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Alt 13.01.2008, 20:58
Red Devil Red Devil ist offline
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AW: Erklärung zum Ablauf des DTTL-Spieles zwischen Düsseldorf - Würzburg

Immerhin hat Frank Müller für die Würzburger Fans ein kleines Trostbonbon organisiert und vielleicht lassen sich ja einige um ihr Vergnügen gebrachte Zuschauer dadurch wieder versöhnen.

Champions-League
VIERTELFINALE!
EINTRITT FREI!
SVS Niederösterreich
Fr. 25.01.08, 19.30 Uhr
s.Oliver-Arena
EINTRITT FREI!

Quelle: Vereinshomepage der Würzburger

Natürlich hilft das den verärgerten und enttäuschten Besuchern der heutigen Partie in Düsseldorf herzlich wenig. Aber Teams, die nicht wettbewerbsfähig sind und sogar vorsätzlich mangels Budget mit einer 2.Liga-Truppe in der 1.Liga-Damen spielen, gibt es ja auch (TTC Troisdorf) und kaum jemand meckert - man fährt halt einfach nicht mehr hin. Es könnte ja jemand wegen Insolvenz keine Lizenz beantragen und der Minietat reicht dann aus, um in der nächsten Saison erneut 1.Liga zu spielen. Ob das sportlich Sinn und den überforderten Spielerinnen Freude macht, steht auf einem anderen Blatt. Aber die Verantwortung über sportliche Zielsetzungen und Finanzen trägt nun mal der Verein und sein Manager. Das sollte man für jeden Verein respektieren. Der aktuelle Fall ist natürlich anders gelagert, man hätte ja können und verzichtete vorsätzlich.

Frank Müller hat jedenfalls für reichlich Publicity gesorgt. Ob es sich um eine gezielte Retourkutsche wegen der früheren Vorfälle oder einen Protest gegen eine gefühlte oder tatsächliche Bevorzugung der Düsseldorfer durch offizielle Stellen und Schiris handelt und er damit quasi eine "Lex Düsseldorf" anprangern möchte, bleibt vorerst sein Geheimnis. Auf offizielle Verlautbarungen würde ich nicht so viel geben und nicht unbedingt Ehrlichkeit erwarten - auch aus Selbstschutz, was legitim ist. Man denke nur an den Fußball-Klassiker "Mach et Otze" und die Konsequenzen. Müller wird sich schon sehr genau überlegen, was er sagt, um möglichen Sanktionen zu entgehen.

Die Borussia und ihre Vertreter sind nicht überall beliebt, man könnte auch vom FC Bayern des Tischtennissports sprechen. Insofern mag sich Müller auch der polarisierenden Wirkung seiner Entscheidung bewußt gewesen sein und die Öffentlichkeit als Bühne mit ins Kalkül gezogen haben. Es könnte schon sein, dass andere Vereine, die sich ebenfalls gegenüber dem Krösus in der Bundesliga benachteiligt fühlen, heimlich sympathisieren - aber eben heimlich -und eben nicht in hemdsärmeliger Müller-Manier zu Werke gehen.

Für den Tischtennissport ist die heutige Entscheidung sicherlich zu bedauern. Eine solch sportliche Farce hat die 1.Bundesliga nicht verdient. Wenn aber die Funktionsträger der TT-Bundesliga wachgerüttelt würden, einige Richtlinien, vergangene Entscheidungen und ihre Terminplanung ein wenig zu überdenken und sich dem sicherlich nicht immer geringen Druck aus Düsseldorf zu beugen, hätte Müller für die anderen Vereine die Kohlen aus dem Feuer geholt. Ich sehe auch eine deutliche sportpolitische Tendenz und eine intendierte Signalwirkung an den Ligaausschuß.

Müller ist sich jedenfalls für nichts zu schade, um seine Ansichten und Ziele durchzusetzen. Sein Verhalten kann man so oder so betrachten. Es könnte natürlich sein, dass er seinem Verein damit einen Bärendienst erwiesen hat und Würzburg bei strittigen Entscheidungen demnächst besonders kritisch beäugt wird und man ihnen genauer auf die Finger schaut. Entgegenkommen in sportlicher und organisatorischer Hinsicht kann man sich auch selbst verbauen.

Sollte Würzburg die anstehenden Spiele gewinnen, dann hat er für seinen Verein alles richtig gemacht - und die Rotation ist ja spätestens seit Ottmar Hitzfeld auch in anderen Sportarten salonfähig geworden. Düsseldorf praktiziert sie übrigens auch, wenn auch mit "etwas" besseren Auswahlmöglichkeiten.

Immerhin hätte es theoretisch noch schlimmer kommen können. Man stelle sich vor, Würzburg hätte die Doppel in Bestbesetzung gespielt und danach wären alle weiteren Spiele wegen "Verletzung" abgeschenkt worden oder man hätte direkt alle Spiele wegen "Grippe" nach dem ersten Ball kampflos abgegeben. Müller hat jedenfalls eine schlitzohrige Variante gewählt, die sicherlich den Fans gegenüber nicht okay war, aber irgendwie kann ich ihm auch nicht richtig böse sein. Na gut, ich bin auch nicht nach Düsseldorf gereist, sonst würde meine Beurteilung vielleicht negativer ausfallen. Für die Fans habe ich jedenfalls volles Verständnis. Mal sehen, ob sich die Düsseldorfer revanchieren oder es Sanktionen gegen Würzburg oder Müller geben wird. Er kann sich ja für den nächsten Besuch in Düsseldorf das "Papa-Mobil" von Ratze ausleihen.

Geändert von Red Devil (13.01.2008 um 21:06 Uhr)
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