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Alt 24.03.2008, 14:07
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stefan.s stefan.s ist offline
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stefan.s ist zur Zeit noch ein unbeschriebenes Blatt (Renommeepunkte ungefähr beim Startwert +20)
AW: Olympia-Boykott in der Folge von Menschenrechtsverletzungen in Tibet

Zitat:
Zitat von Abwehrtitan Beitrag anzeigen
Also wer seinen Kindern Spielzeug "made in China" kauft und auf der anderen Seite Boykott schreit ist halt wenigstens "inkonsequent", ich gehe weiter kontraproduktiv im Sinne von Veränderung.
Der Käufer von Billigware ist regelmäßig Unterstützer dieser Systeme, ob es ihm nun gefällt oder nicht.

Übrigens ist good old germany keinen Deut besser, lediglich wird hier deutlich subtiler gelogen und beschissen.
Nicht falsch, wer meine Statements allerdings richtig gelesen hat, sieht, dass ich auch ein wenig differenziert habe.

1. Habe ich nur die Argumente der Boykott-Gegner aufgegriffen und hinterfragt und zum Teil zu widerlegen versucht.

Damit habe ich aber eigentlich gar nicht gesagt, dass ich einen Boykott unbedingt unterstützen würde - allerdings geht meine Tendenz, wie ich zugeben muss, doch immer mehr in diese Richtung.

2. Triffst du mit deinem Argument zwar einerseits ins Schwarze, wenn du kritisierst oder auch nur feststellst, dass wirtschaftliche Interessen sich immer mehr von jeglicher Moralität abkoppeln und bedenkenloses Käufer/Konsumentenverhalten dieses unterstützt.
Aber das ändert doch nichts, aber auch gar nichts an der Frage, ob eigenes Handeln in bestimmten Fällen geboten ist oder auch nicht.

Ich kann doch nicht sagen, dass, nur weil jemand anders Schlimmeres tut mein falsches... Verhalten dadurch sanktioniert wird.
"Der da hat das Kind verprügelt, das ist doch viel schlimmer, als wenn ich ihm seine Sachen wegnehme".
In diesem Fall: "Der Mann hat doch nichts gemacht, als das Kind verprügelt wurde, warum soll ich eingreifen, wenn ihm nur seine Sachen geklaut werden."
Noch exakter: "Der große Mann hat nichts gemacht..., warum soll ich kleiner Mann dann...; außerdem muss ich noch den Bus kriegen...."

Dazu:

Wenn ich die Nachrichten verfolge, werden fröhliche Olympische Spiele in Peking immer unvorstellbarer. Reden wir doch mal Klartext: Der Charme der Spiele ist verflogen. Heute ist olympischer Sport eine todernste Sache geworden, durchkommerzialisiert und Spielball machtpolitischer Interessen. Spreche ich von den Olympischen Spielen in Peking, spreche ich von etwas, was für mich schon gar nicht tolerabel ist: Olympische Spiele ohne umfassende Pressefreiheit und Zugang unabhängiger Gremien in die Krisengebiete Tibets und Chinas kann es für mich nicht geben.

...

"Doch Hochleistungssportler sehen vor allem ihr persönliches Ziel und Fortkommen, den Sieg oder den nächsten Sponsorenvertrag, der ihre Zukunft sichert. Sie sind vom Naturell her Egomanen und etwas betriebsblind. Sie sind aber auch Teil einer verlogenen Inszenierung, und das sollten sie erkennen. Sie müssen lernen, Grenzen zu setzen und Bedingungen an die Organisatoren und Ausrichter zu stellen. Sie sind weder Marionetten des IOC noch der chinesischen Propaganda. Ohne die Athleten geht es nicht. Sie verkaufen ihre Leistung, ihren Charme, ihre spontane Freude und Enttäuschung. Sie bringen die Emotionen in dieses Mega-Geschäft Olympia. Ohne sie wäre es ziemlich fad.
Die Eröffnungsfeier sollte boykottiert werden
Vielleicht lässt sich die Maschinerie in Bezug auf China nicht mehr stoppen. Aber Ablauf und Bedingungen lassen sich erheblich modifizieren. Deshalb unterstütze ich die Idee von EU-Parlamentspräsident Hans-Gert Pöttering und Bernard Kouchner, dem französischen Außenminister. Sie haben den Vorschlag gemacht, die staatstragende Eröffnungsfeier als Propaganda-Instrument zu boykottieren.
Einen Verzicht auf die Eröffnungsfeier halte ich für sinnvoll und sehr effizient. Als Fähnchen schwenkende Staffage zur Huldigung eines autoritären Regimes sollten sich weder Athleten noch Sportfunktionäre oder Politiker der freien Welt hergeben. Wer die Welt zu Gast haben will, muss freie unabhängige Medien zulassen, Gewaltausübung vermeiden und Provokationen unterlassen. Eine medienwirksame Huldigung eines autoritären, dialogunfähigen Regimes ist nicht akzeptabel. Das muss im Jahre 2008 nicht sein. Auch nicht in Peking."


Quelle: http://www.welt.de/meinung/article18...zenierung.html

Zumindest bedenkenswert wie ich finde und nicht ganz von der Hand zu weisen.
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