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AW: Bundeswehr
Das hat unsere Susi doch sehr charmant zusammengefasst.
In meinem Fall allerdings war der Bund doch die bessere Alternative.
Grundausbildung drei Monate in Holland (Budel). War nach dem Studium 'n bißchen wie Abenteuerurlaub. War zwar früh aufstehen angesagt (glaub' um 05.20 Uhr), aber wir hatten viel Spaß. Ein Ausbilder hat mir genau einmal das obere Fach meines Spindes mit dem Arm leergefegt, um es anschliessend selbst wieder einzuräumen. Tja, wenn man anderen an's Bein pinkelt, sollte man selbst unangreifbar sein. War er leider nicht, weil er flaschenweise zoll- oder steuerfreien Bacardi, Asbach, etc. an die Wehrpflichtigen vertickte, was nicht erlaubt war. Nach einem klärenden Gespräch waren wir gute Freunde und mein Spind war ihm fortan ziemlich wurscht.
Anschliessend in Karlsruhe war ich Bürohengst des Offizierskasinos. Theoretischer Dienstbeginn 07.15 Uhr. Praktisch kurz vor 8, da ich erst meinen Daddy, Hauptmann Waterhouse, ein paar km weiter in seine "Dienststelle" fuhr. In der Kaserne angekommen erst zur Post, selbige und Tageszeitungen holen und dann ab ins Kasino.
Dort hatte die Küchenfee bereits leckeren Kaffee gekocht und richtete mir ein paar belegte Brötchen oder machte mir Rühreier. Also erstmal bis 09.30 Uhr gefrühstückt und die Rheinpfalz und die BNN gelesen.
Dann ins Büro geschleppt und ein paar Rechnungen überwiesen. Irgendwann trudelte auch der Koch ein und wir besprachen, was einzukaufen war. So ca. drei mal in der Woche ging’s dann zur Metro oder dem SB Großmarkt einkaufen. Ab und zu wurden Menues für private Veranstaltungen durchgesprochen (u.a. ein Bundesrichter a.D.), wobei ich da mehr aus Neugier teilnahm. Wir hatten Super-Köche, von denen man viel lernen konnte.
Nach vier Monaten schwante mir das Ende des Dolce Vita, denn aufgrund des Mauerfalls wurden Kasernen geschlossen und wir bekamen einen echten Oberfeldwebel, der im Prinzip mein Geschäft übernahm. Ich sah mich schon als Ordonanz Schichtdienst schieben, aber nach dem Mittagessen seines ersten Tages setzten wir uns bei einer Flasche Bacardi mit entsprechend viel Cola zusammen und teilten uns das Geschäft auf. Durch ihn als gelernten Hotel- und Gastronomiefachmann expandierten wir proaktiv. Die Speisekarte wurde erweitert, Brauereivertreter und Winzer tanzten an und wir verköstigten deren Produkte. Gastronomiemessen wurden besucht und da ich unterm Strich noch mehr Freizeit hatte als vorher, konnte ich auch endlich meiner Verpflichtung, im Dienst Sport zu treiben, nachkommen. Der Schriftführer des Offizierheims war ein begeisterter Tischtennisspieler und so spielten wir jeden Tag noch ne Stunde Tischtennis oder im Sommer auch mal Tennis.
Bevor ich dann in die harte Arbeitswelt entlassen wurde, machte ich noch mal fünf Wochen frei (dank zahlreicher „FvDs“ wg. meines unermüdlichen Einsatzes), um noch mal für zwei Wochen zurückzukehren. Mein Oberfeld bemerkte bei meiner Rückkehr nur, dass er mit mir gar nicht gerechnet hätte und trug mir nochmal 5 Tage „FvD“ ein.
Einziges Problem zum Schluss war, dass ich meinen Spind, den ich ein Jahr zuvor mal eingeräumt hatte, nicht mehr fand. Über ein halbes Jahr zuvor war die gesamte Kompanie (die ich eigentlich nie von innen sah) umgezogen und dabei verschwand mein Spind. Durch die Verlustmeldung („ein Spind samt Inhalt“) lernte ich dann auch endlich mal meinen Kompaniechef persönlich kennen. Er verstand es dann hervorragend, mich so zu motivieren, dass ich nach intensiver Recherche und mehrstündiger Suche tatsächlich in irgendeinem Keller das gute Stück fand. Alles in allem war’s ne schöne Zeit…
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