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AW: vorhand topspin - Treffpunkt
Sollte man nicht dem durchschnittlich begabten Spieler die für ihn vorteilhafte Technik vermitteln? Sobald er diese sicher beherrscht geht es darum Tempo und Risiko zu steigern, aber doch nicht vorher....
Das gilt nach meiner Auffasung auch für den überdurchschnittlich begabten Spieler. Zu berücksichtigen ist dann bei der Orientierung in Richtung eines Spielsystems ja auch jeweils die Mentalität der Kinder bzw. Jugendlichen. Die Schwierigkeit im Alltag des Trainings besteht dann vor allem darin, die Anforderungen und Trainingsinhalte angemessen zu differenzieren.
Zur Frage des Balltreffpunkts beim Topspin:
Beide Varianten sollten sich die SpielerInnen - soweit die motorischen Grundfertigkeiten das zulassen - aneignen. Auch im Hinblick auf die weiteren Schlagtechniken sollte man es nach meiner Meinung anstreben, dass die SpielerInnen möglichst vielseitig handlungsfähig sind, d.h. möglichst alle Grundschlagtechniken - situativ angepasst - ausführen können. Der besondere Reiz des Spiels wird so -unabhängig von der Leistungsebene, auf der es betrieben wird - nach meinem Empfinden deutlich besser erlebbar.
Richtig finde ich es auch, durch das Training zunächst ein sicherheitsorientiertes Spiel möglich zu machen, damit die Ballwechsel nicht häufig schon nach dem zweiten oder dritten Kontakt beendet sind. Bei längeren Ballwechseln macht das Spiel einfach mehr Spaß, darüber hinaus wird nach meinem Eindruck die Antizipationsfähigkeit in längeren Ballwechseln besser und schneller entwickelt. Die stellt aber eine wesentliche Voraussetzung dafür dar, wenn es jeweils darum geht, gelernte Schlagtechniken spielsituativ angemessen anzuwenden.
Das Training im Hinblick auf die Vermittlung der Schlagtechniken ausschließlich an dem zurzeit aktuellen Lehrplan des DTTB auszurichten, halte ich für fragwürdig. Nicht zuletzt Regeländerungen, die das Schlägermaterial (Kleberegel, Belagnormierung) oder das "Inventar" der Sportart betreffen (z.B. Netzhöhe), können es mit sich bringen, dass bestimmte Schlagausführungen weniger relevant werden. Darauf zu reagieren wird dann leichter fallen, wenn das Schlagrepertoire vielfältiger ist.
Als Beispiel für dieses Phänomen fällt mir die Veränderung der Aufschlagregel ein. Solange das Verdecken des Balls beim Aufschlag legal war, wurden nach meiner Erinnerung im Trainingsbetrieb fast auschließlich Varianten eines Vorhandaufschlags vermittelt, der - mehr oder weniger ausgeprägt - unter dem freien Arm hindurch erfolgte. Die Vernachlässigung von Aufschlagvarianten mit der Rückhand hat für die in dieser Zeit "tischtennissozialisierte" Generation schwerwiegende Folgen gehabt: Die automatisierte Vorhandbewegung des verdeckten Aufschlags bricht im Wettkampf immer wieder einmal durch, ein Umlernen in Richtung unverdeckt gespielter Vorhandaufschläge ist durchaus mühsam, "ausgefeilte" Varianten von Rückhandaufschlägen waren nicht verfügbar - und ließen sich auch in kurzer Zeit nicht erlernen.
Allerdings ist die Möglichkeit, ein vielfältiges Schlagrepertoire zu entwickeln, in hohem Maß vom Trainingsumfang abhängig.
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