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Alt 22.10.2002, 22:49
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TTVN-Lieblinge?!

Hallo Matti, schön, daß Du hier auch mit dabei bist.

Sicher, die Überschrift war provokant gewählt von Jever-Dark. Ich wollte nur nochmal auf einen anderen Aspekt des Themas aufmerksam machen, nämlich den, daß zum "Kaderspieler" etwas mehr gehört als das Glück des richtigen Wohnortes und warum die Kaderspieler die Lieblinge des TTVN sind. Der Wohnort macht es sicher einfacher, ist aber nicht entscheidend; es gibt auch in Hannover und Osnabrück Spieler, die Anfahrten von jeweils 1,5 Stunden in Kauf nehmen, um zu trainieren.

Darauf wollte ich aber gar nicht hinaus, und ich möchte auch möglichst wenig auf die Spieler eingehen, über die hier diskutiert wird, dafür bin ich dann doch mit einigen zu sehr verbunden. Ich möchte nur noch mal klarstellen, daß die Kaderspieler auch einiges an Aufwand betreiben:

1. Training: Die Regel ist mindestens 3 x die Woche Verbandstraining (jeweils 2,5 h), oft auch mehr. Vereinstraining kommt zusätzlich dazu. Private Termine an diesen Tagen kann man vergessen, Sie werden als Entschuldigung nicht akzeptiert. In jedem Training ist 100 % Engagement gefordert, da auch die Trainingseinstellung von den Trainern aufmerksam beobachtet wird. Zum TT-spezifischen Training kommt zusätzlich, und verstärkt im Zeitbereich außerhalb der eigentlichen Saison ein intensives Fitneß- und Krafttraining.

2. Lehrgänge: Die Teilnahme an den Lehrgängen ist Pflicht. Das bedeutet: In den Osterferien 2 Wochen Lehrgang, in den Sommerferien 3 Wochen, in den Herbstferien 2 Wochen, Anfang Januar, je nach Lage der Schulferien, nochmal eine Woche. Urlaub kann man also praktisch vergessen, Entschuldigungen werden genausowenig akzeptiert wie an den normalen Trainingstagen. Dazu gibt es für die trainingsfreie Zeit ein individuelles Konditionsprogramm. Wenn man das nicht durchzieht, geht man spätestens nach einer Woche Lehrgang auf dem Zahnfleisch, und auch das wird von den Trainern natürlich registriert.

Kleiner Einschub: Kein Bedauern deswegen, ich will kein Mitleid erregen, denn jeder hat sich freiwillig in dieses System begeben!

3. Wettkämpfe: Jeder Wettkampf ist auch eine Überprüfung der Kaderzugehörigkeit, das heißt man hat immer den Druck, ein gutes Ergebnis abliefern zu müssen, um seine Kaderzugehörigkeit zu bestätigen. Der eine oder andere Ausrutscher ist natürlich drin, aber auf Dauer muß man Ergebnisse bis zur Bundesebene spielen, um auch als Jugendlicher noch Kadermitglied zu sein. Bei den jüngeren Spielern wird natürlich auch die mögliche Perspektive beurteilt. Durch die Vielzahl der Wettkämpfe auf allen Ebenen und evtl. zusätzlichen Terminen für den Verband (Deutschlandpokal, internationale Turniere) und die Punktspieltermine gibt es innerhalb der Saison kein freies Wochenende.

4. Vereinszugehörigkeit: Je nach Alter sollte man mindestens eine bestimmte Spielklasse im Mannschaftsspielbetrieb nachweisen, man muß also gegebenenfalls den Verein wechseln, was zusätzlichen Aufwand an Zeit und Fahrten bedeutet.

Noch einmal: Kein Mitleid deswegen, denn jeder in diesem System macht das alles aus eigener Motivation, wenn die fehlt, hält man sowieso nicht lange durch. Wenn man sich aber diesen Aufwand betrachtet und sich überlegt, daß auch die Schule darüber nicht vernachlässigt werden darf (Unterstützung dafür gibt es nur für die Spieler im Internat), da man sicher fast keinem zu einer Karriere als TT-Profi raten sollte, merkt man wohl, daß das vielleicht doch nicht jedermanns Ding wäre.

Unbestritten ist, daß jeder die Chance für eine Kaderkarriere haben sollte, daß ist aber vor allem die Sache der Vereinstrainer oder engagierter Kreis- oder Bezirkskadertrainer, die in Ihrem Verein oder auf einer Veranstaltung ein Talent entdecken und dann dafür sorgen sollten, daß er mal bei einem Sichtungstraining vorbeischaut. Kein Verbandstrainer wird ein Kind unbesehen wegschicken, wenn ein engagierter Trainer sagt: Ich hab hier ein Talent, kann der mal vorbeikommen?

Worauf ich hinauswill: Aufgrund des erbrachten Aufwandes halte ich eine gewisse Bevorzugung der Kaderspieler für gerechtfertigt, solange Sie durch Ergebnisse auch in anderen Altersklassen (Perspektive) belegbar ist!

Und am Ende nochmal was zur Provokation (obwohl MMBRV es schon ähnlich gesagt hat): Bei jedem Nominierungsstreit geht es immer um die letzten 1-2 Plätze, die zu vergeben sind, egal ob es sich um eine Kreismeisterschaft oder um das TOP 48 handelt. Die Leute, über die man sich in diesen Fällen streitet, spielen bei der nächsthöheren Veranstaltung zu 99% sowieso kein gutes Ergebnis! Daher ist eine Nominierung nach Perspektive in diesem Fall die einzig vernünftige Lösung.
Und im Falle des TOP 48 wäre ein gutes Ergebnis aus Verbandssicht die Qualifikation zum TOP 16, d.h. Platz 1-10!!

Und ganz am Ende doch nochmal eine personenbezogene Anmerkung: Ich denke schon, daß auch die Trainer in den Stützpunkten das Spielsystem von Pascal verstehen und förden könnten, ich habe bei der Landesrangliste keinen gehört (und ich habe mit einigen gesprochen), der gesagt hätte: was spielt der für einen Mist! Im Gegenteil, alle empfanden es als Bereicherung der Rangliste, daß da einer nicht das Übliche spielt.

Soviel heute abend von mir zu diesem Thema. Laßt uns schön weiter diskutieren!

Gruß aus Seelze

Ingo
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