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Variatio 26.10.2015 11:03

Ball so gespielt, dass "Störung" unvermeidlich - Wiederholung?
 
Moin!

Ich hatte gestern bei einem Turnier ein Finale gezählt und bin seit langem mal wieder an eine Situation geraten, in der ich nicht weiterwusste (hab allerdings auch keine Schiedsrichter-Ausbildung).

Wie immer stehen die Platten relativ dicht, und es kommt oft zu Störungen (einfliegende Bälle, "Stopp", ...) von den Nachbartischen. Bei dem einen Ballwechsel war die Störung aber anders und in gewissem Sinne unvermeidlich:
Spieler A drängt Spieler B nach hinten und spielt schließlich einen schnellen extrem diagonalen Ball über die Seitenlinie, sodass Spieler B beim Returnversuch unvermeidlich in den Bereich des Nachbartisches gelangt. Dort befindet sich ein Spieler C in seinem normalen Spielbetrieb, der den Spieler B "stört", wobei Spieler B den Ball trotzdem unbedrängt spielen kann, aber die Platte verfehlt.

Ich habe auf Punkt für A entscheiden:
  • Spieler A spielt einen regelgerechten Ball
  • Spieler B hätte (theoretisch) die Möglichkeit gehabt, den Ball mit einem Standpunkt zum Tisch zu returnieren, dass keine Störung eingetreten wäre (näher am Tisch). Die Störung lag also in gewissem Sinne in der Verantwortung von B.
  • Auch bei anderen "Störungen" (Spieler A schmettert den Ball so hoch/weit, dass Spieler B die Box verlassen müsste/gegen die Wand rennt/nicht mehr dran kommt ...) wird meines Wissens nach immer auf Punkt für A entscheiden.

Gott sei Dank haben die Spieler meine Entscheidung ohne weitere Diskussion (naja, Spieler B murmelte noch etwas von "das war aber schon grenzwertig") hingenommen - aber was sagt das Regelwerk nun genau?

JanMove 26.10.2015 11:38

AW: Ball so gespielt, dass "Störung" unvermeidlich - Wiederholung?
 
Ich nehme an, dass diese Situation regeltechnisch gar nicht erfasst ist, da normalerweise jeder Tisch von einer Box umrandet sein muss. Das Verlassen der Box wäre nicht gestattet und somit Fehler für B.
Wenn nun keine Box vorhanden ist, muss man sich wohl eine imaginäre Box vorstellen, so dass B diese imaginäre Box wohl auch verlassen hat. Demnach selber Schuld, Pech gehabt und ebenfalls Fehler für B.
Das wäre meine Auslegung als nicht ausgebildeter Schiri.

Hillegosser 26.10.2015 11:47

AW: Ball so gespielt, dass "Störung" unvermeidlich - Wiederholung?
 
Das regelwerk geht vermutlich von einer Box aus. Und ist dementsprechend nicht besonders hilfreich. ;)

Alles in allem sehe ich es wie du.

Wenn jemand durch einen weiten Ball in die Bande "gedrückt" wird, kann er auch nicht darauf hoffen, dass der Punkt wiederholt wird.

Torsten von Bayern 26.10.2015 13:29

AW: Ball so gespielt, dass "Störung" unvermeidlich - Wiederholung?
 
Das "erweiterte" Regelwerk in Form des ITTF-Schiedsrichterhandbuchs gibt dazu schon eine Hilfestellung:

http://www.ittf.com/URC/PDF/HMO_15th_edition.pdf , Abschnitt 11.3.2.
"Wenn Bedingungen, die schon zu Beginn des Ballwechsels bestanden haben, zu einer Störung führen, so ist das kein Grund für eine Wiederholung des Ballwechsels."

Eng stehende Tische sind eine solche Bedingung. Also korrekt entschieden, Punkt für A.

Schmidt 26.10.2015 13:46

AW: Ball so gespielt, dass "Störung" unvermeidlich - Wiederholung?
 
Trotz dieser Regel, hätte ich fairerweise den Punkt nicht gezählt.
Klarer Menschenverstand ist wichtiger als eine Regel. :)

klugscheisser 26.10.2015 13:59

AW: Ball so gespielt, dass "Störung" unvermeidlich - Wiederholung?
 
Zitat:

Zitat von Schmidt (Beitrag 2672455)
Klarer Menschenverstand ist wichtiger als eine Regel. :)

das sehen Juristen aber anders!
(es gibt zum Glück auch kein "gesundes Volksempfinden" mehr)

Variatio 26.10.2015 13:59

AW: Ball so gespielt, dass "Störung" unvermeidlich - Wiederholung?
 
Zitat:

Zitat von Schmidt (Beitrag 2672455)
Trotz dieser Regel, hätte ich fairerweise den Punkt nicht gezählt.
Klarer Menschenverstand ist wichtiger als eine Regel. :)

Genau, und der Menschenverstand sagt: Punkt zählen

Oder willst du Spieler A bestrafen, der nen tollen Ball gespielt hat?

Variatio 26.10.2015 14:06

AW: Ball so gespielt, dass "Störung" unvermeidlich - Wiederholung?
 
Zitat:

Zitat von Torsten von Bayern (Beitrag 2672448)
Eng stehende Tische sind eine solche Bedingung. Also korrekt entschieden, Punkt für A.

Dankeschön! :)

Wobei hier in meiner Situation eine Unschärfe besteht:
Die Störung bestand ja nicht in den stabil stehenden Tischen, sondern im variablen Spieler C, der jedoch 'seinem' Tisch zugeordnet ist. Dieser befand sich während des Schlages im Bereich von Spieler B. Hätte ja auch anders sein können, dann wäre es auch tatsächlich (zufällig) keine Störung gewesen.

crycorner 26.10.2015 14:06

AW: Ball so gespielt, dass "Störung" unvermeidlich - Wiederholung?
 
Ja, ich sehe es auch so, dass der Punkt für A gerechtfertigt ist. Die Begründung von Torsten hätte ich auch im Kopf gehabt, ohne auf die genaue Regel verweisen zu können.

Also alles richtig gemacht!

Nachtrag: Spieler C hat Deiner Aussage nach ganz normal seinen Spielbereich genutzt und daher kein aktiver Störfaktor im normalen Spielbereich von Spieler B. Dass Spieler B seinen eigenen normalen Spielbereich verlassen hat, ist sein Risiko.

Variatio 26.10.2015 14:10

AW: Ball so gespielt, dass "Störung" unvermeidlich - Wiederholung?
 
Ah ok, im pdf wird (fast genau) dieses Beispiel genannt:
"For example, a player who fails to make a good return
because he or she collides with his or her doubles partner (...) is
not entitled to the benefit of a let"


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