Zitat:
Zitat von Tackiness
Lässt sich vermuten, warum dieser "Durchbruch" in China ausblieb, dann aber kurz darauf in Korea erfolgte? Hat das rein sportliche Gründe, oder kann da seine Herkunft eine Rolle gespielt haben? Anders gefragt, gibt es Beispiele für "andersstämmige" Spieler in chinesischen Provinz- bzw. Nationalmannschaften? (Ich frage das ganz ohne polemische Absicht; bitte entsprechend antworten, wenn du Informationen hierzu beitragen kannst.)
|
Ganz im Gegenteil: Die sogenannte "Minderheitsvoelker" (davon gibt es in China 55 an der Zahl, die alle zusammen aber weniger als 10% der Bevoelkerung ausmachen) werden in China per Gesetze und Regelungen stets bevorzugt - Schueler bekommen z. B. Zusatzpunkte in der Zentral-Abitur, und ueberall gibt es feste Mindesquote.
In der Namensliste der Provinzmannschaft Jilin kann man tatsaechlich ablesen, dass viele Spielerinnen und Spieler typisch koreanische Namen haben - und mit groesster Wahrscheinlichkeit auch Korea-Stammige sind.
Die nahe liegende Vermutung dafuer, dass Jeongs Talent unerkannt blieb, ist einfach, dass er sich erst in den letzten Jahren stark verbessert hat, nachdem er die uebliche Altersgrenze fuer eine Aufnahme in die Provinzmannschaften (variiert sich meist zwischen 12 und 14 Jahren) bereits ueberschritten hat.
Es gibt ein sehr verbreitetes Problem, gegen es die chinesische Fachleute schon seit Jahren klagt, angesichts der brutalen Konkurrenz im Jugendbereich aber keine praktische Loesung findet. Es heisst: "Chinesische Tischtennis-Kinder sind gezwungen, leistungsmaessig frueh-reif zu sein - wer nicht frueh-reif ist, bekommt nie mehr die Chance, reif zu werden."
Es gibt manche Provinzen, in denen es besonders krass ist, und es andere, bei denen es vergleichsweise besser ist. Ma Long war zum Beispiel damals aufgrund unzufriedenstellendes Alters-Lesitungs-Verhaeltnis aus der Provinzmannschaft (genau gesagt der Provinz-Sportschule, die Vorstufe zur Provinzmannschaft) von Liaoning ausgefallen. Dann hat die Pekinger Stadtmeisterschaft ihn aufgenommen, weil man ihn dort fuer (immer noch) foerderungswuerdig hielt.
Wang Tao wurde wiederum einst den Eintritt in die Pekinger Stadtmannschaft verweigert, dann zog er lange umher und fand am Ende einen Platz in der Armee-Mannschaft. Heute ist er Olympia-Sieger und Cheftrainer der Armee-Mannschaft und hat den Rang des Generalmajors. (Nach Peking 2008 soll er zum Generalleutnant aufsteigen und damit der juengste Generalleutnant der chinesischen Armee werden.)
Beispiele wie diese gibt es einfach zu viele in der Geschichte des chinesischen TT. Die schiere Quantitaet der hoch-qualitativen Talente sorgt zwangslaeufig fuer grosse Verschleiss und Verschwendung.