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AW: FSV Kroppach vor Finaleinzug
Worin läge Deiner Meinung nach im konkreten Fall der langfristige Profit für die beiden Vereine?
Ein positives Image bringt noch keinen Titel. Meister der Herzen bringt auch langfristig keine zusätzliche Medienpräsenz, was aber bei Sponsoren neben Sympathie und positivem Image auch ein wichtiger Faktor ist. Eine Fairplaymedaille, die ein Timo Boll erhalten hat, ist in diesem Fall auch nicht zu erwarten, weil kein Team im sportrechtlichen Sinne unfair war. Es gibt auch andere Vorstellung vom ausgebufften Profis in den Medien, der die kleinste Schwäche des Gegners eiskalt ausnutzt - was dann positiv als clever abgezockt, routiniert hochstilisiert wird.
Der langfristige Vorteil ist es, sich einen Titel auf den Vereinswimpel drucken lassen zu dürfen oder einen Champions League-Stern auf dem Trikot zu haben, zzgl. der finanziellen Mehreinnahmen. Man hat als unglücklich Unterlegener oder Betrogener für 1-2 Jahre die Sympathie, den Erfolg heimsen andere ein. Bei der Entscheidung, einen sportlichen Titel zu erringen oder nicht, ist für Vereine kein Nachhaltigkeitsfaktor vorgesehen. Diese Chance darf "man" sich nicht entgehen lassen. Dafür spielen übergeordnete Zusammenhänge eine zu große Rolle. Sportler in Einzeldisziplinen können ggf. anders handeln -mit allen Konsequenzen.
Im Sport gelten nicht die gleichen Voraussetzungen wie bei einem systematischen und strategischen Chancen- und Risikomanagement in der freien Wirtschaft. Erfolge sind in der Regel kurzfristige Episoden eines Vereinslebens, sofern keine wirtschaftliche Substanz und ein vorausschauendes Management für Kontinuität sorgen. Im Tischtennissport hat kein Verein der Bundesliga Zeit, um ein Nachwuchsteam zu formen und wachsen zu lassen, bis es zum Titel reift. Die Regel des organischen Wachstums gelten im Profisport nicht.
Ein Verzicht auf Protest wäre für die Außendarstellung positiv gewesen. So etwas funktioniert aber nur, wenn sich beide Parteien einig sind. Dazu hat aber scheinbar beiden Teams das gegenseitige Vertrauen gefehlt. Die Verhinderung von Nachteilen war als primäres Ziel beider Kontrahenden relevant
Insgesamt teile ich Deine Meinung zur mangelnden Professionalität bei der Außendarstellung in unserem Sport absolut. Da ist noch ein großes Feld zu beackern. Es gibt genügend Sonnenkönige in den Vereinen, die ihre persönlichen Ziele rigoros und ohne Rücksicht auf Verluste durchzusetzen versuchen.
Nicht auszudenken, wenn Kroppach ein mögliches Wiederholungsspiel ausschlägt oder mit einem Rumpfteam oder gar dem Verbandsligateam antreten würde. Letzteres dürfte regeltechnisch aber nicht möglich sein und ist sicherlich auch nicht gewollt. Das wäre für den DTTB ein schlimmerer GAU als die Müllerschen Eskapaden in Düsseldorf. Ich gehe aber nicht davon aus, dass die Verantwortlichen aus Kroppach zu solch drastischen Mitteln greifen würden. Bei allen Diskussionen wird vergessen, dass es auch in einem Wiederholungsspiel die Chance gäbe, das Hinspielergebnis zu wiederholen und eine sportliche Antwort zu geben.
Vielleicht wäre es für die Zukunft sinnvoll, nur noch ein Endspiel auf neutralem Boden auszutragen, idealerweise in den Städten, in denen die Schiedsrichter wohnen und mit dem ÖPNV oder notfalls mit dem Taxi anreisen können.
Geändert von Red Devil (28.03.2008 um 20:26 Uhr)
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