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Haudruff 07.10.2008 08:18

Finanzmärkte
 
Hallo Leute,

mich wundert wirklich, dass hierzu noch keiner ein Thema eröffnet hat.

Was denkt Ihr, wie es weitergeht?
Gibt es noch mehr Banken, denen "geholfen" werden muss?
Sollte der Staat überhaupt helfend eingreifen?
Oder sollte man die maroden Kreditinstitute an die Wand fahren lassen?

Fragen über Fragen ;)

Carstens_Brüderchen 07.10.2008 10:33

AW: Finanzmärkte
 
Bankenvielfalt ist das Eine, solides Management das Andere.

Meiner Meinung nach sollten die maroden Bankhäuser trotz der angestrebten Vielfalt einfach dicht gemacht werden. Gerade diese Branche stellt das Flaggschiff der Marktwirtschaft und des gewinnorientierten Handelns dar und legt für die Beurteilung ihrer Kreditnehmer (vor allem der kleineren) strenge Maßstäbe an. Wenn man sich von Bankenseite allerdings selbst nicht auch nur ansatzweise im Rahmen ähnlicher Maßstäbe bewegt, hat man nichts in diesen Gefilden verloren.

Wohlgemerkt halte ich es für wichtig, dass die betroffenen Kunden von den Sicherungsfonds schadlos gehalten werden. Aber keine Gnade mit den Bankhäusern, die wild spekuliert und trotz Gewinnen (zu besseren Zeiten) radikal ihre Mitarbeiterdecke ausgedünnt haben. In der freien Wirtschaft könnte sich ein Unternehmen, das augenscheinlich im Kerngeschäft völlig versagt, auch nicht halten. Und einen Kredit bekäme so ein Unternehmen bei einer solchen finanziellen Schieflage von keiner Bank der Welt mehr.

Gruß

Olaf

Waterhouse 07.10.2008 10:48

AW: Finanzmärkte
 
Olaf hat's mal wieder auf den Punkt gebracht. Habe heute morgen gelesen, dass der Vorstandsvorsitzende der HRE (Name entfallen) eine Pension von 46.000 Euro bekommt, falls er "gegangen wird".
Ohne die genauen Hintergründe zu kennen, warum welche Bank konkret in Schwierigkeiten geraten ist, muss man ganz klar festhalten, dass hier einige Manager ganze Volkswirtschaften in tiefe Krisen stürzen. Die Folgen baden Milliarden von Menschen aus.
Da wären langjährige Haftstrafen und Haftung mit dem persönlichen Vermögen adäquatere Mittel, um die Leute zur Verantwortung zu ziehen.

Rudi Endres 07.10.2008 12:13

AW: Finanzmärkte
 
Ich möchte den Bogen zu unserem Sport spannen. Werden die wenigen Sponsoren und Mäzene wegbrechen?
Die DFL befürchtet niedrigere Fernsehgelder (Sendung im DLF). Der Fußball hat Spielräume, TT nicht.

stk 07.10.2008 14:40

AW: Finanzmärkte
 
Zitat:

Zitat von Waterhouse (Beitrag 1255109)
Olaf hat's mal wieder auf den Punkt gebracht.

Nein, hat er nicht. Gerade bei der HRE liegen die Probleme ja nun nicht im Spekulieren, sondern lediglich in der falschen, nämlich zu kurzfristigen, Refinanzierung der ausgereichten Kredite. Auch wenn fristenkongruente Finanzierung für einen Bankvorstand kein Fremdwort sein sollte und hier offensichtlich die falsche Strategie zu Gunsten maximaler Rendite in Zeiten niedriger Zinsen gewählt wurde, fremde Gelder verzockt wurden jedoch keine. Insofern kann ich die Forderung, das Bankhaus dicht zu machen, keineswegs nachvollziehen.

Zitat:

Zitat von Rudi Endress
Ich möchte den Bogen zu unserem Sport spannen. Werden die wenigen Sponsoren und Mäzene wegbrechen?

Sollte es wirklich soweit kommen, halte ich Sorgen um wenig elementare Dinge wie die Refinanzierung von (Leistungs-)Sport für das geringste Übel, das da auf uns zukommen würde.

Haudruff 07.10.2008 15:24

AW: Finanzmärkte
 
Zitat:

Zitat von stk (Beitrag 1255336)
Nein, hat er nicht. Gerade bei der HRE liegen die Probleme ja nun nicht im Spekulieren, sondern lediglich in der falschen, nämlich zu kurzfristigen, Refinanzierung der ausgereichten Kredite. Auch wenn fristenkongruente Finanzierung für einen Bankvorstand kein Fremdwort sein sollte und hier offensichtlich die falsche Strategie zu Gunsten maximaler Rendite in Zeiten niedriger Zinsen gewählt wurde, fremde Gelder verzockt wurden jedoch keine. Insofern kann ich die Forderung, das Bankhaus dicht zu machen, keineswegs nachvollziehen.

Nenn es nicht verspekuliert sondern verpeilt. Am Ende kommt das gleiche raus. :rolleyes:

Carstens_Brüderchen 07.10.2008 15:35

AW: Finanzmärkte
 
Zitat:

Zitat von stk (Beitrag 1255336)
Nein, hat er nicht. Gerade bei der HRE liegen die Probleme ja nun nicht im Spekulieren, sondern lediglich in der falschen, nämlich zu kurzfristigen, Refinanzierung der ausgereichten Kredite.

Nun, die HRE ist nur EIN Beispiel - es gibt andere Banken, die durch Spekulationen in die Pleite geschlittert sind, andere durch weitere Dämlichkeiten.

Zitat:

Zitat von stk (Beitrag 1255336)
Auch wenn fristenkongruente Finanzierung für einen Bankvorstand kein Fremdwort sein sollte und hier offensichtlich die falsche Strategie zu Gunsten maximaler Rendite in Zeiten niedriger Zinsen gewählt wurde, fremde Gelder verzockt wurden jedoch keine. Insofern kann ich die Forderung, das Bankhaus dicht zu machen, keineswegs nachvollziehen.

Im Fall der HRE handelt es sich nicht um die Spekulation mit fremden Geldern, wohl aber um eine andere Form der Spekulation. Hier hat man sich mit den Zeiträumen der Kreditrückflüsse verspekuliert, also übernommen. Die praktizierte Gier hast Du nur anders umschrieben: "...falsche Strategie zu Gunsten maximaler Rendite in Zeiten niedriger Zinsen gewählt...".

Der Punkt lautet also: Gier->Gewinnmaximierung->falsche Strategie->Pleite.
Das reicht für mich als Beleg für Unfähigkeit und Misswirtschaft oder, wie ich es bereits sinngemäß formulierte: "Versagen im Kerngeschäft".

Im Tierreich bedeutet das, zu verhungern, in der freien Wirtschaft die Pleite, im Bankenwesen jedoch der Hilferuf an die Politik und somit nach dem Geldbeutel des Bürgers. Das Rettungspaket in Höhe von ca. 50 Milliarden Euro plus 15 Mrd. Liquiditätskredit wird jedenfalls nicht vom Himmel fallen. Vielmehr wird es durch andere Banken getragen, die die Kohle ja auch irgendwo hernehmen müssen. Meinst Du ernsthaft, dass diese Banken nicht versuchen werden, die Penunzen anderweitig wieder reinzubekommen...?

Was ist denn eigentlich, wenn der Laden dann trotzdem vor die Hunde geht? Der vom Bund (also von den Steuerzahlern) zur Verfügung gestellte Bürgschaftsrahmen beläuft sich auf bis zu 35 Mrd. Euro. - also sehr wohl fremde Gelder, die im Fall des Scheiterns verzockt würden. Aber gut, das sind dann ja nur die berühmten "Peanuts".

Gruß

Olaf

stk 07.10.2008 15:40

AW: Finanzmärkte
 
Zitat:

Zitat von Haudruff
Nenn es nicht verspekuliert sondern verpeilt. Am Ende kommt das gleiche raus. :rolleyes:

Nun gut, aber das ist nunmal die Realität. Menschliche Fehleinschätzungen passieren nicht nur in Banken, sondern überall. Wem will man daraus einen Vorwurf machen?

Um auf eine deiner Ausgangsfragen zurückzukommen:

Zitat:

Zitat von Haudruff
Sollte der Staat überhaupt helfend eingreifen?

Ihm wird überhaupt nichts anderes übrig bleiben! Das schlimmste was passieren könnte wäre, wenn aufgrund mangelnden Vertrauens plötzlich alle zur Bank rennen und ihr Geld abheben. Das würde zum Einen neben den "maroden" Großbanken auch die "solide" Sparkasse oder Volksbank vor Ort zur Zahlungsunfähigkeit treiben, zum Anderen eine verheerende Inflation zur Folge haben, da momentan einfach zu viel Geld im Umlauf ist...

stk 07.10.2008 15:45

AW: Finanzmärkte
 
Zitat:

Zitat von Carstens_Brüderchen (Beitrag 1255403)
Der Punkt lautet also: Gier->Gewinnmaximierung->falsche Strategie->Pleite.
Das reicht für mich als Beleg für Unfähigkeit und Misswirtschaft oder, wie ich es bereits sinngemäß formulierte: "Versagen im Kerngeschäft".

Das ist natürlich richtig, aber de facto hat jede Bank* ein Problem, wenn die Anleger aufgrund von eigenem Bedarf oder Vertrauensverlust in das KI plötzlich in größerem Maße Geld abziehen.


*einzige Ausnahme dürften schwerreiche West-Sparkassen sein, deren Kreditausreichungen das monströse Eigenkapital nicht übersteigen. Allerdings stellt sich die Frage, wo unsere VW stehen würde, wenn jeder in solch geringem Maße Kredite zur Verfügung stellen würde...

Carstens_Brüderchen 07.10.2008 15:59

AW: Finanzmärkte
 
Zitat:

Zitat von stk (Beitrag 1255415)
Das ist natürlich richtig, aber de facto hat jede Bank ein Problem, wenn die Anleger aufgrund von eigenem Bedarf oder Vertrauensverlust in das KI plötzlich in größerem Maße Geld abziehen.

Habe ich irgendwo was davon geschrieben, dass die Anleger ihr Geld von den Kreditinstituten abheben sollten...? Ich wüsste nicht, wo. Oma Müller rennt doch jetzt nicht los, löst ihr Konto auf und schmeißt die Kohle zum Fenster raus, weil sie nicht unter die Matratze passt. Wobei es für die Konjunktur nicht mal schlecht wäre, wenn das einige Leute mal mit einem Teil ihres gehorteten Vermögens machen würden, aber das ist ein eigenes Thema...

Ich behaupte keineswegs, dass ALLE Banken dicht gemacht werden sollten. Vielmehr spreche ich davon, die Banken, die offensichtlich nicht mit Geld umgehen können, dicht zu machen. Das bedeutet nicht, dass es keine anderen Banken gäbe.

Panik auf Anlegerseite ist jedenfalls eher unbegründet.

Gruß

Olaf


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