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N0pp3nN3w8i3 26.04.2007 21:51

Volksport in China - Warum?
 
Hi,
warum ist ausgerechnet in China TT zum Volkssport geworden?
Es ist im Grunde genommen die frage nach der Geburt der TT-Weltmacht China. Das Training ist nicht die Geburt, sondern die Babyphase. Darüber will ich hier weniger diskutieren.
Denn im Internet habe ich dazu wenig gefunden.


MfG
der spannend auf eure Beiträge wartende,
Jonas

p.s.:
Hab mir erst überlegt noch einen längeren Text zuschreiben, aber ich werde mich nacher in die Diskussion einpflechten.

Frank Schmidt 27.04.2007 00:48

AW: Volksport in China - Warum?
 
Darauf gibt es wohl genauso wenig eine Antwort wie auf die Frage: warum ist Fußball in Deutschland zum Volkssport geworden?

Beaker 27.04.2007 06:39

AW: Volksport in China - Warum?
 
Fakten kann ich leider nicht liefern, dafür aber Gesprächsstoff:
Meine nämlich mal gelesen zu haben, dass Tischtennis als Volkssport von der politischen Führung auserwählt/bestimmt wurde, da Tischtennis für die Erhaltung der Fitness in jeder Altersgruppe als der ideale Sport angesehen wurde.
Inwiefern das nun stimmt, müssen andere beurteilen...henrypijames kann da bestimmt mehr Informationen dazu beisteuern.

powerpaul 27.04.2007 08:47

AW: Volksport in China - Warum?
 
Meines Wissens hat das damit zu tun, daß der (gebürtige Hongkong-)Chinese Jung Kuo-Tan (Henry soll mich bitte bei der Schreibweise des Namens verbessern) den ersten zählenden Weltmeistertitel 1959 in einer "bedeutenden Sportart" erzielte.
Von da an wurde Tischtennis sehr stark gefördert vom System und der Regierung (Hintergrund: Heldenepos- wer was erreichen will und im Kollektiv arbeitet, erreicht auch was).
Politische Hintergründe sind wohl auch gegeben, aber mir nicht mehr genau bekannt. Meine mich nur erinnern zu können, daß zu einem späteren Zeitpunkt auf Weisung von Mao Tse-tung der kollektive Erfolg (Mannschaftstitel) mehr zählte als ein Einzeltitel (WM-Finale 1977 und event. 1979 wurde als "Gesten der zur damaligen Zeit praktizierten Freundschaft an Japan "überlassen"").

henrypijames 27.04.2007 13:24

AW: Volksport in China - Warum?
 
Hierzu moechte ich aus meiner Kolumne in tischtennis, Juli 2006, zitieren:

Zitat:

[...] dass Tischtennis zweifellos einen besonderen Stellenwert im chinesischen Sport genießt, nämlich als die erste Disziplin, in der das Reich der Mitte einen Weltmeister-Titel erlangt hat – dank dem gebürtigen Hongkong-Chinesen Jong Kuo-Tuan, der 1959 in Dortmund das Herreneinzel- Gold gewann. Seitdem wird Tischtennis vom chinesischen Staat genau so enthusiastisch betrieben – wegen dem positiven politischen Image, die internationale Erfolge bringen – wie vom breiten Volk – wegen vergleichsweise günstiger Kosten und wegen guter Chancen auf sozialem Aufstieg, wenn man es zum Berufssportler schafft.
Der Erfolg von Jong Kuo-Tuan (nach heutiger Schreibweise "Rong Guotuan") war eigentlich sehr unerwartet - sowohl fuer die Tischtennis-Welt als auch fuer die politische Fuehrung in China. Im Nachhinein war dieser Durchbruch allerdings nur eine Frage der Zeit, denn gleich nach Jong holte Zhuang Zedong dreimal hintereinander die WM-Titel, waehrend weitere chinesische Spieler ebenfalls Medaillen gewannen. Das Niveau der chinesischen Spitzenspieler hatte also definitiv Weltklasse erreicht, nur hatte niemand diese Tatsache bis zu Jongs WM-Sieg erkannt.

Als die chinesischen National-Mannschaft 1953 Tschechoslowakai besuchten, standen die chinesische Herren auf Platz 10 in der Welt, die Damen noch viel weiter hinten. Die Tschechoslowaken nahmen sie entsprechend wenig ernst und trainierten nur sehr fluechtig und unwillig mit ihnen. Fuer die vierstuendige Zugreise stellten ihnen die Gastgeber lediglich Steh-Karten zur Verfuegung.

Als die Chinesen 1957 Romaenien besuchten, waren die Herren bereits auf Platz 4 und die Damen auf Platz 3 gestiegen, dennoch brachten ihnen die Romaenen nur mehr Verachtung entgegen. Chinesische Spitzen-Spieler konnten nur mit romaenische Reserve-Spieler und Spielerinnen (!) trainieren, und der romaeinische Trainer sagte ihnen dort ganz offen, dass ihre Spielweise - also Penholder-Angriff - amatuerhaft und zukunftslos sei, insofern es eine Zeitverschwendung bedeute, mit ihnen zu trainieren.

Spaeter im gleichen Jahr kam Jong Kuo-Tuan von Kongkong nach China. Er war Hongkonger Meister und hatte u. a. schon einmal gegen den damaligen Weltmeister aus Japan, Ichiro Ogimura, gewinnen koennen. Auf einem Mannschaftstreffen in 1958 erfuhr er von seinen neuen Mannschaftskameraden ueber deren Osteuropa-Reisen und war ziemlich veraergert. Also kuendigte er vor der gesamten Mannschaft an, dass er innerhalb von drei Jahren den WM-Titel gewinnen wolle.

Die Ankuedigung schlug landesweite Wellen, zumal es sehr untypisch chinesisch war, solche Versprechung in der Oeffentlichkeit abzugeben. Jong sagte aber, dass es getan hatte, um sich selbst zusaetzliche Motivation zu geben. Nur wenige glaubten wirklich daran, dass er seine Versprechung einloesung koennte. Doch schon ein Jahr spaeter hatte Jong es geschafft.

henrypijames 27.04.2007 13:28

AW: Volksport in China - Warum?
 
Politikum beiseite, auch der andere Faktor, naemlich dass Tischtennis eine Geld und Platz sparende Sportart ist, ist - oder zumindest war - fuer Chinas Tischtennis-Macht sehr wichtig. Aus dem gleichen Grund ist Badminton in China aehnlich populaer und erfolgreich.

Ensdorfer 29.04.2007 09:48

AW: Volksport in China - Warum?
 
Es kommt nunmal drauf an, wie Sportarten gefördert und vermarktet werden.....

In den USA zum Beispiel gibt es für jede Sportart Schulmannschaften, da geht die Förderung schon los....

Aber selbst bei "weniger interessanten" Sportarten gibt es viele Anhänger (siehe auch Fussball, in den USA nicht sehr populär).....
Die Idee mit den Schulmannschaften finde ich gar nicht so schlecht.....
Sport-AGs schon in der Grundschule?
Warum nicht......
Hier sollte die Schule dann die ganze Palette, die im entsprechenden Ort angeboten wird, zur Verfügung stellen......
Ich denke, dass Förderung schon früh anfangen muss....
Ebenso sollte es mit "Mitglieder-Fishing" funkionieren.....
Und das muss konsequent durchgezogen werden.
Einmal pro Jahr ein Erscheinen an einer Schule reicht da nicht aus......

mithardemb 29.04.2007 15:19

AW: Volksport in China - Warum?
 
Zitat:

Zitat von Ensdorfer (Beitrag 882093)
Es kommt nunmal drauf an, wie Sportarten gefördert und vermarktet werden.....

......

Aber selbst bei "weniger interessanten" Sportarten gibt es viele Anhänger (siehe auch Fussball, in den USA nicht sehr populär).....
Die Idee mit den Schulmannschaften finde ich gar nicht so schlecht.....
Sport-AGs schon in der Grundschule?
Warum nicht......
Hier sollte die Schule dann die ganze Palette, die im entsprechenden Ort angeboten wird, zur Verfügung stellen......
....

Einmal pro Jahr ein Erscheinen an einer Schule reicht da nicht aus......

Es gibt durchaus Kooperationen von Tischtennisvereinen mit den Schulen, es gibt "Jugend trainiert für Olympia" und es gibt die Minimeisterschaft die ja auch gezielt auf diese Altersgruppe zugeschnitten ist.

In den USA ist das Vereinswesen lange nicht so ausgeprägt wie in Deutschland. Aus diesem Grunde können die Veranstaltungen nur über die Schule laufen. Ich denke wir haben da das wesentlich breiter gefächerte System und ich würde nicht tauschen wollen. Übrigends zeigt sich gerade beim Sport Tischtennis was mit einer Sportart passiert die in den USA eben nicht im Mittelpunkt steht - die fällt dann fast ganz hinten runter.

Ensdorfer 29.04.2007 15:58

AW: Volksport in China - Warum?
 
Zitat:

Zitat von mithardemb (Beitrag 882301)
Es gibt durchaus Kooperationen von Tischtennisvereinen mit den Schulen, es gibt "Jugend trainiert für Olympia" und es gibt die Minimeisterschaft die ja auch gezielt auf diese Altersgruppe zugeschnitten ist.

In den USA ist das Vereinswesen lange nicht so ausgeprägt wie in Deutschland. Aus diesem Grunde können die Veranstaltungen nur über die Schule laufen. Ich denke wir haben da das wesentlich breiter gefächerte System und ich würde nicht tauschen wollen. Übrigends zeigt sich gerade beim Sport Tischtennis was mit einer Sportart passiert die in den USA eben nicht im Mittelpunkt steht - die fällt dann fast ganz hinten runter.

Aus der Sicht, dass das Vereinsleben in den USA anders aussieht, als bei uns in Deutschland, muss ich Dir recht geben.....
Ob Tischtennis in den USA wirklich hinten runter fällt, kann ich ehrlich gesagt nicht beurteilen.....
Ich habe mich damit nicht beschäftigt....

Auch weiss ich natürlich, dass es sowohl Jugend trainiert für Olympia als auch Miniturniere gibt......

Ich denke aber, dass das nicht reicht.....
Oft (oder meistens?) werden vor allem die Miniturniere veranstaltet.
Da machen dann wirklich viele Kinder mit.....
Aber sobal die Turniere rum sind, schläft nach wenige Wochen wieder alles ein.....

Auf der HP des Deutschen Tischtennisbundes werden übrigens noch mehr Möglichkeiten und Ideen angeboten und beworben....die ich gar nicht so schlecht finde...
Link: http://www.tischtennis.de/jugend/schule/
Hier sind schon mehrere gute Ideen enthalten......

Ich finde, die Energie sollte etwas weiter gehen, als nur Miniturniere zu veranstalten.....
Gerade in Grundschulen könnten schon zum Beispiel Klassenwettbewerbe gemacht werden.....
AGs wären auch nicht schlecht, was spricht dagegen?

Was Jugend trainiert für Olympia angeht......
Da spielen im Regelfall ohnehin Spieler(innen), die im Verein aktiv sind, glaube ich zumindest.....

mithardemb 29.04.2007 16:19

AW: Volksport in China - Warum?
 
Die Idee der Minimeisterschaften ist es doch den ersten Kontakt zwischen den Kindern und den Vereinen herzustellen. Der Schritt danach ist es die Kinder regelmäßig für den Sport zu interessieren. Naturgemäß ist das nur ein Bruchteil der Kinder die bereit sind einmal mitzuspielen.

Was die AGs an Schulen angeht, es fehlt in der Regel an Leuten die bereit sind so viel Zeit zu investieren. AGs werden von der Schule angeboten, da müßte also ein Lehrer sich dafür bereit erklären. Wie gesagt es gibt auch Kooperationsmodelle Schule - Verein die teilweise recht erfolgreich sind. Es hängt immer daran, ob man Menschen findet die bereit sind Zeit zu investieren.

Gerade bei Kooperationen mit der Grundschule kommt man recht schnell auf den Trichter, dass die Uhrzeit problematisch ist. Wer hat schon regelmäßig nachmittags frei. Veranstaltungen ab 18.00 Uhr kommt ist für diese Gruppe schon ein wenig spät.


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