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Alt 25.11.2007, 21:35
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Christian Stürner Christian Stürner ist offline
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Christian Stürner ist zur Zeit noch ein unbeschriebenes Blatt (Renommeepunkte ungefähr beim Startwert +20)
AW: Mentaltraining: unterschätzt oder schwachsinnig?

Also ich habe mich die letzten 2 Jahre sehr stark mit dem Thema Sportpsychologie auseinander gesetzt. Ich habe es selbst angewendet und konnte bei mir dadurch eine deutliche Leistungssteigerung erkennen.

Ich denke kaum, dass es sich irgendjemand leisten kann im Spitzensport die Bedeutung von Mentalität zu unterschätzen. Gerade Tischtennis ist ein Sport, der für die Psyche sehr belastend ist. Die Bedeutung von technischer und konditioneller Fähigkeit sind und bleiben Grundlage für die Spielstärke. Dennoch glaube ich, dass die mentalen Fähigkeiten ebenfalls einen klaren Unterschied darstellen können.

Wichtig ist es zu wissen, dass mentales Training (mT) sehr vielfältig ist. Es ist genauso, wie wenn ich dich jetzt auffordern würde, das Tischtennistraining zu beschreiben. Du könntest über Anfängertraining, Profitraining, Erfahrungen, Vorhand Topspins, Aufschläge und vieles mehr schreiben. Nicht weniger vielfältig ist es, über das Thema mT zu schreiben. So wie sich das Tischtennistraining bei einem Spieler entwickelt, muss sich auch das mT entwickeln.

Wichtig ist es zu erkennen, dass jeder Mensch mT in irgendeiner Art und Weise regelmäßig durchläuft. Z.B. machst du vor dem Spiel gerne einen Spaziergang, da du dann ruhiger im Spiel bist. Du hörst laut Musik, um in richtige Stimmung zu kommen. Du freust dich auf die Herausforderung und motivierst dich dein Bestes zu geben. Ich gratuliere, genau das ist mentales Training. Viele Menschen verbinden mit dem Begriff mT, das klassische Bild, dass man beim Psychologen auf der Couch liegt. Hypnose ist sicherlich eine Möglichkeit mT durchzuführen. Nebenbei erwähnt eine sehr effiziente. Aber es ist eben nur einer von sehr vielen möglichen Wegen.

Ich würde mT als den Weg bezeichnen, mit dem du dich in deine Höchstleistungszone führt. Und zwar gerade dann, wenn du es brauchst. Ob das ein bestimmtes Ritual (Halle zuerst mit dem rechten Fuß betreten) ist, ein Stofftier als Glücksbringer, ein bestimmtes Musikstück oder eben Meditations- oder Entspannungstechniken sind, ist dabei gar nicht mal so wichtig. Es ist nur wichtig, dass man selbst daran glaubt und sich für diese Trainingsform innerlich öffnet. Ich gehe in einer schlechten Phase meine Augen schließe, gedanklich in eine blaue Grotte. Ich atme den Nebel in der Grotte ein und mir dieser Nebel schenkt mir neue Kraft für mein TT Spiel. Na, schwer vorstellbar, dass das wirklich funktioniert. Aber bei mir funktioniert das nicht selten, weil ich selbst daran glaube.

Viele Sportpsychologen arbeiten auf höchst unterschiedlichen Wegen und gelangen zum gleichen Ziel.

Die Ziele sind:
- Steigerung der Konzentration
- Steigerung der Selbstüberwindung
- Steigerung des Selbstvertrauen
- Steigerung der Gelassenheit
- Steigerung der Motivation

In der Praxis wird mT oftmals einfach nur in das Training / in das Leben integriert, ohne dass man es bewusst wahrnimmt. Wenn dein Trainer oder du dir selbst sagst, "auf gehts, du packst das!" ist das bereits eine Form des mT. Als Trainer sollte man sich auch darauf konzentrieren, psychisch beanspruchende Elemente des Sports in Spielformen in das Training zu integrieren. Auch hier gibt es viele Möglichkeiten. Im Endeffekt kommt es ja auch auf ein Zusammenspiel zwischen Körper und Geist an, wenn es darum geht Höchstleistungen zu erbringen. Daher ist es durchaus sinnvoll, dies auch gleichzeitig zu trainieren. Für ein integriertes mT öffnen sich alle Spieler.

Anders sieht es aus bei einem speziellen mT.
Beinahe alle Spieler, die heute spezielles MT betreiben, sind dazu gekommen, da sie eine Schwäche in diesem Bereich diagnostiziert bekommen haben. Meist wird ein Mentaltrainer erst in Anspruch genommen, wenn man am Boden ist.
Hier hat die Erfahrung gezeigt, dass es sich meist immer auszahlt mit einem Spezialisten zu arbeiten. Diese haben schon viele Situationen erlebt und die Erfahrungen, die ein Mentaltrainer mit nervlich verletzten Menschen hat, ist beachtlich.
Meist läuft dieses Training so ab, dass der Mentalcoach und der Sportler, gemeinsam nach inneren Lösungen suchen und diese im Spiel dann ausführen. Neigt ein Sportler gerne dazu zu überdrehen und die Nerven zu verlieren, so werden der Sportler und der Mentalcoach gemeinsam nach einer Lösung finden, wie der Sportler in Stresssituationen die Nerven verliert.

Egal wo die Schwächen liegen, wird Mentaltrainer genau dort eine Lösung suchen und wenn der Sportler mitarbeitet auch finden.
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