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chokdee 08.03.2026 08:22

MKTT-Turniersoftware – Transparenzfrage
 
Hallo zusammen,

ich beschäftige mich seit einiger Zeit mit der MKTT-Turniersoftware, die von den meisten deutschen Tischtennisverbänden eingesetzt und an Vereine weitergegeben wird.

Dabei sind mir ein paar Fragen aufgekommen, die ich gerne zur Diskussion stellen möchte:
  • Lizenzkosten: Die Verbände erwerben offenbar eine Verbandslizenz von der Firma Koreis/Aicher GbR und geben die Software dann kostenlos an Vereine weiter. Hat jemand eine Idee, in welcher Größenordnung diese Lizenzkosten liegen? In den öffentlich einsehbaren Verbandsdokumenten habe ich dazu nichts gefunden.
  • Haushaltstransparenz: Bei gemeinnützigen Verbänden sollten Ausgaben für Software bzw. IT-Dienstleistungen im Haushalt auftauchen. Weiß jemand, unter welchem Posten das üblicherweise geführt wird?
  • Interessenkonflikte: Martin Koreis ist als Entwickler von MKTT gleichzeitig in Verbandsfunktionen aktiv. Wie wird das in den betreffenden Verbänden gehandhabt – gibt es formelle Befangenheitsregelungen bei Entscheidungen rund um die Softwareauswahl?

Mir geht es nicht darum, die Software oder die beteiligten Personen zu kritisieren – MKTT funktioniert offensichtlich gut und ist weit verbreitet. Mich interessiert schlicht, ob das bei den Verbänden transparent und regelkonform abläuft und ob es eine Chance gibt, eine Alternative zu entwickeln.

Freue mich über sachliche Rückmeldungen von Leuten, die Einblick in Verbandsstrukturen haben.

chokdee 12.03.2026 13:43

AW: MKTT-Turniersoftware – Transparenzfrage
 
Krass, das kein einziger Einblick hat, oder Angst hat etwas darüber zu berichten.

Mephisto 12.03.2026 14:18

AW: MKTT-Turniersoftware – Transparenzfrage
 
Deine eigentliche Frage kann ich nicht beantworten, da müssen Turnierausrichtende ran.

Trotzdem möchte ich globaler antworten, möchte aber zu bedenken geben, dass es ein schmaler Grat ist zwischen euphorischem Entwicklungsgeist für die Sportart und Geschäftsmodellen.

Weil TT auch ein IT-affiner Sport ist, haben besonders am Anfang der Digitalisierung kompetente Menschen oft unentgeltlich Programme/ Tools entwickelt, die bei Turnieren, Ergebniserfassung, Vereins- und Verbandsverwaltung geholfen haben.

Manche haben das kostenlos aus purem Idealismus zur Verfügung gestellt, andere dann eher symbolische Beträge oder einen ersten wirtschaftlich gesehen eher mäßigen Vertrag erhalten. Wenn man sein Geld mit etwas anderem verdient und das eher Hobby und Nebenprodukt ist, dann ok.

So sind natürlich auch viele digitale Inseln entstanden und irgendwann stellt sich dann die Fragen einer gemeinsamen Plattform und Schnittstellen. Modern gedacht offene Schnittstellen und Open Source, um gemeinsam weiterzuentwickeln und bei kommerziellen Fragen beim Ausrollen auch marktgerechten Zugang zu ermöglichen, es faire Ausschreibungen und Vergabe geben kann.

Hier stellen sich dann die spannenden Fragen aus Kollektivinteressen, Individualinteressen, fairen Vergabeverfahren, Beeinflussung, Filz und Vetternwirtschaft.

Ein Verband hat die Aufgabe, eine Lösung für Alle zu suchen. Privatunternehmungen haben Individualinteressen. Menschen in Doppelfunktion (Verbandsfunktionen und Privatfirma) haben beide. Das ist nicht immer geplant, kann aber auch manipulativ geplant sein - Chronik und Netzwerke können hier zur Aufklärung beitragen. Ich möchte hier auch nicht partout böse Absicht unterstellen. Es gibt ja auch in anderen gesellschaftlichen Bereichen Beispiele, wie Berufung zum Beruf werden kann, und wie Engagement die intrinsische Motivation und das Erkenntnis- und Entwicklungsinteresse fördert. Das kann wachsen. Wichtig sind dann transparente Strukturen und Trennung von Amt und Privatinteresse, mündige Gremien als Kontrollinstanz mit Gesamtblick und Verantwortungsbewusstsein. Um Selbstbereicherung und Auftragsvergabe in die eigene Tasche ohne Marktzugang für Konkurrenz nicht zu begünstigen.

M.E. können die grundsätzlichen Antworten und objektive Kriterien nur offene Schnittstellen, Open Source, transparente Vergabeverfahren und klare Compliance-Richtlinien lauten.

Das mal selbst gewählte und inzwischen entgrenzte und verselbständigte Konstrukt mytt mit Verflechtungen in die Verbände als Gesellschafter und in die Privatwirtschaft hat diese eigentlich logischen Wirkweisen teilweise außer Kraft gesetzt mit der Gefahr, zum (beauftragten) Selbstbedienungsladen zu werden. Hier stellt sich die Frage, ob DTTB + Landesverbände deutlichere Leitplanken setzen und Kriterien als Vorgabe formulieren - oder es sich selbst überlassen.

Auch bei anderen privaten Anbietern von Soft-/ Hardware liest und hört man dann doch recht schnell individuelle Marktinteressen heraus, auch wenn aus einer vermeintlich kollektiven Haltung argumentiert wird. Gar nicht so einfach. Es gibt nicht die eindeutig Guten und Bösen. Umso wichtiger sind offene Schnittstellen und klare Vergabe-Richtlinien, wie sie in gemeinnützigen Institutionen eigentlich selbstverständlich sein sollten.

MKTT-Turniersoftware wurde m.E. vor längerer Zeit mal aus der idealistischen Ecke entwickelt. Wäre für mich auch voll ok, wenn sie für eine funktionierende Software dann auch irgendwann fair entlohnt würden.

Korrigiert mich, ich habe hier auch nur Halbwissen.

Digitale Infrastruktur ist ja erst einmal Verbandsaufgabe und dort sollten dann Kosten für Turniersoftware von i.d.R. offiziellen Verbandsveranstaltungen aller Ebenen verbucht werden (oder ggf. Kosten weitergegeben werden, was ich aber verkehrt fände, sollte per Umlage im Haushalt eingepreist sein).

ulim 13.03.2026 19:21

AW: MKTT-Turniersoftware – Transparenzfrage
 
Eine Vermischung von ehrenamtlicher und kommerzieller Tätigkeit ist immer problematisch. Natürlich kann man das in der Theorie klar trennen, aber in der Praxis ist jedes Handeln interessegeleitet.

Aus diesem Grund sollten Menschen, die ideell einer gemeinnützigen Organisation nahestehen, sich nicht auf kommerzielle Aufträge aus dieser Richtung bewerben. Einfach um die gemeinnützige Organisation zu schützen - das sollte ja in ihrem Eigeninteresse sein.

Aus diesem Grund liegt bei einer personellen Verflechtung zwischen Auftraggeber und Auftragnehmer immer der Verdacht von Vorteilsnahme nahe. Wer sich ideell engagiert, der würde ja nie auf die Idee kommen die geförderte Organisation in Erklärungsnöte zu bringen.

Auch problematisch: man bietet seine kommerziellen Leistungen für einen Sonderpreis an und rechtfertigt dies so, dass man die Differenz zum Marktpreis quasi spendet. Für ehrenamtliches Engagement gilt eine Grenze von 960 Euro im Jahr zur Auslagenerstattung. Alles darüber hinaus ist kommerziell und sollte aus Gründen der Wettbewerbsfairness zu Marktpreisen erfolgen.

masl83 15.03.2026 13:29

AW: MKTT-Turniersoftware – Transparenzfrage
 
Zitat:

Zitat von chokdee (Beitrag 3862961)
Krass, das kein einziger Einblick hat, oder Angst hat etwas darüber zu berichten.

Ein Haushalt ist in seinen Einzelteilen nicht öffentlich, also du erwartest dass dir jemand die Informationen gibt, die er, sofern er sie hat, der Öffentlichkeit nicht zugänglich sind.

Der Abschluss eines Jahres ist öffentlich, aber wie sich jede einzelne Position verhält, nach meinem Wissen nicht.

Es gibt hier sicher genug Leute die Ahnung davon haben, was das kostet bzw. zumiondest wissen wieviel ihr Verband pro Jahr dafür ausgibt (ggf. eben nicht wie sich das Preismodell zusammensetzt.) Das weiss sicher der Hersteller, der hier, wie du weisst, auf vertreten ist ;) Würdest du das publik machen?

chokdee 15.03.2026 13:53

AW: MKTT-Turniersoftware – Transparenzfrage
 
Zitat:

Zitat von masl83 (Beitrag 3863978)
Ein Haushalt ist in seinen Einzelteilen nicht öffentlich, also du erwartest dass dir jemand die Informationen gibt, die er, sofern er sie hat, der Öffentlichkeit nicht zugänglich sind.

Der Abschluss eines Jahres ist öffentlich, aber wie sich jede einzelne Position verhält, nach meinem Wissen nicht.

Es gibt hier sicher genug Leute die Ahnung davon haben, was das kostet bzw. zumiondest wissen wieviel ihr Verband pro Jahr dafür ausgibt (ggf. eben nicht wie sich das Preismodell zusammensetzt.) Das weiss sicher der Hersteller, der hier, wie du weisst, auf vertreten ist ;) Würdest du das publik machen?

Als Hersteller ist es völlig legitim es nicht zu veröffentlichen.

Aber, es gibt sicher Menschen, die ein Einblick in den Haushalt haben. Warum das ein Geheimnis sein sollte bei gemeinnützigen Vereinen, der für alle Spieler und Vereine arbeitet und nicht für sich selbst, erschließt sich mir nicht.

masl83 16.03.2026 18:23

AW: MKTT-Turniersoftware – Transparenzfrage
 
Tja, ist aber so.

Für den Haushalt bzw. die Buchhaltung muss ein gemeinnütziger Verein bzw dessen Vorstand nur in der Mitgliederversammlung Rechenschaft ablegen. Das Dokument muss außerhalb der Versammlung nicht veröffentlicht werden.

Insofern kannst du nach meinem Verständnis zu deinem Landesverbandstag gehen und dort den Antrag stellen die Buchhaltung des letzten Jahren einzusehen (sofern das bei euch nicht eh gemacht wird). Mehr Rechte hast du als Einzelperson nicht.

chokdee 17.03.2026 10:05

AW: MKTT-Turniersoftware – Transparenzfrage
 
Zitat:

Zitat von masl83 (Beitrag 3864573)
Tja, ist aber so.

Für den Haushalt bzw. die Buchhaltung muss ein gemeinnütziger Verein bzw dessen Vorstand nur in der Mitgliederversammlung Rechenschaft ablegen. Das Dokument muss außerhalb der Versammlung nicht veröffentlicht werden.

Insofern kannst du nach meinem Verständnis zu deinem Landesverbandstag gehen und dort den Antrag stellen die Buchhaltung des letzten Jahren einzusehen (sofern das bei euch nicht eh gemacht wird). Mehr Rechte hast du als Einzelperson nicht.

Ich befürchte selbst diese Möglichkeit habe ich nicht, weil nur die Vereine Mitglieder sind.

masl83 17.03.2026 11:35

AW: MKTT-Turniersoftware – Transparenzfrage
 
Zitat:

Zitat von chokdee (Beitrag 3864728)
Ich befürchte selbst diese Möglichkeit habe ich nicht, weil nur die Vereine Mitglieder sind.

Das ist richtig, aber du kannst ja deinen Verein dazu bewegen in Form deines Vorsitzenden.


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