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Alt 16.08.2002, 10:28
Tommy 1 Tommy 1 ist offline
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Mir sind in vielen Jahren beim Tischtennis drei Personen begegnet, die in wahrhaft hörenswerter Weise über "Altes" vom Tischtennis erzählen können. Zwei davon wurden hier schon mehrfach genannt, wenn auch einer nur als Spieler erwähnt:

Der frühere WTTV-Verbandstrainer Berni Vossebein, der "Löwe von Bochum", und Udo Lang, der Vater von Jens und Jochen Lang, bis heute, wie seine Söhne bei Ältenbögge, jetzt Bönen, aktiv.

Den dritten werden nur ganz wenige Teilnehmer hier auch nur vom Namen her kennen, obwohl er einst ein ganz berühmter Spieler war:
Helmuth Hoffmann, heute 82 Jahre alt, in Rösrath bei Köln kerngesund lebend, spielt noch intensiv Tennis.
Bis hoch in seine 50er Jahre hinein war er im Tischtennis so stark, dass er in der Oberliga West, die damals dann nicht mehr die höchste, sondern die zweithöchste Liga war, bei Alemannia Köln im mittleren Paarkreuz sehr erfolgreich war.
Sein eigenwilliger "Downspin" in Verbindung mit seinem unglaublichen Ballgefühl und seiner Erfahrung brachte serienweise seine erheblich jüngeren Gegner zur Verzweiflung.
In seiner Glanzzeit spielte Helmuth Hoffmann, der erfolgreichste Kölner Spieler aller Zeiten, nachdem der alljährlich verliehene Helmuth-Hoffmann-Preis im Kölner Bezirk benannt ist, (nicht zu verwechseln mit dem bis heute als Senior in einem Bonner Verein spielenden Namensvetter (ohne "th")) für Blau-Rot Bonn und CTTF Poppelsdorf. Er war mehrfacher deutscher Nationalspieler und mehrfacher deutscher Meister im Doppel und Vizemeister im Einzel.
Aufgrund des zweiten Weltkrieges steht er in der Länderspielstatistik nicht an der Stelle, die er vermutlich erreicht hätte, denn er war vor und nach dem Krieg in der Nationalmannschaft.

Nun eine Anekdote, die uns Jungen und Jüngeren sicherlich sehr fremd anmuten wird, die Helmuth Hoffmann anlässlich des 75jährigen Jubiläums des DTTB in Berlin, zu dem er als ältester Ehrengast eingeladen war, auf der Bühne zum Besten gab:

"1937 hatte ich mich als einer von drei Spielern des Tischtennis-Gaues Köln - heute etwa den Bezirken Köln, Bonn und Aachen entsprechend - in Ausscheidungsspielen erstmals für die Deutschen Meisterschaften qualifiziert.
Mein Lehrer war sehr großzügig und gab mir den Freitag schulfrei. Meine Mutter packte mir einen ganzen Rucksack voll mit geschmierten Broten, und so machte ich mich denn am Freitagmorgen mit dem Fahrrad von Köln auf den Weg nach Gelsenkirchen. Den Weg hatte ich mir vorher auf der Landkarte angeschaut.
Dort schlief ich in der Jugendherberge, bestritt meine Spiele und fuhr am Sonntag wieder mit dem Fahrrad zurück."

Ein anderes fast wörtliches Originalzitat von Helmuth Hoffmann: Anlässlich der Feier zum 50jährigen Jubiläum des Bezirks Köln im Frühjahr 2002 am Rande der Deutschen Juniorenmeisterschaften in Köln-Mühlheim fragte ihn der Moderator der Festveranstaltung, wie er trainiert habe und so gut geworden sei, wo es doch zu seiner Zeit keine Trainer gegeben habe. Antwort Helmuth Hoffmanns:
"Damals wurde in Cafes und Wirtshäusern in Köln gespielt. Eine Stunde kostete 50 Pfennige Plattenmiete. Das war mein ganzes Taschengeld für eine Woche. Das war für mich enorm viel Geld, gleichzeitig wollte ich aber unbedingt spielen und trainieren.
Also spielten wir immer darum, wer die Tischmiete bezahlen musste, und da blieb mir gar nichts anderes übrig als zu gewinnen."

Geändert von Tommy 1 (16.08.2002 um 10:31 Uhr)
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