Zitat:
Zitat von Mephisto
Was ich aber völlig unverständlich finde, wenn manche hier sich auf die politische Unabhängigkeit des Sports berufen und ihnen die Perspektive für Olympia Trainierender wichtiger ist als Verfolgung, Unterdrückung und Ermordungen. Genau diese Scheuklappenmentalität des Wegschauens und Raushaltens ist ein Armutszeugnis und traurig für den Sport, eine Verweigerung von Verantwortung. Da könnte die Welt untergehen, solange nur in der Turnhalle das Licht noch brennt. 
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Du findest das unverständlich? Und du unterstellst eine Scheuklappenmentalität? Und du unterstellst, die Welt könnte untergehen und es wäre einigen egal, so lange das Licht in der Sporthalle brennt? Ich denke, das ist dann doch zu starker Tobak. Die Frage muss doch vielmehr eine ganz andere sein: Wo fängt der Sport an, sich einzumischen und wo hört er auf?
Dass das, was die Medien uns derzeit über Tibet berichten, alles andere als schön und befürwortenswert ist, steht wohl ausser Zweifel. Dass es mehr als nur bedenklich stimmt, wenn China ausländische Berichterstatter und überhaupt Ausländer aus Tibet ausweist und keine mehr einreisen läßt, ist ebenfalls keine Frage.
Wieso hat aber bisher eigentlich keiner gefordert, dass die USA nicht an Olympia teilnehmen dürfen, so lange sie Soldaten im Irak haben? Ebenso die Briten. Ist der Grund dafür, dass es unsere "Verbündeten" sind oder dass es im Irak mehr Öl gibt, an das die halbe Welt ran will oder weshalb? Am Verhalten der Genannten in einem Land, das ihnen nicht "gehört" kann es unmöglich liegen. Schon allein darum ist eine einseitige Forderung hinsichtlich China scheinheilig.
Egal, wer Menschenrechtsverletzungen begeht, ob schwarz, weiss, gelb oder lila, es ist nie in Ordnung. Wenn aber die Politik nicht den Ar... in der Hose hat, mit den ihr gegebenen Mitteln dagegen etwas zu unternehmen, dann sollte man doch zumindest so viel Rückgrat haben, es nicht wieder auf dem Rücken Unschuldiger auszutragen.
Hier ein Zitat des Ministers, der 1980 mit dafür verantwortlich war, dass keine deutschen Sportler in Moskau waren:
WDR.de: Ein Boykott wäre also keine Lösung?
Baum: Ein Boykott wäre im Grunde eine sehr bequeme Antwort. Damit würde man sich all die schwierigen Schritte ersparen, die man tun muss, um das Leben der Menschen in China zu erleichtern. Die Chancen, etwas für die Menschenrechte in dem Land zu tun, sind besser, wenn man nicht boykottiert. Ein Boykott löst Verbitterung aus und hilft den Menschen nicht. Der Boykott in Moskau hat damals auch nichts erbracht. Es war - pointiert ausgedrückt - eine Diskriminierung der westlichen Sportler, die von den Spielen ausgeschlossen waren.
Vielleicht versuchst auch du einfach mal, es dir nicht so einfach zu machen und einfach nur Boykott zu brüllen....