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Alt 13.11.2007, 23:10
Bernd Beringer Bernd Beringer ist offline
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AW: Reformplan DTTL/Bundesligen

@ w_W_

Endlich kommen wir mit Deinem Schlussatz wieder aufs eigentliche Thema zurück. Nur weil hier zum 147. Mal vergebens "Vierer-Mannschaften für alle" gefordert werden, sollten wir uns nicht von der eigentlichen Diskussion, die jetzt in ein entscheidendes Stadium kommt, abbringen lassen.

Deshalb stelle ich hier mal die sehr schlüssige Stellungnahme des MTV Tostedt rein (nachdem sie sie selbst veröffentlicht haben, darf ich das hoffentlich). Da lassen sich fast alle Argumente auch auf den Herrensport übertragen. Ich jedenfalls (und mit mir mein Verein, hoffentlich auch mein Mitgliedsverband) empfinde die meisten Positionen des MTV Tostedt, eines Vereins mit einem eigenen Nachwuchskonzept, als absolut richtig und realitätsnah.

Hier im Wortlaut die Veröffentlichung des MTV Tostedt:

„Keine Chance für die Talente der Region?“
Vermeintliche Fernsehpräsenz contra Nachwuchsförderung – Dreier-Mannschaften in der Diskussion.
Der Bundesliga-Ausschuss der Damen hat mit den Gegenstimmen von Tostedt und Fraulautern dem Sportausschuss eine Reform des Spielsystems vorgeschlagen, welche dieser am 5. Dezember im höchsten Gremium im deutschen Tischtennis, dem Hauptausschuss, zur Entscheidung präsentieren wird. Hier müssen die Vertreter derLandesverbände über folgende Modifizierung entscheiden:
- Einführung von Dreier-Mannschaften
- Spiel nach Olympia-System an einem Tisch. Ein Spieler spielt zwei Einzel, darf aber dann kein Doppel spielen. Zwei weitere Spieler können je ein Einzel und ein Doppel bestreiten.
- Zwar ist ein Spiel mit dem dritten Punkt gewonnen, die restlichen Spiele werden aber dennoch ausgespielt. Jedes einzelne Spiel zählt einen Punkt – der Gesamtsieg zusätzlich. In einem Spiel können also bis zu 6 Punkte gewonnen werden (5:0)
- Um der befürchteten Benachteiligung des deutschen Nachwuchses
entgegenzutreten, gibt es einen Fördertopf, in den jeder Verein der Damen-
Bundesliga zu Beginn 400,- € einzahlt. Der Einsatz einer jungen deutschen Spielerin (U23) als Stammspielerin wird dann mit 150,- € belohnt – wohlgemerkt nicht pro Spiel, sondern pro Saison.
Ebenfalls mit Dreier-Mannschaften möchten die Herren spielen – jedoch noch mit weiteren abenteuerlichen Änderungen wie Tie-Break und Spiel auf Zeit. Hierzu möchten wir keine Stellung beziehen.
Deutlich Stellung beziehen möchten die Verantwortlichen des MTV Tostedt jedoch zu den Plänen in der Damen-Bundesliga:
Der MTV hat ein klares sportliches Konzept formuliert, in dem das Heranführen junger deutscher Talente an die Bundesliga als zentrales Ziel genannt wird. Die geplanten Reformen gefährden die Umsetzung dieses Konzeptes massiv. Wir führen folgende Argumente ins Feld:
- Im Dreier-System spielt jede Spielerin zwei Spiele (derzeit drei; Doppel und zwei Einzel im Paarkreuz); dies bedeutet pro Spielerin nur noch 2/3 der Spiele.
Ferner fallen neun (zehn) Spielerinnen weg (25%!!). Betrachtet man die
Aufstellungen der Vereine und streicht gedanklich die jeweilige Position vier,
wird man feststellen, dass dies entweder direkt deutsche
Nachwuchsspielerinnen sind, oder die Spielerinnen, die die "Meßlatte" für
unseren Nachwuchs darstellen. Damit würde die Damen-Bundesliga als
Wettkampf für unseren Nachwuchs komplett entfallen, die Schere zwischen
erster und zweiter Liga wieder deutlich auseinandergehen und auch die
zweite Liga würde ihren Charakter als "Sprungbrett" für junge
Nachwuchsspielerin (den sie in diesem Jahr durchaus hat) wieder verlieren.
Die Damen-Bundesliga wäre damit eine "Insel" außerhalb des normalen
Spielbetriebes (Zitat Ende).

Wenn der Tischtennis-Mannschaftssport live im Fernsehen gesendet werden soll, dann kostet das (nicht wenig) Geld. Und wer soll das bezahlen? Die Vereine? Die sind doch (in aller Regel) ohnehin unterfinanziert. Die Firma Contenthouse? Die wollen nicht draufzahlen, sondern (was legitim ist) Geld verdienen. Das private Fernsehen? Das will auch (an Werbung) verdienen oder zumindest nichts draufzahlen. Die Zuschauer? Deren Eintrittsgelder reichen bei weitem nicht aus, um die Fernsehproduktionen zu finanzieren. Die Profis (Tischtennisspieler) selbst? Die sind in unserem Sport ohnehin nicht so üppig bezahlt, dass sie alle nach Beendigung ihrer Karriere ihre Existenz gesichert haben. Bleiben die Sponsoren. Von denen erhofft man sich, dass sie mit ihren Banden, Bannern, der Trikot-Werbung und Werbespots so viel ins Fernsehen kommen, dass sie eine deutlich höhere Summe als bisher in den Tischtennissport investieren.

Aber ist das nicht die größte Illussion? Zeigt uns nicht die Realität, dass sich um immer die gleichen Sportsponsoren immer mehr Sportarten und immer mehr Vereine "prügeln"? Der Konkurrenzkampf wird immer härter, weil vor allem die Fußballer immer mehr "absahnen", und die "Restsportarten" immer mehr in die Röhre schauen.

An den Strohhalm Sponsoring klammern sich alle. Und merken nicht, dass dieser eine Strohhalm das Gewicht der vielen nicht aushält, sondern am Zusammenbrechen ist. Gerade bei den Damen ist der Strohhalm "Sponsoring übers Fernsehen" völlig illussionär.

Den Tischtennissport bei den Herren halte ich dagegen für absolut fernsehtauglich. Tischtennis ist rassig, schnell, ohne viele Pausen (im Vergleich zu Tennis oder Snooker oder sogar Fußball), fair und absolut dopingfrei. Ob die Bundesliga (DTTL) fernsehtauglich ist, wage ich allerdings zu bezweifeln. Jedenfalls ist die Gefahr sehr groß, dass man Regeln und Systeme vorher ändert und nachher ohne Fernsehen dasteht und einem auch noch die (bisher treuen) Zuschauer davon laufen.

Ich verstehe nicht, dass man sich fernsehtechnisch nicht mehr auf den Turniersport konzentriert. Da kommen - wie jetzt wieder in Bremen - häufig die Besten der Welt zusammen, das könnte man verbandsseitig (nicht vereinsseitig) vermarkten, da waren die Ansätze in letzter Zeit ja (bei Eurosport) durchaus positiv (wenn es auch bei EM und WM erhebliche Pannen gab). Dann müssen halt die Verbände, der profitierende DTTB zum Beispiel, die "Bundesligavereine aus einem Einnahmetopf" (wie beim Handball oder Eishockey) pauschal "bedienen".

Tischtennis ist mE eine absolut fernsehtaugliche Premium-Sportart. Noch hat leider keiner den Schlüssel gefunden, um die Fernsehtore zu öffnen. Diese "Revolution innerhalb des DTTB" wird es keinesfalls schaffen. Jedenfalls nicht, ohne andernorts großen Schaden anzurichten.

Geändert von Bernd Beringer (13.11.2007 um 23:25 Uhr)
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