Zitat:
Zitat von Siegmund Freud
Artikel aus dem Spiegel:
"Die Razzien lassen Schlimmes befürchten"
Was passierte in Lhasa wirklich? Wer ist für die Toten der Aufstände verantwortlich - und wie brutal geht China vor? Der Journalist Georg Blume war einer der letzten unabhängigen Beobachter in Tibets Hauptstadt, bis auch er jetzt ausgewiesen wurde. Mit SPIEGEL ONLINE spricht er über vorschnelle Schuldzuweisungen und seine Recherchen.
SPIEGEL ONLINE: Wie schlimm ist die Situation in Tibet?
Blume: Natürlich findet hier ein völlig unsinniger und unverhältnismäßiger Militäraufmarsch statt, das steht außer Zweifel. Die wichtigsten Tempel sind immer noch geschlossen, man kann kaum einkaufen - die meisten Geschäfte sind dicht. Es liegt unheimlich viel Dreck und Verbranntes auf den Straßen, weil die Müllabfuhr seit Tagen nicht funktioniert. Immerhin trauen sich die Leute allmählich wieder auf die Straße.
SPIEGEL ONLINE: Trauen sich diese Menschen zu reden?
Blume: Sie sind erstaunlich offen gegenüber Westlern. Ich spreche mit so vielen Menschen wie möglich. Heute hat mir ein Tibeter geschildert, wie er die Aufstände beobachtet hat: Er konnte die Szenerie sehr genau beschreiben, brachte seinen ganzen Hass auf China zum Ausdruck - wie unmöglich sich die Chinesen aufführen, wie sie die Tibeter ökonomisch und religiös unterdrücken. Der nahm kein Blatt vor den Mund. Trotzdem sagte er: Die chinesischen Polizisten haben nicht geschossen am vergangenen Freitag, dem Ausbruch und vorläufigen Höhepunkt der Unruhen. Er vermutete, dass unter den Toten vor allem Chinesen waren, die in ihren Läden verbrannt sind.
SPIEGEL ONLINE: Im Internet kursieren grausige Bilder von Toten, verbreitet von der Free Tibet Campaign - darauf sieht man zum Beispiel einen jungen Mönch mit blutverschmiertem Kopf mit einem Einschussloch am Becken ...
Blume: ... wir müssen trotzdem sehr vorsichtig damit sein, die chinesischen Sicherheitskräfte vorschnell zu verurteilen. Im Moment können wir einfach nicht belegen, wer für die Toten am Freitag verantwortlich ist. Auch ich hielt am Anfang die Militärpolizei für schuldig. Zumal die ganze Stadt voller Uniformierter ist, da liegt der Schluss natürlich sehr schnell nah, dass scharf geschossen wurde. Je öfter ich aber mit Zeugen der Unruhen rede, desto unwahrscheinlicher scheint mir das.
SPIEGEL ONLINE: Chinas Regierungschef Wen Jiabao spricht von "äußerster Zurückhaltung" der Sicherheitskräfte - die tibetische Exilregierung von mehr als 80 Toten auf ihrer Seite. Gibt es irgendwelche Indizien, wer Recht hat?
Blume: Wie viele Tote es gab, kann ich nicht sagen, sondern mich nur auf Augenzeugenberichte verlassen. Natürlich haben diese Zeugen immer nur einen Ausschnitt der Revolte gesehen - das ganze Aufstandsgebiet erstreckte sich ja über mehrere Kilometer. Fest steht für mich, dass man bei diesen Protesten in Tibet nicht von einer blutigen Niederschlagung reden kann - so wie beim Tiananmen-Massaker 1989. Grundsätzlich glaube ich, dass China mit seiner Militärpräsenz in Tibet vor allem einschüchtern will.
SPIEGEL ONLINE: Die Militärpolizei durchkämmt Stadtviertel und durchsucht private Wohnungen nach verdächtigen Tibetern, die sich an den Protesten beteiligt haben könnten. Viele sollen festgenommen worden sein.
Blume: Auch ich habe Razzien beobachtet. Diese großangelegten Fahndungen sind sehr heikel - was mit den Festgenommenen in der chinesischen Justiz- und Polizeimühle passiert, darüber erfährt man als ausländischer Berichterstatter wenig. Dafür wird es einen Grund geben. Diese Informationsblockade lässt Schlimmes befürchten.
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Aus den Antworten lese ich viel Kritik an China heraus, aber auch das da jemand der als Schwerpunkt "Journalist in China" zu sein hat, sich dreimal überlegen muss was er sagt. Wessen Brot ich ess, dessen Lied ich sing!
Er will halt nix sagen, was nicht tausendprozentig belegt ist. Wenn er sich komplett offen äussern würde, würde er vielleicht seine Akkretitierung verlieren? (und dann wäre seine Fähigkeit chinesisch zu können verschenkt und er wäre wieder ein ganz normaler Journalist in einem anderen Land?)
Selbst hier in Deutschland lebende Chinessen wollen nicht vor der Presse offen reden, weil sie Angst haben, dass Verwandte in China dadurch Nachteile erleiden könnten!
Noch was: Das Tibeter einen Brandsatz werfen und dabei Menschen verbrennen ist nicht gut zu heissen! Aber Verzweiflung, Frust, Armut, Lust auf Gewalt, kriminelle Energie oder was auch immer der Grund für das Werfen von Brandsätzen ist, das passiert leider selbst in Deutschland! Aber durch Städte rollende Panzer, Inhaftierungen wegen Meinungsäusserung, Hausarreste für politische Gegner.....das passiert nicht überall und ich hoffe schwer, dass die Journalisten, wenn sie über falsche Bilder berichten, dies im Blick behalten!!!
Ich bin mir ziemlich sicher, dass die Chinessen alle Journalisten dieser Welt nach Tibet einladen würden, wenn nur ein paar randalierende "Hooligans" am start wären und wenn die gewalt von Tibetern ausgehen würde.
Noch eine kleine Geschichte, die ist sicher wahr, weil hab ich persönlich erlebt. Wir waren in Lhasa in einem Hotel und ich konnte dort ins Internet, konnte internationale Seiten aufrufen und meine mails bei web.de lesen und schreiben. Mein Kumpel konnte seinen freenet.de Account nicht erreichen. Wir haben den Grund dann gefunden. Alle URLs wo die 4 Buchstaben
free vorkamen, wurden vom Provider vor Ort geblockt.