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Einerseits kann ich schon verstehen, daß für die Flutopfer so viel gespendet wird. Man kann sich einfach gut in deren Lage versetzen und vorstellen wie tragisch es wäre, wenn man selber sein Haus etc verliert.
Das Hineinversetzen in Menschen in Afrika, Asien oder Südamerika fällt schwerer, zum einen aufgrund der räumlichen Entfernung, vor allem aber aufgrund der komplett anderen Lebensbedingungen, die man sich als Westeuropäer gar nicht vorstellen kann.
Daß das so ist, heißt allerdings nicht, daß ich so eine Haltung unbedingt gutheiße. Mich hat es schon früh gestört, daß immer wieder geklagt wurde, wie schlimm die Situation (wie gesagt, subjektiv ist sie sicherlich auch schlimm für die Betroffenen) in den deutschen Hochwassergebieten ist, über die Zigtausend Obdachlosen und Huderte Tote, die es zur gleichen Zeit aus dem gleichen Grund in Asien gab, konnte man dagegen anfangs nur in vierzeiligen "Artikeln" auf Seite 18 in den Tageszeitungen erfahren. (und diese Menschen dort tragen zumeist wesentlich weniger "Mitschuld" an der Klimaerwärmung als jeder Deutsche).
Tragisch ist, daß eine solch hohe Spendenbereitschaft für die deutschen Hochwassseropfer eben doch in direktem Zusammenhang mit den Ärmsten dieser Welt steht. Denn die Spnendenbereitschaft für Organisationen, die sich in der dritten Welt engagieren wird vermutlich in den nächsten Monaten deutlich zurückgehen ("Ich habe ja dieses Jahr schon gespendet"). Schon alleine deswegen werden hier eben nicht Äpfle mit Birnen verglichen, und hat der Autor des Leserbriefes durchaus Recht.
Betrachtet man die Notlagen der Menschan subjektiv aus ihrer Situation heraus, dann ist es den Menschen in der dritten Welt auf gut deutsch gesagt scheißegal, warum sie verhungern, ertrinken, verdursten etc, wichtig ist, daß ihnen geholfen wird. Daher ist hier eine Differenzierung in Ursachen der Katastrophe unangebracht.
Und betrachtet man die Notlagen objektiv, dann muß man dem Leserbriefschreiber Recht geben. Keins der Hochwasseropfer in Deutschland wird verhungern. Sie werden ein zwar ein Leben führen müssen, daß vielleicht nicht mehr auf dem Standard liegt, das es voeher hatte, aber noch immer wesentlich höher als das von Milliarden anderen Menschen.
Diese Einstellung ist die, die mein Verstand mir vorgibt, ich muß allerdings zugeben, daß auch ich teilweise (gerade auch wegen der ausführlichen Berichterstattung) mir wesentlich mehr Gedanken über die Hochwasseropfer gemacht habe, als über die Menschen in der dritten Welt und daß auch ich ein wenig gespendet habe, und die Spendenbereichtschaft eigentlich toll fand. Es ist also schwer, bei einem solchen Thema ein ganz klares "Richtig" oder "Falsch" zu finden.
Dennoch denke ich, daß gerade solche Leserbriefe ganz wichtig sind, um die Menschen zum nachdenken zu bringen, damit das Leid im Rest der Welt nicht vergessen wird.
Dabei fällt mir gerade ein satirischer Text ein, der ziemlich viel Wahrheit enthält, und darum trotz seines Humors durchaus hierher passt.:
"Endlich wurde das Ergebnis einer Meinungsumfrage veröffentlicht, die von der UNO in Auftrag gegeben worden war. Die Frage lautete:
"Sagen Sie bitte ehrlich Ihre Meinung zur Lebensmittel-Knappheit im Rest der Welt".
Das Ergebnis war wie folgt:
Die Chinesen baten verwundert um zusaetzliche Erklärungen zum Begriff "Meinung".
Die Europär haben nicht verstanden, was "Knappheit" bedeutet.
Die Afrikaner wussten nicht, was "Lebensmittel" sind.
Die Amerikaner fragten, was unter "dem Rest der Welt" zu verstehen sei."
Geändert von aleol (06.09.2002 um 13:56 Uhr)
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