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AW: Hao gg. Nicht-Chinesen
Ich finde, man sollte nichts dramatisieren, aber auch nichts schönreden:
Fakten:
1.Timo Boll hatte (z.T. auch verletzungsbedingt) schon im letzten Jahr einen deutlichen Rückstand zu den Top-Chinesen.
Die Verletzungen als Gründe für die WIDERKEHRENDEN Rückschläge anzubringen, ist als Ursache richtig, im Ergebnis allerdings nur teilweise zutreffend.
2.Die Chinesen haben sich mit Akribie auf die "Personalie" Boll eingestellt und wissen genau, welche Stärken und Schwächen der Spieler Boll hat und wie man gegen ihn spielen muss um zu gewinnen.
3. Timo Boll ist spieltechnisch in guter Form in der Lage, jeden Top-Chinesen zu bezwingen und (sollte er bei Olympia fit sein) die EINZIGE EUROPÄISCHE GEFAHR für die Chinesen.
Vermutung (meine persönliche Einschätzung):
1. Timos "Fehler" resultieren aus drei Faktoren: Körper, Kopf, Kämpfergeist.
Der Körper ist Timo Bolls Schwachstelle, aufgrund einer (angeborenen?) Fehlstellung ist der Rücken (Ilio-Sakral-Gelenk) ein immer wieder aufbrechender Krisenherd.
Um dieses Manko auch nur in etwa auszugleichen, ist Krafttraining von Nöten, was er aber SICHERLICH absolviert. Gänzlich befreit wird er von diesem "Stigmata" nie.
Nach der damaligen Behandlung bei Bayern-Doc Müller-Wohlfahrt war er aber eine ganze Zeitlang schmerzfrei und nach der Sprichwort "In einem gesunden Körper wohnt auch ein gesunder Geist" nach genügend Trainingsumfängen auch sehr gut drauf.
2.Der Kopf/Geist scheint bei Timo stark verbunden zu sein mit dem körperlichen Wohlbefinden (anders als beispielsweise früher bei Waldner, der auch mit 40 Grad Fieber noch eine tolle WM spielte), zudem braucht er Erfolge um mental stark zu sein. Boll ist beileibe kein mental schlechter Spieler, er hat genug wichtige Matches in schlechter Position umgebogen (vs. Schlager bei Olympia, vs. Saive beim Europe Top 12, vs. Ma Lin WM 2006 uva.),doch diese Matches fanden nie statt, wenns um eine Einzel-Medaille ging bei WM/Olympia.
Druck scheint er sich vor allem selbst zu machen, der eigenen Erwartungshaltung gerecht zu werden, die (berechtigten) Hoffnungen erfüllen, scheint eher eine Last zu sein:
WM 2001 Achtelfinale aus vs. Chiang Peng Lung
WM 2003 2. Runde aus vs. Qui Jike
Olympia 2004: Viertelfinale aus vs. Jan-Ove Waldner
WM 2005 Achtelfinale aus vs. Liu Guozheng
WM 2007 Viertelfinale aus vs. Ryu Seung Min
Was ich damit sagen will: Timo ist bei obigen fünf Spielen seiner Favoritenrolle AUCH deshalb nicht gerecht geworden, weil er sich selbst unter Druck gesetzt hat und verkrampfte.
Wer sich diese Spiele mal auf DVD etc. anschaut, wird immer das gleiche Muster feststellen. Ein SEHR MOTIVIERTER T.Boll, der oft loslegt wie die Feuerwehr, um beim ersten Gegenwind zu verkrampfen.
Das Spiel 2005 vs. Liu Guozheng war hierbei noch das beste Spiel von ihm, das bei der WM 2007 vs. Ryu Seung Min war übrigens das taktisch schlechteste Spiel, welches ich je von ihm gesehen habe.
3. Soll heißen, in solchen Situationen, wenn es nicht läuft, muß er sich AUCH in wichtigen Spielen an den eigenen Haaren aus dem Sumpf ziehen können (eine Eigenschaft, die Waldner beispielsweise sehr gut beherrschte, wenn auch dieser Vergleich ob des Genius des Maestros zuweilen hinkt), auf gut deutsch: Timo muß lernen, zu beißen, zu kämpfen.
Das klappt nicht jedesmal, das ist klar, auch Waldi hatte Spiele, in denen kaum was zusammenlief wegen Verkrampfung (WM 1999, HF vs. Ma Lin, WM 1993 HF vs. Saive), aber das Gros dieser Spiele gewann er (AUCH dank dieser Eigenschaft).
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Holz: Nittaku Barwell Fleet FL, VH: Test schwarz, RH: Test rot
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