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Alt 30.03.2008, 07:32
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Siegmund Freud Siegmund Freud ist offline
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AW: Olympia-Boykott in der Folge von Menschenrechtsverletzungen in Tibet

Zitat:
Zitat von Polarbaer Beitrag anzeigen
Vielleicht bin ich ja unsachlich, aber es nervt wahnsinnig (und das lese ich in einigen Beiträgen), wenn gesagt wird: "China verletzt Menschenrechte, das ist unstrittig, aber die Presse zeigt ein Foto aus Nepal und das darf nicht sein. "
Es ist wohl eher so, dass westliche Medien bewusst Nachrichten manipulieren, um die Bevölkerung gegen China aufzuhetzen - wie wir es schon von den Irak-Berichten aus Amerika kennen:

- Irakis töten Säuglinge!
- Irakis haben Massenvernichtungswaffen.
...

Einige manipulierte Nachrichten:

http://i292.photobucket.com/albums/m...58855992_o.jpg
http://i292.photobucket.com/albums/m...3f5eb1af_o.jpg
http://i292.photobucket.com/albums/m...5064380d_o.jpg

Artikel aus dem Spiegel:

"Die Razzien lassen Schlimmes befürchten"

Was passierte in Lhasa wirklich? Wer ist für die Toten der Aufstände verantwortlich - und wie brutal geht China vor? Der Journalist Georg Blume war einer der letzten unabhängigen Beobachter in Tibets Hauptstadt, bis auch er jetzt ausgewiesen wurde. Mit SPIEGEL ONLINE spricht er über vorschnelle Schuldzuweisungen und seine Recherchen.


SPIEGEL ONLINE: Wie schlimm ist die Situation in Tibet?

Blume: Natürlich findet hier ein völlig unsinniger und unverhältnismäßiger Militäraufmarsch statt, das steht außer Zweifel. Die wichtigsten Tempel sind immer noch geschlossen, man kann kaum einkaufen - die meisten Geschäfte sind dicht. Es liegt unheimlich viel Dreck und Verbranntes auf den Straßen, weil die Müllabfuhr seit Tagen nicht funktioniert. Immerhin trauen sich die Leute allmählich wieder auf die Straße.

SPIEGEL ONLINE: Trauen sich diese Menschen zu reden?

Blume: Sie sind erstaunlich offen gegenüber Westlern. Ich spreche mit so vielen Menschen wie möglich. Heute hat mir ein Tibeter geschildert, wie er die Aufstände beobachtet hat: Er konnte die Szenerie sehr genau beschreiben, brachte seinen ganzen Hass auf China zum Ausdruck - wie unmöglich sich die Chinesen aufführen, wie sie die Tibeter ökonomisch und religiös unterdrücken. Der nahm kein Blatt vor den Mund. Trotzdem sagte er: Die chinesischen Polizisten haben nicht geschossen am vergangenen Freitag, dem Ausbruch und vorläufigen Höhepunkt der Unruhen. Er vermutete, dass unter den Toten vor allem Chinesen waren, die in ihren Läden verbrannt sind.

SPIEGEL ONLINE: Im Internet kursieren grausige Bilder von Toten, verbreitet von der Free Tibet Campaign - darauf sieht man zum Beispiel einen jungen Mönch mit blutverschmiertem Kopf mit einem Einschussloch am Becken ...

Blume: ... wir müssen trotzdem sehr vorsichtig damit sein, die chinesischen Sicherheitskräfte vorschnell zu verurteilen. Im Moment können wir einfach nicht belegen, wer für die Toten am Freitag verantwortlich ist. Auch ich hielt am Anfang die Militärpolizei für schuldig. Zumal die ganze Stadt voller Uniformierter ist, da liegt der Schluss natürlich sehr schnell nah, dass scharf geschossen wurde. Je öfter ich aber mit Zeugen der Unruhen rede, desto unwahrscheinlicher scheint mir das.

SPIEGEL ONLINE: Chinas Regierungschef Wen Jiabao spricht von "äußerster Zurückhaltung" der Sicherheitskräfte - die tibetische Exilregierung von mehr als 80 Toten auf ihrer Seite. Gibt es irgendwelche Indizien, wer Recht hat?

Blume: Wie viele Tote es gab, kann ich nicht sagen, sondern mich nur auf Augenzeugenberichte verlassen. Natürlich haben diese Zeugen immer nur einen Ausschnitt der Revolte gesehen - das ganze Aufstandsgebiet erstreckte sich ja über mehrere Kilometer. Fest steht für mich, dass man bei diesen Protesten in Tibet nicht von einer blutigen Niederschlagung reden kann - so wie beim Tiananmen-Massaker 1989. Grundsätzlich glaube ich, dass China mit seiner Militärpräsenz in Tibet vor allem einschüchtern will.

SPIEGEL ONLINE: Die Militärpolizei durchkämmt Stadtviertel und durchsucht private Wohnungen nach verdächtigen Tibetern, die sich an den Protesten beteiligt haben könnten. Viele sollen festgenommen worden sein.

Blume: Auch ich habe Razzien beobachtet. Diese großangelegten Fahndungen sind sehr heikel - was mit den Festgenommenen in der chinesischen Justiz- und Polizeimühle passiert, darüber erfährt man als ausländischer Berichterstatter wenig. Dafür wird es einen Grund geben. Diese Informationsblockade lässt Schlimmes befürchten.
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