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Lauterbacher Anzeiger v. 8.3.08
Beim TSV Grebenhain entsteht neues "Wir-Gefühl"
Vereinsvorsitzender Hans-Joachim Bauer - "Auf die Perspektive kommt es an"
Florian LeidheiserGREBENHAIN. Beim Blick auf die Tabellenstände der Tischtennis-Herrenmannschaften des TSV Grebenhain reiben sich Kritiker und Spötter gleichermaßen die Hände. Die bittere Bilanz versorgt die Lästerer mit neuer Nahrung: Drei der fünf Mannschaften stehen im Tabellenkeller, das Aushängeschild, die erste Mannschaft, steigt gar sang- und klanglos aus der Verbandsliga ab. Es wäre jetzt ein Leichtes, mit dem Hammer draufzuhauen und die Vereinspolitik als verfehlt und gescheitert zu erklären. Mit einer differenzierten Auseinandersetzung hätte diese Aktion jedoch nicht viel gemein. Fakt ist zweifelsohne: Die Tischtennis-Abteilung des TSV Grebenhain macht eine schwere Zeit durch. Gut ein Dutzend Abgänge in zwei Jahren - darunter viele Leistungsträger wie Sven Scheiwein, Walter Kreller, Paul McAven und so weiter - ließen sich nicht so einfach kompensieren. Der Aderlass zog sich wie ein roter Faden durch alle Mannschaften.
"Natürlich wurde überlegt, die erste Mannschaft aus der Verbandsliga zurückzuziehen", gibt TSV-Vorsitzender Hans-Joachim Bauer zu. Die Mehrheit habe sich aber am Ende bewusst für die Verbandsliga entschieden, so Bauer, der selbst Spieler des Tabellenletzten ist. Von Resignation ist im jungen Team um Mannschaftsführer Alexander Heuser trotz der vielen niederschmetternden Ergebnisse offenbar keine Spur - im Gegenteil: "Das hat uns als Mannschaft noch mehr zusammengeschweißt", so Bauer.
In der kommenden Saison soll mit dem gleichen und auf einer Position weiter verjüngtem Team ein Neuanfang in der Bezirksoberliga gestartet werden. Offerten anderer Vereine spielten offenbar keine Rolle. "Ich habe von allen Spielern die Zusage bekommen, dass sie in der Bezirksoberliga spielen", berichtet Bauer froh. Auch die anderen Mannschaften bleiben zusammen. Das Bezirksliga-Sextett wird den Klassenverbleib schaffen (Bauer: "Das ist der größte Erfolg überhaupt") und die dritte Mannschaft würde im Falle eines Abstiegs in die Kreisliga den sofortigen Wiederaufstieg in die Bezirksklasse forcieren.
"Es kommt eben auf die Perspektive an", meint der Vorsitzende. Denen, die vieles schlecht reden, stellt er gegenüber: "Wir haben nächste Saison jeweils eine Mannschaft in der Bezirksoberliga und Bezirksliga und vielleicht eine dritte in der Bezirksklasse. Welcher Verein hat das schon", fragt "Hansi" Bauer.
Über mangelnde Aussichten kann der TSV Grebenhain nicht klagen. "Wir haben eine extrem junge Abteilung. Gerade einmal fünf Spieler sind über 45 Jahre alt", sagt Bauer. In dieser Umbruchs-Situation erntet der Klub nun die Früchte für über eine Dekade intensivste Nachwuchsarbeit - und dies, obwohl viele Talente wie Jörg Konieczny, Paul McAven oder Housain Ghazouani den Verein verließen. "Wir haben viel ehrenamtliche Arbeit und Herzblut in die Entwicklung der jungen Spieler investiert. So etwas müssen wir dann runterschlucken", so Bauer, der nicht verschweigt, dass auch von Grebenhainer Seite Spieler von anderen Vereinen geholt wurden.
"Man sieht sich immer
drei, vier Mal im Leben"Bauer zu schmerzhaften AbgängenBitterkeit und Enttäuschung hinterließ beim Vereinsvorsitzenden besonders der Weggang von Paul McAven vor der Saison zum SV Flieden. McAven war dem Lockruf der Oberliga ins "Königreich" gefolgt, ist aber fester Bestandteil der zweiten Mannschaft in der Verbandsliga und spielt also in der gleichen Liga wie der TSV Grebenhain. Ebenso wenig kann Hans-Joachim Bauer den Wechsel von Housain Ghazouani nach Flieden nachvollziehen: "Er hätte auch bei uns Schüler-Hessenliga spielen können." Bauer ist sich indes sicher: "Man sieht sich immer drei, vier Mal im Leben." Eine Rückkehr schließt er nicht aus, nur nicht in nächster Zeit. Dafür sei zuviel passiert.
"Diese Zeit hat sehr
viel Kraft gekostet"Bauer zur einst intensiven JugendarbeitDerweil steht fest, dass der Verein die Nachwuchsarbeit, die er lange Jahre und mit beachtlichen Erfolgen nicht nur auf Kreis-, Bezirks- und Landesebene praktizierte, in diesem Umfang nicht mehr aufrechterhält. "Diese Zeit hat sehr viel Kraft gekostet. Das waren extreme Anstrengungen und ein riesen Aufwand, auch finanziell. Wir haben die Kinder durch ganz Hessen gefahren und immer intensiv betreut. Jetzt gehen wir ganz bewusst ein, zwei Schritte zurück. Diesen Aufwand werden wir nicht mehr betreiben", sagt Bauer. Das Motto lautet nun: Jugendarbeit schon, aber nicht in dem Maße wie in den vergangenen zehn Jahren. Vielleicht auch ein Zeichen dafür, dass der Verein es leid ist, gute Spieler auszubilden und danach in andere Klubs ziehen zu lassen. Die Weichen für die Zukunft wurden gestellt. Sven Scheiwein, der sieben Jahre lang herausragende Arbeit leistete, verließ im Winter den Verein. Finanzielle Sparzwänge und Scheiweins Wohnortwechsel in seine alte Heimat Ziegenhain gaben den Ausschlag. Der langjährige Spitzenspieler kämpft nun mit dem Nord-Verbandsligist Leimsfeld um den Klassenverbleib. Sein Nachfolger ist Alexander Heuser, über den Hans-Joachim Bauer sagt: "Er kommt beim Nachwuchs gut an."
Alles in allem sieht Bauer die Lage der Abteilung optimistisch. Der 47-Jährige, für den die Vereinsführung ein Vollzeitjob neben dem Vollzeitjob ist, sagt: "Wir werden nicht daran zerbrechen, dass möglicherweise drei Mannschaften absteigen. Wir werden vielmehr gestärkt daraus hervorgehen. Hier entsteht ein neues Wir-Gefühl."
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