Zitat:
Zitat von Bernd Beringer
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Bernd, ich denke jetzt reicht es mal. Ich selber fand die Aktion der Würzburger auch fragwürdig, allerdings weiss glaube ich so langsam jeder auf bayerischem Verbandsgebiet, dass Du - auch wenn Du das gleich energisch bestreiten wirst - ein ausgemachter Würzburghasser bist und keine Gelegenheit auslässt, Seitenhiebe auf diesen Verein abzugeben, der erfolgsmässig eben noch weit über Deinem TV Hip steht.
Ist ja schön und gut, wenn man seine Meinung zu den Vorfällen äussert, aber das ständige Nachtreten und Nachgiessen von Öl, das nervt einfach mit der Zeit mal. Wir haben es verstanden, dass Würzburg auf Deiner Blacklist eine Topposition inne hat, aber damit sollte es auch mal gut sein.
Meine Meinung zum eigentlichen Thema: Ich hatte die Gelegenheit das ETTU-Pokalfinale zwischen Düsseldorf zu sehen. Ich sehe mich selber mehr als interessierten Tischtennisfan der die Gelegenheit nützt, hochklassigen TT-Sport in anderen Vereinen anzuschauen, statt als Würzburgfan. Ich will sogar behaupten, dass es mir in der Regel egal ist wer gewinnt, Hauptsache ich sehe schönen Sport.
Dieser schöne Sport wurde von den Würzburgern beim DTTL-Spiel in Düsseldorf ganz klar verweigert. Als Protestnote wurde dies bezeichnet.
Als einer derjenigen, der die Spiele im ETTU-Pokalfinale gesehen hat, kann ich mich der Meinung von Würzburg anschliessen, dass es vor allem im ersten Spiel von Leung Chuyan gegen Jun Mizutani zu übertriebenen, vielleicht sogar massiven, Beeinflussungen des Schiedsrichters gekommen ist, der verbal und mit Gesten mehrfach angegangen wurde. Das passierte während den Sätzen, in der Satzpause und meiner Meinung nach auch vor dem entscheidenden Spiel zwischen Leung Chuyan und Peter Korbel.
Der Schiedsrichter stand sicherlich stark unter Druck, die Düsseldorfer Attacken wurden ja natürlich auch durch Teile des Publikums verstärkt. Ich vermute, dass der Schiedsrichter nicht die geballte Ladung abbekommen wollte und nicht er als Sündenbock dastehen wollte und daraufhin zu einem Zeitpunkt als er und andere vermutet haben, dass das Spiel entschieden ist, dem Leung Chuyan einen Aufschlag abgezählt hat (dem wurde am ganzen Abend sonst kein einziger Aufschlag abgezählt).
Da sich der Würzburger Spieler hier zu Unrecht behandelt gefühlt hat, geriet dieser völlig ausser Fassung und konnte weder sich selber, noch seine Bank ihn, wieder beruhigen.
Aus meiner Sicht war der Aufschlag von Leung korrekt. Aber das ist genauso unerheblich wie das Anzweifeln sonstiger Tatsachenentscheidungen.
Der Würzburger Protest ging auch nicht gegen diese Schiedsrichterentscheidung, sondern gegen die Beeinflussnahmung durch Düsseldorfer Spieler und Funktionäre und das übertriebene Unterdrucksetzen des Schiedsrichters, der sich vermutlich entnervt zu dieser "Kompromissentscheidung" hinreissen lassen. Ich vermut einfach, dass er sich gesagt hat: Ok für mich sind die Aufschläge in Ordnung, ich sah den ganzen Abend trotz wütender Angriffe keinen Anlass einen Aufschlag abzuzählen, das Spiel ist jetzt sowieso gelaufen, dann zähle ich dem Jungen einen ab, das ändert am Verlauf nichts, aber die Düsseldorfer lassen mich dann vielleicht nachher in Ruhe.
Das war meine Sicht der Vorfälle. Dass diese - vielleicht durch im Vorfeld Dauerintervenieren "erzwungene" - Schiedsrichterentscheidung aber dazu geführt hat, dass das Spiel kippt, dafür habe ich kein Verständnis. Wenn die Würzburger dann sagen, sie wären um den Europapokaltitel betrogen worden durch die unfairen Aktionen, dann kann ich dem nicht folgen.
Wenn ein Profispieler, auch in einer Situation in der er allem Anschein nach falsch behandelt wurde, nicht in der Lage ist, sich danach wieder einzukriegen, obwohl er das gesamte Spiel klar der beherrschende Mann am Tisch war und auch nach dieser unrühmlichen Schiedsrichterentscheidung noch kurzzeitig in Führung war, dann hat er eben den Sieg auch nicht verdient.
Für mich steht ausser Frage, dass die Düsseldorfer sich grob unsportlich benommen haben und mehrfach den Schiedsrichter zu beeinflussen versucht haben, in einer Intensität wie ich es noch nie erlebt habe, aber dann so eine Bombe platzen zu lassen in Düsseldorf, ich denke da hat man das Ziel verfehlt.
Selbst Würzburg selber schreibt in seiner Presseerklärung, dass es sich nicht um ganz Düsseldorf gehandelt hat, sondern dass diese unfairen Aktionen von zwei Spielern und dem Manager ausgingen.
In der Presseerklärung der Würzburger wurden ein Spieler der Düsseldorfer Mannschaft zitiert mit: "Es waren beim ETTU-Cupfinale unglaubliche Vorgänge. Es war absolut offensichtlich, was da geschah, ich habe mich sehr unwohl gefühlt und es war mir extrem peinlich zu diesem Zeitpunkt bei Düsseldorf auf der Mannschaftsbank zu sitzen."
Düsseldorf wäre gegen diese Presseerklärung mit diesem Zitat sicherlich juristisch vorgegangen, wenn sie nicht genau wissen würden, dass sie "Dreck am Stecken" haben und denen ist auch klar, dass Würzburg nicht so blöd ist, so etwas zu veröffentlichen, wenn denen nicht diese Aussagen gesichert vorliegen würden.
Aber kann man zwei Spieler + den Manager mit ganz Borussia Düsseldorf und den weitgehend unbeteiligten Spielern gleichsetzen? Ich meine nein.
Zwar schreiben die Würzburger auch "Unmittelbar nach dieser Protestaktion trafen Reaktionen verschiedener Bundesligaprofis und Bundesliga-Vereinsvertreter bei uns ein, die einhellig in unserer Maßnahme bestätigten.", was ich auch durchaus glaube, denn die Meinungsäusserungen anderer Bundesligisten lassen dies ebenfalls erahnen und die Aussagen von Frickenhausenpräsident Wohlhaupter werfen Düsseldorf ja sogar eindeutig Betrug vor, doch die Würzburger geben sich ja selber in der gleichen Presseerklärung die Antwort, dass eine Aktion gegen die gesamte Borussia Düsseldorf nur fehl am Platz sein kann, denn:
-> Der Düsseldorfer Spieler der letztjährigen Mannschaft distanziert sich von dem Verhalten seiner Mannschaftskameraden
-> Würzburg schreibt selber, dass es nur um 2 Spieler und 1 Funktionär, den Manager, ging
-> mit Timo Boll und Dimi Ovtcharov sind zwei neue unbeteiligte Spieler im Team
-> sicherlich haben Teile des Publikums mitgemischt, aber der überwiegende Teil der Zuschauer sind Fans wie ich, die einfach guten Sport erleben wollen.
Mein Fazit: In der Sache hatte Würzburg sicherlich Recht, aber mit den ergriffenen Massnahmen sind sie nicht nur übers Ziel hinausgeschossen, sondern haben das Ziel komplett verfehlt.
2 Spieler und den Manager galt es zu treffen, diese wurden nicht gezielt an den Pranger gestellt, sondern beim Versuch das unsportliche und unfaire Verhalten dieser drei Beteiligten zu rächen, wurden ein paar hundert Unbeteiligte leicht, der Tischtennissport (keinesfalls auch nur annähernd so stark wie hier manche tun) leicht angekratzt, aber Würzburg schwer verletzt.
Kann darüber nur den Kopf schütteln. Wenn man selber grob unsportlich und unfair behandelt wird, wie man sich dann auch noch selber Schaden zufügen kann. Mir ist zwar beim Überlegen auch keine sinnvolle Idee eingefallen, aber man hätte ein halbes oder dreiviertel Jahr Zeit gehabt, sich etwas besseres zu überlegen.