Einzelnen Beitrag anzeigen
  #350  
Alt 15.01.2008, 10:10
wuerzburger wuerzburger ist offline
registrierter Besucher
Foren-Neuling
 
Registriert seit: 15.01.2008
Beiträge: 7
wuerzburger ist zur Zeit noch ein unbeschriebenes Blatt (Renommeepunkte ungefähr beim Startwert +20)
AW: Erklärung zum Ablauf des DTTL-Spieles zwischen Düsseldorf - Würzburg

In der Würzburger Lokalpresse (Mainpost) sorgt das Spiel wie bereits gestern auch heute für Schlagzeilen:

Zitat:
Der Hobby-Kabarettist und die Bundesliga

Reaktionen zur umstrittenen Würzburger Tischtennis-Aktion bei Borussia Düsseldorf

Wenn die Leute über ihn lachen, dann hat Dieter Schwind alles richtig gemacht. Dieter Schwind ist Hobby-Kabarettist. Aber ob er alles richtig gemacht hat, als die Leute über ihn lachten, als er – wie am Sonntag geschehen – in der Tischtennis-Bundesliga von einem der besten Spieler der Welt vorgeführt wurde? Die denkwürdige 0:6-Niederlage von Müller Würzburg gegen Borussia Düsseldorf jedenfalls sorgte auch noch am Montag für regen Gesprächsstoff. . .

Statt mit der Bundesliga-Mannschaft zu spielen, bot Müller Würzburg nach den Eingangsdoppeln (in einem stand im übrigen Namensgeber und Sponsor Frank Müller selbst) vier Hobbyspieler, die in der Kreisliga und darunter spielen, auf.

Der Auftritt des ansonsten in der 1. Kreisliga spielenden 52-jährigen Taxiunternehmers Schwind gegen den dreifachen Europameister Timo Boll findet sich mittlerweile auf einer bekannten Videoplattform im Internet. Peinlich ist Schwind das nicht. „So wild war das gar nicht, bei meinem Spiel ging es relativ gesittet zu“, kommentierte Schwind am Montag die Reaktionen der Zuschauer auf seinen Einsatz in Deutschlands höchster Spielklasse. Boll habe ihm beim Handschlag nur angegrinst, ohne etwas zu sagen.

Zweiter im Bunde der ungewöhnlichen Würzburger Bundesligamannschaft war Vereinspräsident Peter Schürer. „Man kann sich ja vorstellen, dass sich ein Kreisligaspieler nicht gerne gegen Timo Boll und Co hinstellt. Aber wir haben das ja nicht aus Jux und Tollerei gemacht, sondern wollten ein Zeichen setzen“, rechtfertigt der 40-Jährige das Vorgehen des Klubs. Am meisten hätten ihm die Zuschauer leid getan, fügt er an. Einen gewissen Respekt bringt er den Düsseldorfer Profis entgegen: „Wenn die gewollt hätten, hätten sie ja an der Platte kurzen Prozess mit uns machen können.“

Georg Münzhuber (58), Pressechef von Müller Würzburg und für ein paar Minuten Bundesligaspieler, suchte nach Erklärungen: Es gab halt nur drei Möglichkeiten, nachdem unser Hauptsponsor Frank Müller nach dem unmöglichen Verhalten der Düsseldorfer (Anm. der Red. Würzburg fühlte sich im internationalen ETTU-Finale im Jahr 2006 betrogen und unfair behandelt von Düsseldorfer Spielern, Funktionären und Schiedsrichtern) klargestellt, dass er nie mehr mit einer seiner Mannschaften gegen Düsseldorf antreten würde. „Entweder wir wären nicht angetreten und hätten wohl eine Verbands-Strafe und Schadenersatzforderung in einer Gesamthöhe von rund 20 000 Euro bezahlen müssen. Oder wir hätten mit der besten Mannschaft spielen können und somit unseren Hauptsponsor im Regen stehen lassen. Die dritte Alternative war halt die, die nun für Gesprächsstoff sorgte. Wir sind mit dieser Mannschaft angetreten.“ Ob er sich dabei wohlgefühlt habe? „Naja, dazu sag ich lieber nix.“

Der Verband sieht die ungewöhnliche Protestaktion Würzburgs gegen vermeintliche Manipulationen beim ETTU-Pokalfinal-Rückspiel vergangenes Jahr sehr kritisch. „Das ist sportlich nicht gerechtfertigt und unfair. Damit hat Würzburg dem Sport einen Bärendienst erwiesen“, sagt auf Anfrage dieser Zeitung der Präsident des Deutschen Tischtennis-Bundes (DTTB) Thomas Weikert. Er wolle sich mit dem Oberschiedsrichter in Verbindung setzen und dann abwägen, ob eventuell der Kontrollausschuss in der Sache tätig wird. Weikert sieht die Fans als die Leidtragenden der Auseinandersetzung: „Die wollten Spaß haben und das ist ihnen vergällt worden“.

Ein gewisses Verständnis gibt es für die Würzburger Aktion bei den Verantwortlichen der anderen Bundesligisten.
„Ich denke aber, dass es für das Tischtennis allgemein schädlich ist“, erklärt etwa Jülichs Manager Arnold Beginn.

„Das ist sicher nicht die richtige Maßnahme, aber ich kann es nachfühlen“, sagt Grenzaus Präsident Manfred Gstettner. Sein Verein habe auch schon erlebt, dass es in Düsseldorf in entscheidenden Momenten Heimschiedsrichter gebe.

Gönnerns Trainer Helmut Hampl monierte, dass die Unterfranken nicht den normalen Weg gegangen sind. „Es gibt Protestmöglichkeiten und wenn man sich benachteiligt fühlt, kann man beim Verband die entsprechenden Gremien anrufen. Ich kann Würzburg zwar verstehen, finde aber nicht, dass das der richtige Weg ist.“

Zwei Herzen schlagen in der Brust von Christoph Reuhl. „Als Ligaauschuss-Vorsitzender kann ich die Verärgerung von Düsseldorf sehr wohl verstehen. Aber Würzburg hat sich im Rahmen der Regeln bewegt. damit ist gegen die Aufstellung nichts zu sagen.“ Als Manager des TTC Frickenhausen kann auch er die Motive für die Aktion nachvollziehen. „Wir hatten in Düsseldorf schon öfter Probleme mit Schiedsrichterentscheidungen, dennoch würden wir so etwas nie machen“, so Reuhl.

Der Ausrüster der Domstädter wollte sich zu den Vorgängen vom Sonntag nicht äußern. „In den sportlichen Bereich mischen wir uns nicht ein“, so ein Sprecher des Herstellers Tibhar. Konsequenzen seitens des Unternehmens werde es nicht geben, schließlich habe man seit Jahren mit Würzburg ein gutes Verhältnis.

Einwurf
Es gab vor gar nicht so langer Zeit im Fernsehen eine Unterhaltungssendung namens „Rache ist süß“. Da durften sich Menschen, die sich über Streiche anderer Zeitgenossen geärgert hatten, vor laufender Kamera rächen. Das war manchmal lustig, weil nun mal Schadenfreude die schönste Freude sein soll. Am Sonntagnachmittag wollte sich vermutlich ein ganzer Verein rächen, weil er im Jahr 2006 mal geärgert wurde. Betrogen und unsportlich behandelt vom vielfachen deutschen Meister Borussia Düsseldorf hatte sich damals das Bundesliga-Tischtennis-Team von Müller Würzburg gefühlt. Wegen ein paar monierter Aufschläge und eines dadurch verlorenen wichtigen Spiels. Das war zwar wirklich ärgerlich für die Mainfranken, aber halt nicht zu ändern. Oder doch? Sowas schrie geradezu nach Rache. Nur – dieser Versuch ging gründlich daneben.
Wenn 1000 zahlende Zuschauer in Düsseldorf 52 Minuten lang zusehen müssen, wie ältere Hobbyspieler – immerhin der Vorsitzende und weitere Funktionäre im Alter von 40 bis 58 Jahren – von Müller Würzburg – gegen die fast komplette deutsche Nationalmannschaft ein Bundesliga-Spiel bestreiten, dann hat das mit Schabernack, Rache oder Schadenfreude nur wenig gemein. Ein solcher Auftritt ist einfach nur unprofessionell und peinlich.
Wenn eine Sportart Jahr für Jahr um Akzeptanz buhlt, Fernseh-Zeiten einfordert und Zuschauerzahlen erhöhen will, dann sind derartige Versuche wie der von Müller Würzburg nicht mehr zu verstehen. Es sein denn, die Cracks von Müller Würzburg haben die Fernseh-Sendung verwechselt, in der sie gerne aufgetreten wären. Bei den 100 peinlichsten Sportauftritten der Welt hätten sie nach diesem Rache-Versuch zweifelsfrei einen der vorderen Plätze erkämpft. Mehr aber auch nicht.
Mit Zitat antworten