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AW: Wechsel & Gerüchte 2. Bundesliga Süd 08/09
Erst Olympia, dann Elektrotechnik
Der Australier William Henzell (FC Tegernheim) freut sich auf die Spiele in Peking.
TEGERNHEIM. Von Thomas Rempter, MZ
25 Matches, eine Niederlage – was sich anhört wie die Statistik eines Boxers kurz vor seinem ersten WM-Titelkampf ist in Wahrheit die Bilanz von William Henzell, Nummer zwei des Tischtennis-Zweitligisten FC Tegernheim. Dem Australier, der zwei Mal in Folge mit dem FC Meister in Deutschlands zweithöchster Spielklasse wurde, steht auch tatsächlich sein Karrierehöhepunkt bevor: Olympia 2008 in Peking.
Der 26-Jährige, der kurz nach dem letzten Punktspiel seinen fast eineinhalb Jahrzehnte dauernden Lebensabschnitt in Europa beendet hat und in seine Heimat zurückgekehrt ist, erlebt in China seine zweiten Spiele nach 2004 in Athen. „Wenn ich irgendwann noch etwas anderes machen will, sollte ich jetzt damit anfangen“, sagt Henzell. Er sei „schon 26“ – nicht alt, aber die Zeit für sein angestrebtes Studium der Elektrotechnik sei nun eben reif. Deswegen konnte auch die beste Saison, die er als TT-Profi in seiner Karriere gespielt hat, seinen Entschluss nicht umwerfen.
Bereits letzte Spielzeit deutete Henzell sein Potenzial an, musste nach der Verpflichtung von Geir Erlandsen und Jiri Vrablik für die Vorrunde aber in die Mitte weichen, wo er zu Null spielte und postwendend ins Spitzenpaarkreuz zurückkehrte. Wer nun dachte, die Dominanz habe ein Ende, wurde eines Besseren belehrt. Die 3:0- und 3:1-Siege reihten sich erneut aneinander, lediglich dem Saarbrücker Truksa musste er sich in drei hart umkämpften Sätzen geschlagen geben. Solche Bilanzen spielen für gewöhnlich nur Akteure, die für viel Geld Abstriche in sportlichen Belangen in Kauf nehmen – und meistens nicht mal die.
In Griechenland erreichte Henzell sowohl im Einzel als auch im Doppel jeweils die zweite Hauptrunde – der größte Erfolg eines Australiers bei einem olympischen Tischtennis-Turnier. „Das ist natürlich eine Ehre, aber man braucht immer Ziele und ich will versuchen, in Peking eine Runde weiter zu kommen!“ Der sympathische fünfmalige australische Meister, der als größten Erfolg einen Sieg bei den French Open 2007 zusammen mit dem Waliser Adam Robertson gegen das chinesische Weltklassedoppel Ma Long/Qiu Yike nennt, weiß natürlich, dass dazu eine Topleistung und viel Losglück nötig ist.
Angefangen hat Henzell mit dem Tischtennis, weil er das in Australien weit verbreitetere Tennis auch im Winter spielen wollte. Mangels Gelegenheit nahm er mit dem Zelluloid-Ball vorlieb und sein schwedischer Trainer brachte ihn mit zwölf Jahren in Europas Norden, wo William die Schule und das Gymnasium besuchte, um ganz nebenbei TT-Profi zu werden. Nach Stationen in Göteborg und Kalmar wechselte Henzell auf Empfehlung von Rade Markovic vor zwei Jahren nach Tegernheim. „Deutschland hat die beste Liga in Europa, es war keine Frage hierher zu wechseln!“ Er trainierte im schwäbischen Frickenhausen, auch viel mit dem dort unter Vertrag stehenden Winklarner Bastian Steger, dessen Nicht-Teilnahme in Peking er sehr bedauert, und machte noch einmal große Fortschritte.
Trotzdem ist der Abschied von Deutschland wohl endgültig. „Ich habe natürlich bei weitem nicht das Umfeld in Australien, doch der Verband unterstützt mich für die großen Turniere und einige der Pro-Tour-Veranstaltungen. Vorrang hat jetzt sowieso das Studium – allerdings erst nach den Olympischen Spielen.“
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