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Alt 12.09.2002, 07:31
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Team 3B Berlin startet mit eigener Nachwuchsspielerin

Neues Deutschland vom 12.9.02

Tischtennis: Marie Ollmer steht für das gelungene Experiment
Bundesliga-Saisonstart /
Von Hans Moritz


Mit dem Start in die Meisterschafts-Saison beginnt für die Frauen vom Tischtennis-Bundesligisten 3B Berlin die erste Phase in der Umsetzung eines Experiments. Zum ersten Punktspiel des Vizemeisters am Sonntag (13 Uhr) in heimischer Halle am Anton-Saefkow-Platz gegen den TTC Femont Röthenbach wird mit der gerade 17 Jahre alt gewordenen Marie Ollmer erstmals eine Spielerin aus dem riesigen Reservoir des eigenen Nachwuchses zur ersten Mannschaft gehören.
Für Manager Rainer Lotsch der Beweis, dass seine Theorie zur Praxis wird. »Wir haben erst das Dach gebaut, damit sich der Nachwuchs im eigenen Haus an Vorbildern orientieren und nicht von anderen weggeholt werden kann, bevor er bei uns Wurzeln schlägt.« Nach dieser Maxime hat der 63-Jährige seit einem halben Jahrzehnt Weltklassespielerinnen in seinem Verein verankert, die dem Nachwuchs als Orientierungspunkte dienten.
Von anderen wurde dieses Experiment argwöhnisch betrachtet. Schließlich bestand die Berliner Bundesliga-Mannschaft in der Spitze ausschließlich aus Schläger-Akrobatinnen, die außerhalb Deutschlands geboren waren. Es fehle von daher die Identifikation, wurde dem Manager vorgehalten. Doch der Erfolg gibt ihm heute Recht: Keine einzige Nachwuchsspielerin hat den Verein verlassen. Zwischen Stralsund und Suhl ist der Berliner Verein längst als Vorzeigeadresse in Sachen Tischtennis bekannt, so dass immer mehr Eltern anfragen, ob sie ihre Kinder zu 3B und in das voll integrierte Coubertin-Sportgymnasium schicken können.
Im Sog der »Multi-Kulti-Elite« ist der Verein auf über 250 Mitglieder gewachsen und hat neben den Mädchen, die in der zweiten 3B-Mannschaft für diese Saison aus der Regionalliga in die 2. Bundesliga und mit dritten Team aus der Oberliga in die Regionalliga aufgestiegen sind, inzwischen auch einen pulsierenden Nachwuchsbetrieb bei den Jungen.
Die eingeflogene Elite aus aller Welt fühlt sich mittlerweile an der Spree heimisch. Ran Li hat ihre Wohnung in Peking gegen eine in der Nähe des Anton-Saefkow-Platzes getauscht. Die Litauerin Ruta Budiene ist mit ihrem Mann nach Berlin übergesiedelt und studiert an der Humboldt-Universität. Für die Ungarin Katalyn Harsanyi ist Berlin seit sechs Jahren der Lebensmittelpunkt geworden. Die Russin Irina Palina kommt mit ihrer fast zwei Jahre alten Tochter so oft es geht von Moskau nach Berlin, um mit dem Nachwuchs zu trainieren. Auch Ran Li und Ruta Budiene üben zwei Mal in der Woche mit dem Nachwuchs des eigenen Vereins.
Wenn am Sonntag Marie Ollmer in der Saefkow-Halle erstmals als Bundesligaspielerin vorgestellt wird, steht auf der anderen Seite eine gute Bekannte: Christina Fischer schmetterte in der letzten Saison noch für 3B, zog aber »der Liebe wegen« gen Süden und spielt jetzt für Röthenbach, der den Berlinerinnen aus der letzten Saison in guter Erinnerung ist. Denn im Europapokal-Finale gewannen die Berlinerinnen den »Nancy-Evans-Cup« durch zwei Siege – eben gegen Röthenbach.

(ND 12.09.02)
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