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Power-Seven 16.12.2019 23:03

Table Tennis Review - "Videobeweis"
 
Zitat:

Zitat von Timo Boll (Beitrag 3113252)
Denke die Service Challenge ist insgesamt ein spannendes Feature, was auch bei den Zuschauern gut ankommen sollte.
Aber das ist natürlich ein Thema für einen eigenen Thread.

Und hier isser. Ein paar Diskussionen gab es im Thread zu den Grand Finals und auch im Timo Boll Thread.

Nur der Vollständigkeit halber, die Spieler können auch andere aus ihrer Sicht falsche Entscheidungen prüfen lassen.

https://ittf.cdnomega.com/eu/2019/12...TF_2019_11.pdf

Meist ging es bei den Grand Finals aber um Aufschläge.

Für die Spieler ist das zum ersten Mal eine Möglichkeit, eine SR-Tatsachenentscheidung wirklich anzuzweifeln und Recht zu bekommen.

Den Aspekt finde ich schon wichtig.

Javaguru 17.12.2019 05:19

AW: Table Tennis Review - "Videobeweis"
 
Ich auch. Und ich freue mich darauf, auch wenn ich möglicherweise bei keinem Turnier am Tisch sitzen werde, bei dem das Hawkeye zum Einsatz kommt. Vor allem bin ich gespannt, wie oft die Spieler Recht bekommen. ;) Und wie sie damit umgehen.

Lousy Defence 17.12.2019 06:48

Die Intention dieser Neuerung einerseits und ihre tatsächliche Anwendung in der Praxis andererseits könnten sehr voneinander abweichen. Denn beim "Videobeweis" ist zu befürchten, dass er von den Profis hauptsächlich als taktisches Mittel genutzt wird, womit er eher so etwas sein würde wie ein zusätzliches Timeout. Ob es dann ein kleines Timeout wird oder gar ein längeres, das hängt zudem davon ab, wie viel Zeit Auswertung und Entscheidung in Anspruch nehmen.

Wenn es insbesondere um (unfaire) Aufschläge geht, bin ich immer noch dafür, die Regeln zu vereinfachen und bspw. das Verdecken des Balles beim Aufschlag wieder zuzulassen (notgedrungen). Anders wird man in diesem Punkt keine fairen Bedingungen schaffen, ohne den Ablauf des Spiels stark zu verändern.
Aktuell soll ja vor allem zügig durchgespielt werden, Spieler(innen) bekommen deshalb Bälle zugeworfen und haben nur begrenzte Zeit, den Aufschlag auszuführen. Ein "Videobeweis" bewirkt hingegen eine Verzögerung des Geschehens. Die Frage sollte lauten: Wo will man denn hin? Zügiges Durchspielen oder unberechenbare Einwirkung der Spieler(innen) auf den Spielfluss?

In jedem Fall muss man sich dringend mal Gedanken machen, was man gerne erreichen will bzw. wollte und was man durch die Einführung zusätzlicher (komplizierter) Regeln bekommt bzw. (in der Rückbetrachtung) bekommen hat.

Power-Seven 17.12.2019 08:40

AW: Table Tennis Review - "Videobeweis"
 
Zitat:

Zitat von Lousy Defence (Beitrag 3113667)
Denn beim "Videobeweis" ist zu befürchten, dass er von den Profis hauptsächlich als taktisches Mittel genutzt wird, womit er eher so etwas sein würde wie ein zusätzliches Timeout.

Muss man beobachten. Wenn der Spieler im Unrecht ist, sind die Challenges weg. 2 solcher "Auszeiten" sind wohl zu verkraften. Wenn der Spieler im Recht ist, kann ich jede Verzögerung tolerieren.

Zitat:

Zitat von Lousy Defence (Beitrag 3113667)
Ein "Videobeweis" bewirkt hingegen eine Verzögerung des Geschehens. Die Frage sollte lauten: Wo will man denn hin? Zügiges Durchspielen oder unberechenbare Einwirkung der Spieler(innen) auf den Spielfluss?

Wenn wir beim Aufschlag bleiben, nimmt ja zunächst mal der SR Einfluss durch das Abzählen. Das geht ja heute auch schon kaum ohne Diskussion.

Zitat:

Zitat von Timo Boll (Beitrag 3113252)
zum anderen haben die Schiedsrichter mit dem aktuellen Vorgehen noch mehr Angst abzuzählen, da sie ja falsch liegen könnten.

Wieso muss man denn Angst haben, wenn man sich sicher ist? Wer sich nicht sicher ist, soll einfach nichts abzählen, das ist doch wohl die Grundvoraussetzung für eine Entscheidung. Und Irren ist immer noch menschlich. Da sagt man als SR eben sorry, wenn man falsch lag.
Passiert das dann 10 mal und jedesmal hat der Spieler Recht, sollte man eventuell in die Nachschulung.

Man hört aus anderen Diskussionen schon den Tenor "Endlich machen sie was gegen falsche Aufschläge."

Aber man kann auch sagen "Endlich machen sie was gegen schlechte SR mit großem Ego, die richtige Aufschläge abzählen, weil niemand was dagegen tun kann."

Was das größere Problem auf der Tour ist, weiß ich nicht.

Von den Aufschlägen ganz abgesehen ist das System natürlich bei strittigen Kantenbällen, Trikot-Berührungen etc. eine schöne Hilfe.

Referre 17.12.2019 09:33

AW: Table Tennis Review - "Videobeweis"
 
Ich fand den Videobeweis klasse. War zeitweise live vor dem Bildschirm dabei, u.a. als Timos Aufschlag mit dem Videobeweis als 'Successful' gewertet wurde :)

Power-Seven 17.12.2019 09:52

AW: Table Tennis Review - "Videobeweis"
 
Wobei ich das gerade etwas seltsam fand. Die SR sagt deutlich "Let", im Sinne einer ersten Ermahnung. Es wurde kein Punkt gezählt.
Timo hat sich vielleicht gedacht "Wehret den Anfängen" und gleich mal klar gestellt, dass dieser Aufschlag nicht anzuzweifeln ist.
Aber passiert wäre da erstmal nix.

Des 17.12.2019 10:22

AW: Table Tennis Review - "Videobeweis"
 
Zitat:

Zitat von Power-Seven (Beitrag 3113676)
Wieso muss man denn Angst haben, wenn man sich sicher ist? Wer sich nicht sicher ist, soll einfach nichts abzählen, das ist doch wohl die Grundvoraussetzung für eine Entscheidung. Und Irren ist immer noch menschlich. Da sagt man als SR eben sorry, wenn man falsch lag.
Passiert das dann 10 mal und jedesmal hat der Spieler Recht, sollte man eventuell in die Nachschulung.

Wieso sollte man denn als SR immer zugunsten des Aufschlägers entscheiden? In der Praxis passiert das so, aber die aktuelle Regel sagt, dass ein zweifelhafter (= nicht eindeutig richtiger) Aufschlag gegen den Aufschläger zu werten ist.

Zitat:

Man hört aus anderen Diskussionen schon den Tenor "Endlich machen sie was gegen falsche Aufschläge."

Aber man kann auch sagen "Endlich machen sie was gegen schlechte SR mit großem Ego, die richtige Aufschläge abzählen, weil niemand was dagegen tun kann."
Kann man so und so sehen. Die Anzahl der erfolgreichen Reviews bei Aufschlägen wird es zeigen. Für mich ist da auch jetzt schon eine Tendenz zu sehen.



Interessant fände ich die klaren Regeln, die sie beim Videobeweis ansetzen. [Das gehört vielleicht eher ins Schiedsrichterforum als in den allgemeinen Bereich, aber es passt definitiv in dieses Topic.] Hat jemand dazu mehr Informationen, wie die genau aussehen?

1. Die Wurfhöhe wird zum Beispiel zwischen verlassen der Hand und höchstem Punkt der Flugkurve gemessen. Das ist relativ klar. Auch die minimale Wurfhöhe von 16cm sind klar und steht exakt so in den Regeln.

2. Für den nahezu senkrechten Wurf wird scheinbar ein 30° Winkel angesetzt. Wo kommt der her? Spannenderweise wird dabei auch nicht wirklich der Austrittswinkel aus der Hand, sondern der Winkel zwischen Senkrechter und der Linie zwischen Hand und höchstem Punkt genommen. Da habe ich die Regel bislang anders interpretiert und den Austrittswinkel aus der Hand betrachtet. Da der Ball aber beim Wurf zur Seite nicht in einer Linie, sondern entlang einer Kurve fliegt, sind das zwei verschiedene Winkel. Und wie wird hier der nicht senkrechte Wurf in alle Richtungen bewertet? Dazu müsste man ja Kameras in allen Winkeln haben (zB Wurf zur Seite braucht eine Kamera hinter dem Tisch, Wurf nach Hinten braucht Kamera an der Seite, etc.). Oder ist der zweifelhafte Aufschlag, wo man es jetzt nicht eindeutig nachweisen kann, weil die Kamera schlecht steht jetzt immer korrekt?

3. Wie wird das Verdecken bewertet? Aktuell hat sich ja ein bisschen eingebürgert, dass das Verdecken mit dem Kopf oder der Wurfhand ok ist, wenn der Ball danach noch lange sichtbar fliegt. Ich nehme an, das gilt ab sofort nicht mehr?

4. In den Regeln steht: "Sobald der Ball hochgeworfen wurde, müssen der freie Arm und die freie Hand des Aufschlägers aus dem Raum zwischen dem Ball und dem Netz entfernt werden. Anm.: Dieser Raum wird definiert durch den Ball, das Netz und dessen imaginäre, unbegrenzte Ausdehnung nach oben." Wird das auch durch Kameras überprüft?

5. Wie wird Verdecken für den Rückschläger bewertet? Gerade bei den Profis wird der Ball meiner Erfahrung nach meistens nur leicht verdeckt, sodass er gerade knapp nicht mehr sichtbar ist. Dann ist er nicht sichtbar und für den SR ist es unglaublich schwer zu entscheiden, ob der Rückschläger den Ball sehen konnte. Da die Kamera aber auch hier nicht genau den Standpunkt des Rückschlägers einnehmen kann, scheint das nicht zweifelsfrei zu belegen zu sein. Hat jemand ein Video, wo ein verdeckter Aufschlag überprüft wurde?

Gilt insgesamt noch die Regel "From their positions in line with the net it may be impractical for the umpire and/or an assistant umpire to judge whether the ball is struck illegally if it is struck close to the end line or beside a player*s body. It is, however, the responsibility of the player to serve so that the correctness of his service action can be seen and if he serves near the margins of illegality he runs the risk of being penalised."? Also ist ein Aufschlag falsch, wenn die Kamera nicht perfekt steht um das Gegenteil zu beweisen? Kann ja wohl so kaum funktionieren. Gilt das so jetzt also nicht mehr? Was machen wir, wenn das Review die Situation nicht auflösen kann?

Zitat:

Zitat von Power-Seven (Beitrag 3113696)
Wobei ich das gerade etwas seltsam fand. Die SR sagt deutlich "Let", im Sinne einer ersten Ermahnung. Es wurde kein Punkt gezählt.

Genau das. Die Regeln geben da eigentlich klar der Schiedsrichterin Recht. Die Regel sagt "Wenn entweder der SR oder der SR-Assistent über die Zulässigkeit eines Aufschlags nicht sicher ist, kann er, beim ersten Vorkommnis in einem Spiel, das Spiel unterbrechen und den Aufschläger verwarnen." Wenn der Videobeweis belegt, dass der Ball 17cm hoch geworfen wurde, ist er meiner Meinung nach nach den Regeln klar mit "Let" zu bewerten. Wie soll sich denn ein SR sicher sein, ob es 17cm oder 15,9 cm waren? Das ist schwer zu entscheiden, und wenn sich ein SR nicht sicher ist, klar "Let". Der Videobeweis unterstützt eigentlich hier die Entscheidung auf "Let".

Zigeuner 17.12.2019 10:22

AW: Table Tennis Review - "Videobeweis"
 
Zitat:

Zitat von Power-Seven (Beitrag 3113696)
Wobei ich das gerade etwas seltsam fand. Die SR sagt deutlich "Let", im Sinne einer ersten Ermahnung. Es wurde kein Punkt gezählt.
Timo hat sich vielleicht gedacht "Wehret den Anfängen" und gleich mal klar gestellt, dass dieser Aufschlag nicht anzuzweifeln ist.
Aber passiert wäre da erstmal nix.

War bei Ma Long auch einmal. Keine Ahnung ob es daran liegt, dass es von den Spielern noch nicht richtig verstanden wurde. Andererseits kann ja auch ein "let" zurückgenommen werden, insofern würde es dann wieder Sinn machen.
Hauptsächlich ist es wohl ein Ego-Ding. Niemand lässt sich von den Schiedsrichtern gerne ermahnen und das Hawk-Eye ist dann eben eine Möglichkeit sich zu wehren.

Zigeuner 17.12.2019 10:29

AW: Table Tennis Review - "Videobeweis"
 
Zitat:

Zitat von Power-Seven (Beitrag 3113676)
Wieso muss man denn Angst haben, wenn man sich sicher ist? Wer sich nicht sicher ist, soll einfach nichts abzählen, das ist doch wohl die Grundvoraussetzung für eine Entscheidung. Und Irren ist immer noch menschlich. Da sagt man als SR eben sorry, wenn man falsch lag.
Passiert das dann 10 mal und jedesmal hat der Spieler Recht, sollte man eventuell in die Nachschulung.

Man hört aus anderen Diskussionen schon den Tenor "Endlich machen sie was gegen falsche Aufschläge."

Aber man kann auch sagen "Endlich machen sie was gegen schlechte SR mit großem Ego, die richtige Aufschläge abzählen, weil niemand was dagegen tun kann."

Super Punkt! Letztendlich kann man dann auf beiden Seiten Pfeifen entlarven.

Schluss mit (zumindest extremen/plumpen) Falschaufschlägern und Schluss mit Schiedsrichtern, die keine Ahnung von dem Sport haben.

Power-Seven 17.12.2019 10:30

AW: Table Tennis Review - "Videobeweis"
 
Zitat:

Zitat von Zigeuner (Beitrag 3113706)
Hauptsächlich ist es wohl ein Ego-Ding. Niemand lässt sich von den Schiedsrichtern gerne ermahnen und das Hawk-Eye ist dann eben eine Möglichkeit sich zu wehren.

Aber wenn sich jemand zurecht wehrt, wird es vom Ego-Ding zum Gerechtigkeits-Ding. Und wenn sich jemand zu unrecht wehrt, eigentlich auch.


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