist ganz normal, und das fluchen und maulen lernen sie u.a. auch in der Schule.

gruss

lolly


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Cogito
19.06.2000, 11:27
Der Ex-Bundeskanzler Helmut Schmidt ist damals ausgelacht worden, als er Diziplin, Tüchtigkeit, ... eingefordert hat. Die Schelte gipfelte in der Äußerung, daß seien typisch deutsche Sekundärtugenden, mit denen man allenfalls ein KZ führen könne.

Was dabei 'rauskommt, wenn man diese "Sekundärtugenden" bei der Erziehung vernachlässigt, kann man in Rykers Beitrag schön nachlesen. Zu meiner Zeit als 6-10 Jähriger - also 1957-61 - wäre ich bei einem solchen Verhalten sofort mit einem Arschtritt 'rausgeflogen - völlig egal, wie talentiert ich gewesen wäre. Der Tritt - Synonym für Ohrfeige etc. - ist natürlich nicht in Ordnung. Das Rausschmeissen befürworte ich aber voll.

Ganz einfach: benimm dich oder gehe und komme erst wieder, wenn du dich benehmen kannst.

Wirklich ganz ganz einfach !

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Siegmund Freud
19.06.2000, 13:36
Ich sehe die Tränen als ein positives Zeichen an. Wenn die Kinder noch weinen können, sind sie noch mit EIGENEM Ehrgeiz dabei. Ihnen bedeutet das Tischtennisspiel noch etwas und sie sind auch bereit, etwas dafür zu tun. Wenn der innere Druck jedoch zu groß wird, muß ein Ventil da sein, durch das der Druck abgelassen wird. Hier ist es besser, Tränen fließen zu lassen, als aggressiv zu werden und Schläger zu schmeißen. Also keine Tränen verbieten oder abtrainieren. Laßt die Kinder eine Weile in Ruhe ihre Tränen vergießen.
Wenn ihr (Eltern) sie alleine laßt, dann werden sie auch nicht lernen, die Tränen als - meist unbewußtes - Machtmittel gegenüber den Eltern einzusetzen. (Psychologisch ausgedrückt: Auf ein Verhalten [weinen] folgt eine wünschenswerte Konsequenz [Trösten, in den Arm genommen werden]. Lernerfolg: Um das erwünschte Elternverhalten häufiger zu erhalten, wird das Ursprüngliche Verhalten [weinen] häufiger gezeigt.)

Spieler, die durch unsportliche Verhaltensweisen gewinnen (seien sie bewußt oder unbewußt), müssen auf die Falschheit ihres Verhaltens aufmerksam gemacht werden. Hier ist der Trainer gefordert (evtl auch die Eltern). Sie müssen dem Kind zu verstehen geben, daß sie sich über diesen ersten Platz überhaupt nicht freuen können und sehr enttäuscht sind von dem Verhalten ihres Spielers. Evtl. sollte man so einen Spieler auch mal vom Training ausschließen. Dann lernt er: Erfolg ja, aber nicht um jeden Preis.

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ALLE MACHT DEN NOPPEN !!!

Gaudeamus igitur, juvenes dum sumus!

Milena
21.06.2000, 17:07
Ich denke alle Beiträge sind zum Teil richtig.Das kann man aber auch nicht auf alle Kinder beziehen...oft sind es wirklich die Eltern,die den Druck ausüben....das merkt man oft z.B. auf Ranglisten,wenn ein Vater jeden(aber wirklich JEDEN) Ball kommentieren muss!Das kann echt nerven!Aber das ist auch nicht immer so!Übrigens fällt auf,das Jungen immer viel ergeiziger sind als Mädchen,und auch eher zu Wutausbrüchen neigen....auch denke ich,das die Jungs sich bestimmte Gesten einfach von den Älteren abschauen,wie z.B. das Schlägerwerfen.Das ist oft glaube ich,einfach nur getue.

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Foo2
21.06.2000, 17:16
Da kann man ja nur froh sein dass das geheule mit dem älter werden zusehend abnimmt, daher würde ich es auch nicht überbewerten wenn 9 jährige an der Platte stehen und beim verlieren sehr nah am Wasser stehen.

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Jo jo und alles wird gut

Siegmund Freud
22.06.2000, 00:13
@ Freddie

Ich glaube, Du hast mich etwas mißverstanden. Natürlich ist es gut, die Kinder zu trösten. Mein Beispiel war auch nicht als grundsätzliche Reaktion auf das Weinen gedacht, sondern bezog sich auf das erlernte Weinen als Manipulationsmittel, daß bei dem von Ryker zitierten Beispiel wohl der Fall war. (Ich habe meinen Beitrag gerade noch mal nachgelesen. Es war wirklich mißverständlich ausgedrückt.)
Das "zurückgezogen weinen lassen" ist dann sinnvoll, wenn Du merkst, daß Dein Kind NICHT MEHR weint, weil es ein Spiel unglücklich verloren hat, sondern nur weint, damit es getröstet wird. Dieser Punkt ist jedoch sehr schwierig zu erkennen.

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ALLE MACHT DEN NOPPEN !!!

Gaudeamus igitur, juvenes dum sumus!

Freddie
22.06.2000, 11:11
Original erstellt von Siegmund Freud:
(Psychologisch ausgedrückt: Auf ein Verhalten [weinen] folgt eine wünschenswerte Konsequenz [Trösten, in den Arm genommen werden]. Lernerfolg: Um das erwünschte Elternverhalten häufiger zu erhalten, wird das Ursprüngliche Verhalten [weinen] häufiger gezeigt.)



@Siegmund Freud

Als Vater habe ich da etwas andere Erfahrungen gemacht, so daß ich diese einfach Formel nicht gelten lasse. Das Weinen häuft sich vor allem bei nicht konsequentem Verhalten. Nehme ich meinen Sohn in den Arm und tröste ihn, so geht es sehr lange bis zum nächsten Weinen (inzwischen mehrere Wochen). Ich sage ihm, daß ich verstehe, daß er jetzt traurig ist und daß es wieder vorbei geht. Ich halte nichts davon, ihn allein (zurückgezogen) zu lassen.

Dann versuche ich möglichst schnell "positive Gedanken in seinen Kopf zu pflanzen."http://www.tt-news.de/ubb/smilies/smile.gif

Und er ist schnell wieder froh.

http://www.tt-news.de/ubb/smilies/bounce.gif http://www.tt-news.de/ubb/smilies/bouncered.gif http://www.tt-news.de/ubb/smilies/bounceyellow.gif




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Freddie,
mit Skol und einem Cheerio
macht Tischtennis mein Leben froh.

Mephisto
25.06.2000, 22:28
Meiner Meinung nach befinden wir uns hier in einem Grenzbereich.

Speziell im Spitzensport gehört anfeuern und ein bewußtes Einsetzen solcher Gesten direkt und indirekt dazu ( mir ist kein Kaderspieler bekannt, der nicht mit solchen Mitteln arbeitet). Indirekt, um dem Kontrahenten eigene Stärke zu vermitteln und ein Selbstvertrauen zu dokumentieren. Direkt, um sich selber hochzupushen und evtl. einen vermeintlich stärkeren Gegner zu besiegen. Problem ist die BEWUSSTE Anwendung dessen. Viele Kinder haben solche Verhaltensweisen aufgesetzt oder abgeschaut, ohne die Intention begriffen zu haben. Sie nutzen diese dann lediglich zur Konfrontation. In diesem Fall sind sie dann nicht mehr zielgesteuert und somit auch weniger effektiv. Folge bei Nichterreichen des Ziels, sprich Niederlage, steht dann oft Enttäuschung. Diese entläd sich speziell bei den jüngeren Jahrgängen dann in Tränen.

Ich denke mal, hier sind die Trainer gefragt. Den Kindern muß ggf. bewußt sein, welche taktischen und psychologischen Mittel sie einsetzen und warum. Dafür gibt es kein allgemeingültiges Erfolgsrezept; auf jeden Fall muß viel geredet werden, um ein Kind für so ein Thema zu sensibilisieren. Hilfestellung kann auch der Besuch von Spitzensportveranstaltungen sein, bei denen die Kinder den schmalen Grat zwischen leistungsförderden anfeuern und unfairen Verhaltenweisen recht gut beobachten können. Sollte man sich so eine trainingsbegleitende Maßnahme nicht zutrauen, sollte man auf solche Mittel wohl besser gänzlich verzichten.

Natürlich ist das auch charakterabhängig. Und als Trainer muß man leider manchmal erkennen, daß man in 4-8 Stunden wöchentlich nicht eine verpatztte Erziehung und ein schlechtes Umfeld ausgleichen kann. Außerdem sind schlechte Vorbilder bei den Erwachsenen auch oft kontraproduktiv.

Generell bleibt die Frage: Ab welchen Alter sollte man solche Mittel überhaupt einsetzen?

Das Problem wird sein, daß es einfach von oben suggeriert wird und es auf das eigene Verhalten übertragen wird.

Trainer und Eltern spielen in diesem Zusammenhang auch eine entscheidende Rolle bei den Wettkämpfen. Druck aufbauen und pushen können alle - hinterher nach einem Negativerlebnis sind die wenigsten da.

Nun nochmal konkret zu Rykers Beispiel: War eigentlich kein Schiri in der Halle? Bei dem beschriebenen Verhalten hätten beide Spieler nicht schadlos bleiben dürfen. Durch die Tolerierung, speziell im Endspiel, wird sich dieses Verhalten zum Teil auf zuschauende Kinder multiplizieren.

In Hessen gibt es einen Schüler, der Heulen sogar als taktisches Mittel einsetzt, um den Gegner mit Spielunterbrechungen aus dem Konzept zu bringen. Er war schon auf südwestdeutscher Ebene "vorbestraft", hatte aber in den vergangenen Monaten wiederholt durch solche Szenarien, gepaart mit Tischtritten und Schlägerwürfen, gehandelt. Bei den letzten Ranglisten hat er durch rote Karte und Turnierausschluß die Quittung bekommen. Natürlich steht da auch ein persönliches Schicksal dahinter, aber ein konsequenter Umgang in jungen Jahren ist erforderlich und wegweisend.

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Carpe diem

Mephisto

Flocke
26.06.2000, 18:33
Original erstellt von Mephisto:

In Hessen gibt es einen Schüler, der Heulen sogar als taktisches Mittel einsetzt, um den Gegner mit Spielunterbrechungen aus dem Konzept zu bringen. Er war schon auf südwestdeutscher Ebene "vorbestraft", hatte aber in den vergangenen Monaten wiederholt durch solche Szenarien, gepaart mit Tischtritten und Schlägerwürfen, gehandelt. Bei den letzten Ranglisten hat er durch rote Karte und Turnierausschluß die Quittung bekommen. Natürlich steht da auch ein persönliches Schicksal dahinter, aber ein konsequenter Umgang in jungen Jahren ist erforderlich und wegweisend.



Was ?? Das darf doch nicht wahr sein ??
Weisst du woran dieses Verhalten liegt, denn ich kann mir nicht Vorstellen, das einem so etwas antrainiert werden kann !!!
Ich kann mir auch nicht vorstellen, woher sie so was haben, denn anders, als im Tennis wirft beim T-T seltener ein Top Spieler seinen Schläger oder rastet aus !



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Hauptsache; es läuft !!

Cheftrainer
26.06.2000, 20:57
Also der Junge von dem du schreibst setzt dies nicht als taktisches Mittel ein.

Sonst würde er rechtzeitig vor der Disqualifikation aufhören. Er war schliesslich mal in der Südwestrangliste Top 5.

Wenn er dauernd disqualifiziert wird, hat er bistimmt keinen taktischen Vorteil. Dies wird dieser inzwischen 13-jährige Junge auch gemerkt haben.

Sein Problem ist anderer Natur. Ich denke da bräuchte man einen Psychologen, oder er sollte besser aufhören mit dem TT.

Sein Vater ist auch recht ehrgeizig, aber es macht auch manchmal den Eindruck, dass er versucht dagegen was zu unternehmen, aber wer kann das schon beurteilen.

Von "Aussen" ist dies sicherlich nicht möglich!

Cheftrainer

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Freddie
26.06.2000, 21:42
Ich schlage vor, rechtzeitig mit den Kindern nicht nur Technik, Kondition und Koordination zu trainieren, sondern sie bereits auf mentales Training einzustimmen. Ich habe anfangs von meinem Sohn erzählt (9 Jahre), der durchaus heute noch ab und zu weint, und mir bestätigt, wer will es nicht.

Immer wenn er merkt, daß er sich aufregt, Tränen kommen oder ähnliches hüpft er jetzt leicht auf der Stelle

http://www.tt-news.de/ubb/smilies/bounce.gif http://www.tt-news.de/ubb/smilies/bouncered.gif http://www.tt-news.de/ubb/smilies/bounceyellow.gif

und atmet mindestens dreimal tief aus. Dadurch verkrampft er nicht so. Nach ein paar Wochen Übung macht er das jetzt automatisch.

Das zweite was ich mache, ist: Wir üben Theater spielen, d.h. Gefühle ohne Laut darstellen und erkennen. Er merkt, daß wenn er das macht, diese Gefühle auch fühlbar sind.

Vielleicht kann uns ja unser "Psychoguru" Siegmund Freud auch noch Tips geben.


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Freddie,
mit Skol und einem Cheerio
macht Tischtennis mein Leben froh.

Mephisto
02.07.2000, 13:42
Hi Cheftrainer,

ich hatte auch lange Zeit gedacht, daß das Problem rein psychologischer und familiärer Natur ist. Da ich den Spieler aber seit seinen ersten TT-Versuchen regelmäßig von Kreis- bis Südwestebene sehe, muß ich Dir wiedersprechen. Wiederholt hat er probiert, sein Verhalten auch als taktisches Mittel einzusetzen. Wenn der Kontrahent sich dadurch nicht irritieren läßt, geht das ganze dann ,wie in meinem Beispiel beschrieben, natürlich richtig in die Hose und die psychologischen Folgen für den Jungen sind dementsprechend größer.

Ich weiß auch nicht, ob es vielleicht besser für die persönliche Entwicklung des Jungen wäre, aufzuhören. Aber da steht auch ein gewisser familiärer Druck dahinter. Ich befürchte, im nächsten Jahr könnte es bei den Herren für ihn noch dramatischer werden, wenn er nicht gleich das eine oder andere Erfolgserlebnis hat.

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Carpe diem

Mephisto

Siegmund Freud
04.07.2000, 13:50
Eins ist auf jeden Fall sicher: Der Junge braucht dringend therapeutische Hilfe.

Als erstes sollte geprüft werden, ob der Junge hyperaktiv ist und wenn ja, wie stark.

Dann ist auch eine Verhaltenstherapie notwendig.

Manche Kinder bekommen zusätzlich zur Therapie noch Medikamente.

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ALLE MACHT DEN NOPPEN !

Mister 1000

Siegmund Freud
04.07.2000, 13:57
@ Freddie

Deine Vorschläge kann ich nur unterstützen.

Ergänzend kann ich noch sagen, daß auch Rituale gut sein können. Erarbeitet mit euren Kindern Übungen, wie sie bei ärgerlichen Punktverlusten sich verhalten sollen, und übt diese ein.
Bsp: Kurz an die Wand stellen - zwei mal tiiiiief durchatmen - Spruch: Den nächsten Punkt hole ich mir! - zurück an den Tisch.

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ALLE MACHT DEN NOPPEN !

Mister 1000

Frank Schmidt
17.07.2000, 13:50
Aus aktuellem Anlass muss ich zu diesem Thema noch einmal etwas schreiben!

Ich war gestern in Luxemburg auf einem Aktiventurnier und dort ist genau das passiert, was Ryker so schön beschrieben hat. Ein gewisser Markus Müller (eigentlich noch Schüler) hat bei den Herren mitgespielt. Der hat wirklich nach jedem Punkt immer "Ja", "Jawoll", "Sehr schön", "Come on"... geschriehen hat, selbst wenn der Gegner einen Aufschlagfehler gemacht hat.

Das hat mich vielleicht angekotzt. Ich habe auch noch ein Spiel von dem zählen müssen. Der Gegner kam danach zu mir und meinte noch: das schlimmste daran ist, wenn Du dem kleinen eine runterhaust, ist er auch noch gleich k.o.! http://www.tt-news.de/ubb/smilies/biggrin.gif

Irgendwann im Laufe des Turniers hat er dann eine gelbe Karte bekommen und sich auch noch darüber aufgeregt, er würde ungerecht behandelt. Als er dann im Finale zum Glück mal verloren hat, hat er gar nicht mehr aufgehört, zu flennen! http://www.tt-news.de/ubb/smilies/wuerg.gif http://www.tt-news.de/ubb/smilies/wuerg.gif http://www.tt-news.de/ubb/smilies/wuerg.gif

Das scheint aber mittlerweile wohl die Regel zu sein. Scheinbar bekommen diese Kinder das noch beigebracht bevor sie richtig spielen können! Da spiele ich lieber ein Niveau, dass 4-5 Klassen schlechter ist und dafür aber fair. Was da abgeht, hat mit Sport echt nix mehr zu tun. Es kommt wohl nur noch drauf an, wer wen besser psychisch fertigmachen kann!
Das ist echt zum http://www.tt-news.de/ubb/smilies/zensiert.gif!!! http://www.tt-news.de/ubb/smilies/wuerg.gif

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Sport sollte letztlich dazu beitragen, dass wir gesünder sterben und nicht kranker leben.
(Berthold Brecht)
http://www.svfraulautern.de

Flocke
17.07.2000, 15:33
Der falsche Ehrgeiz dieser Leute nimmt wirklich teilweise beunruhigende Formen an.Das darf doch nicht wahr sein, das der Sport so verbissen und hart, wie ein Kampf geführt wird ich finde das absolut verrückt ( um es milde auszudrücken http://www.tt-news.de/ubb/smilies/wuerg.gif ).
Das ist ach keine gute Werbung für den Sport.

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Hauptsache; es läuft !!

aleol
17.07.2000, 15:47
Gerade beim Tischtennis können psychologische Mittel oder auch Tricks schon eine Menge ausmachen. Es wäre mir allerdings auch zu blöd, dem Gegner nach dem Spiel nicht mehr in die Augen schauen zu können, nur um das Spiel zu gewinnen. Allerdings treibe ich nun nicht gerade Leistungssport.
Es wäre aber schön, wenn auch in dieser Hinsicht beim TT die Fairness über den Erfolg gestellt würde.
Das wäre vielleicht auch eine Chance, wieder mehr Nachwuchs in die Halle zu bekommen.
Dann würde Tischtennis eine Möglichkeit sein, den Kindern zu zeigen, daß gewinnen eben nicht alles ist, und es soll ja noch Eltern geben, die ihren Kindern gerade das ganz gerne nahebringen würden.

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Versuchungen sollte man nachgeben, wer weiß, ob sie wiederkommen. (Oscar Wilde)

[Diese Nachricht wurde von aleol am 17-07-2000 editiert.]