Das beleidigte Kleinkind
Im Sport sorgen Paradiesvögel unterschiedlichster Art oftmals für die eine oder andere unterhaltsame Geschichte, weil sie anders sind als der Rest. Sie sind nicht selten das Salz in der Suppe – solange sie sich selbst nicht zu wichtig nehmen.
Letzteres gilt für F. Müller leider nicht. Für viele seiner ausgefallenen Aktionen hat er in der Vergangenheit - des öfteren auch meine - Sympathiewerte gewonnen, heute ist er leider einen Schritt zu weit gegangen und hat sich deshalb ein schlimmes Eigentor geschossen.
Mit dem heutigen Eklat hat sich F. Müller um seine Glaubwürdigkeit gebracht und den Verdacht genährt, dass er ein Profilneurotiker ist, der sich in brenzligen Situation nicht unter Kontrolle hat. Wenn er für sich und seinen Verein Müller Würzburg in der Zukunft weiterhin Attribute wie Professionalität und Fair-Play beansprucht, werden viele zurecht nur noch abwinken.
Die in der Presseerklärung formulierte Bestätigung von Seiten anderer Bundesligaspieler ist nirgendwo belegt oder mit Namen ausgestattet und kann daher genauso erfunden sein. Gleiches gilt für die Behauptung zur damaligen unmittelbaren Reaktion eines oder mehrerer Düsseldorfer Spieler. Die eigenen Spieler waren heute natürlich im Vorfeld eingeweiht und haben Dritten gegenüber das Vorhaben angekündigt und u.a. als „peinlich“ bezeichnet. Ähnliche Ansichten deute ich in den Ausführungen von ML in diesem Forum.
So erklärt sich auch die Formulierung in F. Müllers Presseerklärung, dass sich niemand der Spieler, sondern ausschließlich das Management zum heutigen Skandal äußern wird.
Es liegt auf der Hand, dass der Antrieb für die heutige Maßnahme rein persönlicher Natur ist. Und wahrscheinlich spielt da nicht nur das verlorene ETTU-Finale eine Rolle, sondern auch das durch Abläufe in der Vergangenheit zerrüttete Verhältnis zwischen F. Müller und Bor. Düsseldorf.
Wir befinden uns aber in einem funktionierenden Rechtsstaat in dem jedem einzelnen Wege und Möglichkeiten offenstehen, wenn er sich durch diesen ungerecht behandelt fühlt. Regelwerk und Wettspielordnung des internationalen TT-Sports sind nach dem gleichen Rechtsprinzip aufgestellt. Ein ETTU-Cup-Finale kampflos abzuschenken, weil man mit einer Schiedsrichterentscheidung nicht einverstanden ist, halte ich daher für irrational und unprofessionell und den Sponsoren gegenüber für verantwortungslos. Dem Ganzen noch eine Retourkutsche in der heutigen Form folgen zu lassen, ist überaus lächerlich.
Es ist außerdem beschämend, dass sich wirklich vier Menschen gefunden haben, die diesen Auftritt heute durch ihren sportlichen Einsatz mitgetragen haben. Ob sie dieses aus Überzeugung oder für Geld getan haben spielt im Grunde keine Rolle. Sie haben als Vorstandsmitglieder des Vereins grob fahrlässig gehandelt, als sie es versäumten F. Müller von diesem Vorhaben abzubringen. Es wäre nicht verwunderlich, wenn zahlreiche der heute Geschädigten rechtliche Schritte unternähmen, um sich zumindest die An- und Abfahrtskosten, sowie die ausgebliebenen Eintrittsgelder vom Verein Müller Würzburg zurückzuholen.
Ganz gleich wie ordentlich die Pressemitteilung formuliert ist, die heutige Maßnahme ist nicht die Reaktion eines professionellen Geschäfts- oder eines fairen Sportsmannes, sondern gleicht eher der eines beleidigten Kleinkindes. Darüber bin ich persönlich enttäuscht, weil ich F. Müller eher für ersteres gehalten habe.
Dieser vorsätzlich geplante Racheakt hat fast ausschließlich Unbeteiligten Schaden zugefügt und erinnert mich vom Ansatz her an viele Meldungen aus den täglichen Nachrichten.
P.S.: Dass P. Igel Gefallen an der Aktion äußert, überrascht mich nicht. Bei ihm stelle ich in Diskussionen eine fast schon prinzipielle Sympathie mit der Oppositions- oder Minderheitenseite fest, ganz gleich wie unklug deren Standpunkt ist.
Hier noch ein passender Link zur Geschichte:
http://www.youtube.com/watch?v=ErABAVLD5OE