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martinspin 27.07.2004 09:38

Flow II: Verschmelzung von Körper und Geist
 
Hallo Leute
Nach dem ersten Threat über Flow (Balance zwischen Herausforderung und Können) wage ich mich nun an den zweiten Teil dieses Themas.
Im Buch "Flow im Sport" von Csikszentmihalyi/Jackson steht folgendes zum Thema geschrieben

"Wenn sie sich eins fühlen mit den Bewegungen, die sie ausführen, erleben sie die zweite Dimension von Flow: Die Verschmelzung ihres Denkens und ihres Tuns. Der Geist blickt nicht mehr wie von aussen auf den Körper, sondern Geist und Körper werden eins. Dieses Einsseins mit den Bewegungen erfordert keinerlei Anstrengung. Der Geist verarbeitet das Feedback des Körpers spontan als Teil eines nahtlosen Prozesses. Dieser Prozess führt schliesslich zu völliger Versunkenheit oder der Verschmelzung von Denken und Tun."

Das ist der anzustrebende Zustand. Leider gilt es auf dem Weg zur Versunkenheit ins Tun Hindernisse zu überwinden.

1. Eine aussergewöhnliche Umgebung kann den Sportler gehörig ablenken: Halle, Beleuchtung, Tische, Netze, Akustik, Zuschauer, usw.

2.Der Gegner kann uns daran hindern, Versunkenheit zu erleben: Verhalten, Einspielen, Aufschläge, Spielweise, Strategie, Material, Spielchen, usw.

3. Der grösste Verhinderer von Versunkenheit sind wir selbst: Müdigkeit, Unkonzentriertheit, Selbstkritik, Selbstzweifel, Unausgewogenheit, Sich-Gehen-Lassen usw.

Meiner Meinung nach, können diese Hindernisse relativ leicht überwunden werden, wenn wir aufhören, die Umgebung, den Gegner und uns dauernd zu bewerten. Erst dann wird es möglich sein, unsere Aufmerksamkeit auf unser Tun zu lenken und die angestrebte Versunkenheit in unser Handeln zu erreichen.

Was meint ihr dazu?

Gruss
martinspin

klugscheisser 27.07.2004 09:40

AW: Flow II: Verschmelzung von Körper und Geist
 
Zitat:

Zitat von martinspin
Hallo Leute
Nach dem ersten Threat über Flow (Balance zwischen Herausforderung und Können) wage ich mich nun an den zweiten Teil dieses Themas.
Im Buch "Flow im Sport" von Csikszentmihalyi/Jackson steht folgendes zum Thema geschrieben

"Wenn sie sich eins fühlen mit den Bewegungen, die sie ausführen, erleben sie die zweite Dimension von Flow: Die Verschmelzung ihres Denkens und ihres Tuns. Der Geist blickt nicht mehr wie von aussen auf den Körper, sondern Geist und Körper werden eins. Dieses Einsseins mit den Bewegungen erfordert keinerlei Anstrengung. Der Geist verarbeitet das Feedback des Körpers spontan als Teil eines nahtlosen Prozesses. Dieser Prozess führt schliesslich zu völliger Versunkenheit oder der Verschmelzung von Denken und Tun."

Das ist der anzustrebende Zustand. Leider gilt es auf dem Weg zur Versunkenheit ins Tun Hindernisse zu überwinden.

1. Eine aussergewöhnliche Umgebung kann den Sportler gehörig ablenken: Halle, Beleuchtung, Tische, Netze, Akustik, Zuschauer, usw.

2.Der Gegner kann uns daran hindern, Versunkenheit zu erleben: Verhalten, Einspielen, Aufschläge, Spielweise, Strategie, Material, Spielchen, usw.

3. Der grösste Verhinderer von Versunkenheit sind wir selbst: Müdigkeit, Unkonzentriertheit, Selbstkritik, Selbstzweifel, Unausgewogenheit, Sich-Gehen-Lassen usw.

Meiner Meinung nach, können diese Hindernisse relativ leicht überwunden werden, wenn wir aufhören, die Umgebung, den Gegner und uns dauernd zu bewerten. Erst dann wird es möglich sein, unsere Aufmerksamkeit auf unser Tun zu lenken und die angestrebte Versunkenheit in unser Handeln zu erreichen.

Was meint ihr dazu?

Gruss
martinspin


Sehr bedenkenswert!

Dieterkuhn 27.07.2004 10:13

AW: Flow II: Verschmelzung von Körper und Geist
 
Zitat:

Zitat von martinspin
Meiner Meinung nach, können diese Hindernisse relativ leicht überwunden werden, wenn wir aufhören, die Umgebung, den Gegner und uns dauernd zu bewerten. Erst dann wird es möglich sein, unsere Aufmerksamkeit auf unser Tun zu lenken und die angestrebte Versunkenheit in unser Handeln zu erreichen.

ich sehe das genauso.

äussere faktoren können es zwar schwieriger machen, aber letztendlich sind wir selbst herr über unsere gedanken, und es liegt an jedem selbst, wie er diese gedanken "kontrolliert".

es ist sehr leicht und bequem, z.b. einen unfairen gegner als hinderniss anzusehen, und dann ihn als ausrede zu benützen, warum man nicht gewinnen konnte.

aber letztendlich ist es wie überall im leben, ich bestimme in wiefern ich mich auf die bevorstehende aufgabe konzentriere.

ich denke es hängt aber sehr stark davon ab, in wie weit ich mich mit solchen gedanken schon selbst auseinandergesetzt habe, bzw in wie weit ich solche dinge schon "praktiziert" habe.

wenn ich eine schwierige situation zu meistern habe, und ich mich wirklich anstrenge und diese situation überwinde (z.b. ein gegner der dauernd meckert über das gegnerische spiel), dann bin ich beim nächsten mal besser dagegen gewappnet.
wenn ich solche situation dagegen als ausrede benütze (mein gegner war so ein ar:zensiert:, gegen den konnte ich nicht spielen), dann wird es mir auch in zukunft nicht gelingen.

wenn ich mir dieser problematik bewusst werde, dann bin ich auf jeden fall schon ein wichtiges stück weiter, es heisst ja nicht umsonst "selbsterkenntnis ist der erste weg zu besserung".

Stoney 27.07.2004 10:40

AW: Flow II: Verschmelzung von Körper und Geist
 
Zitat:

Der Geist blickt nicht mehr wie von aussen auf den Körper, sondern Geist und Körper werden eins. Dieses Einsseins mit den Bewegungen erfordert keinerlei Anstrengung. Der Geist verarbeitet das Feedback des Körpers spontan als Teil eines nahtlosen Prozesses.
Hört sich nett an, aber als jemand, der sich schonmal ein bisschen mit Kognitionspsychologie beschäftigt hat, muss ich sagen, dass das der Normalzustand ist. :rolleyes:

Dieterkuhn 27.07.2004 12:03

AW: Flow II: Verschmelzung von Körper und Geist
 
Zitat:

Zitat von Stoney
Hört sich nett an, aber als jemand, der sich schonmal ein bisschen mit Kognitionspsychologie beschäftigt hat, muss ich sagen, dass das der Normalzustand ist. :rolleyes:

meinst du damit den ersten, oder die anderen beiden sätze?

bezogen auf die letzten beiden würde ich dir zustimmen, bei dem ersten allerdings wiedersprechen, wobei man die aussage etwas sorgsamer formulieren müsste

martinspin 27.07.2004 12:14

AW: Flow II: Verschmelzung von Körper und Geist
 
Hallo Stoney

Zitat:

Zitat von Stoney
Hört sich nett an, aber als jemand, der sich schonmal ein bisschen mit Kognitionspsychologie beschäftigt hat, muss ich sagen, dass das der Normalzustand ist. :rolleyes:

Was meinst du mit nett? Was hat die Beschreibung von Csikszentmihalyi mit der Kognitionspsychologie zu tun? Was hast du selbst für Erfahrungen gemacht im kognitiven Bereich? Was soll :rolleyes: ?

Fragen über Fragen! Werden wir jemals Erfahren was Stoney wirklich meint? Wird werden sehen...

Gruss
martinspin

Stoney 27.07.2004 13:06

AW: Flow II: Verschmelzung von Körper und Geist
 
Zur näheren Erläuterung:
Eine Verschmelzung von Körper und Geist setzt ja voraus, dass beide vorher getrennt sind. Das ist aber nicht der Fall.
Der Geist blickt nicht wie von außen auf den Körper. Beobachtest Du Deine Bewegungen, wenn Du etwas tust, insbesondere, wenn Du Tischtennis spielst? Siehst Du Dir selber zu? Wohl kaum.

Zitat:

Der Geist verarbeitet das Feedback des Körpers spontan als Teil eines nahtlosen Prozesses.
Genau. Das brauche ich nicht zu lernen oder zu üben, denn das ist der normale Ablauf. Körper, Hirn und Umwelt bilden ein System mit komplexen wechselseitigen Beeinflussungen, in dem Wahrnehmen, Denken und Handeln einen "nahtlosen" Prozess bilden.

Tischtennis ist ein gutes Beispiel, um sich dies vor Augen zu führen. Du nimmst den Ball wahr und gleichzeitig mit der Wahrnehmung des Balles nimmst Du auch Deine Handlungsmöglichkeiten wahr, Du siehst sofort, welchen Schlag Du ausführen kannst. Schnell hast Du Dich für eine Möglichkeit entschieden und schon ist der Schlag ausgeführt, ohne dass Du Dir den Bewegungsablauf ins Bewusstsein rufen musst.

Zitat:

Dieser Prozess führt schliesslich zu völliger Versunkenheit oder der Verschmelzung von Denken und Tun.
Die Verschmelzung von Denken und Tun muss also nicht erst erreicht werden.
Die völlige Versunkenheit ist wieder etwas anderes. Sie ist IMHO dann erreicht, wenn
  • die für das Spiel irrelevanten Wahrnehmungen (alles außer Ball, Tisch und Gegner) ausgeblendet d.h. nicht verarbeitet werden
  • keine Gedanken, die sich nicht unmittelbar auf das Spiel (d.h. den laufenden oder kommenden Ballwechsel) beziehen, die Konzentration stören (dazu gehören auch Gedanken über das Spiel wie z.B. Selbstkritik oder Selbstzweifel)
In Bezug auf die Hindernisse auf dem Weg zur Versunkenheit stimme ich mit dir also überein.

martinspin 27.07.2004 13:55

AW: Flow II: Verschmelzung von Körper und Geist
 
Hallo Stoney

Zitat:

Zitat von Stoney
Beobachtest Du Deine Bewegungen, wenn Du etwas tust, insbesondere, wenn Du Tischtennis spielst? Siehst Du Dir selber zu? Wohl kaum.

"Der Geist blickt nicht mehr wie von aussen auf den Körper, sondern Geist und Körper werden eins"

Ist ja bloss ein Zitat aus dem Buch! :)

Der Satz trifft auf jeden Fall auf Leute zu, die während dem Spiel ständig ihre Bewegungen analysieren. Aufgeschnappte Zitate von TT-Spielern während dem Match:

"Mensch, jetzt mach doch mal den Schläger zu beim Block!" (Selbstkritik bezüglich Schlagarmtechnik)
"Beweg dich doch besser, du faule Sau!" (Starke Selbstkritik bezüglich Beinarbeit)

Solche oder ähnlichen Gedanken verraten doch schon einiges über die Gespaltenheit von Körper und Geist. Da TT eine sehr technische Sportart ist, meinen viele Spieler bei Fehlern, es läge an der falschen Technik oder an den falschen oder fehlenden Bewegungen oder sonst was... Darum wird oft auch diese selbstkritische Brille aufgesetzt und der Geist ist oft von der momentanen Bewegung abgeschnitten und Unsicherheit herrscht vor.

"Misserfolg" nicht zu bewerten ist der erste Schritt zur Einheit von Körper und Geist.

Gruss
martinspin

Stiwi 02.08.2004 22:35

AW: Flow II: Verschmelzung von Körper und Geist
 
Zitat:

Zitat von martinspin



"Der Geist blickt nicht mehr wie von aussen auf den Körper, sondern Geist und Körper werden eins"

Ist ja bloss ein Zitat aus dem Buch! :)

Der Satz trifft auf jeden Fall auf Leute zu, die während dem Spiel ständig ihre Bewegungen analysieren. Aufgeschnappte Zitate von TT-Spielern während dem Match:

"Mensch, jetzt mach doch mal den Schläger zu beim Block!" (Selbstkritik bezüglich Schlagarmtechnik)
"Beweg dich doch besser, du faule Sau!" (Starke Selbstkritik bezüglich Beinarbeit)

"Misserfolg" nicht zu bewerten ist der erste Schritt zur Einheit von Körper und Geist.

Gruss
martinspin


Sehe ich genauso.

Wenn ich sowas von mir gebe, räume ich nicht nur ein, daß ich der Situation nicht gewachsen bin (womit ich den Gegner eher bestärke/motiviere); zugleich wäre ich bezüglich unseres Flow-Gespräches wieder von eben diesem entfernt.

Ich bringe so quasi eher meinen Gegner zum Flow.. :p


Gruß,
Stiwi

martinspin 03.08.2004 08:08

AW: Flow II: Verschmelzung von Körper und Geist
 
Hallo Leute

Habe gestern im Training für mich einen weiteren Flow-Killer entdeckt: Mein Material. Spiele seit kurzem mit dem Mambo C. Jezt hat sich herausgestellt, dass mein steifes Carbonholz nicht so recht zum sehr elastischen Belag passt. Nun habe ich auch noch das Holz gewechselt. Im Ansatz spielt sich der Belag besser, nur die Länge der Bälle stimmt überhaupt noch nicht. In den Trainingsmatches war ich schockiert, dass ich die Länge der Bälle nicht in den Griff bekam, so dass ich ziemlich aufgelöst und meilenweit von Flow entfernt war.

In naher Zukunft, wo noch einige Materialtests nötig werden, muss ich mir eine gewisse Gelassenheit gegenüber den Materialexperimenten aneignen. Nicht die Matchtauglichkeit meines Materials wird wichtig sein, sonder wir sich das neue Material im Training anfühlt. Der Rest kommt dann mit der Routine.

Gruss
martinspin


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