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Alt 26.07.2008, 14:22
deejay deejay ist offline
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deejay ist zur Zeit noch ein unbeschriebenes Blatt (Renommeepunkte ungefähr beim Startwert +20)
AW: Taktiken für das moderne Abwehrspiel

Um ein zumindest halbwegs erfolgreicher Abwehrspieler zu werden, gibt es neben dem schnöden Faktor Talent(u.a. Ballgefühl, Antizipation, Beweglichkeit, Körpergröße, Beinstellung: O-Beine sind von Vorteil) noch 3 weitere wesentliche Faktoren, die es zu optimieren gilt:

1. Technik
2. Beinarbeit
3. Taktik

Deine Technik verbessert Du am effektivsten durch ganz simple regelmäßige Topspin-Abwehr Übungen, bei denen der Fokus nicht auf dem sicheren Rückschlag, sondern auf Bewegungsoptimierung durch Selbst- oder Trainerbeobachtung liegt. Es geht hierbei insbesondere um die Verbesserung und optimierte Koordinierung von Schlagarmbewegung, Rumpfdrehung, Beinstellung und Verschiebung des Körperschwerpunktes während der Schlagbewegung. Du kannst das Ganze natürlich auch zusätzlich als Schattenübung machen...

Die Basis von guter Beinarbeit ist Grundausdauer, gepaart mit Schnellkraft und Schnelligkeit, die sich am besten über ein Basismaximalkrafttraining erreichen lassen, d.h. Maximalkraft aufbauen -> Schnellkrafttraining(z.B. "Jumps") -> Schnelligkeitstraining(z.B. kurze Sprints).
Am Tisch trainierst Du die Beinarbeit, wie hier ja auch schon beschrieben, am besten durch unregelmäßige Übungen mit möglichst vielen Stoppbällen...

Die Taktik beginnt bei einem gut gesetzten Return und setzt sich in gut plazierten Abwehrbällen fort...
In der Praxis heißt das unter anderem als Richtlinie folgendes:

VH-Aufschläge aus der RH werden in der Regel entweder mit einem langen Schupfball in die weite Vorhand, oder aber mit einem langen Schupfball in die weite Rückhand("In the line of fire") beantwortet. RH-Aufschläge aus der RH werden in der Regel lang in die weite Vorhand, oder aber auf den Ellenbogen retourniert.
Für die Abwehr gilt, den Ball lang und möglichst so zurückzuspielen, dass die möglichen Winkel des nächsten zu retournierenden Topspin in Relation zur eigenen Position möglichst klein sind(hier gilt die Regel "To play into the line of fire"), oder aber man plaziert den Ball möglichst weit ausserhalb der "Line of fire" mit der Intention, den Angreifer möglichst in Bewegung zu halten und gleichzeitig genügend Zeit zu haben sich ebenfalls neu zu positionieren. Diese Variante ist insbesondere dann auch von Bedeutung, wenn man mit der Vorhand auch gerne den Gegenangriff sucht - sie gilt allerdings nicht, wenn die "Line of fire" Tisch-mittig ist, warum das so ist, merkt man spätestens wenn man sich nicht dran hält...
Problematisch wird's für den Abwehrer meist dann, wenn der Angreifer so clever ist, immer wieder gerne auf den Ellenbogen zu spielen, insbesondere bei Links-Rechtshänderpaarungen. Nach meiner Erfahrung hilft hier nur eine hervorragende Beinarbeit, gepaart mit dem Versuch, diesen Ball möglichst so zurückzuspielen, dass der Angreifer möglichst lange braucht, um sich wieder optimal zu stellen, um so selber auch wieder Zeit zu gewinnen, in eine "vernünftige" Ausgangsposition zurückzufinden.
Für Abwehrspieler, die über gute Angriffsoptionen verfügen gilt des weiteren in puncto Aufschlagannahme natürlich auch, dass sie auf lange(!) Aufschläge agressiv antworten können, oder aber - wenn möglich - auch mal einen Aufschlag überraschend mit einem kurzen Return beantworten, um anschließend darauf eventuell die Initiative suchen zu können...
Bei eigenem Aufschlagspiel gilt für den "modernen", offensiv ausgerichteten Verteidiger, dass er erst einmal versucht, wie ein normaler Angreifer aktiv den Punkt zu suchen, aber Vorsicht: "Finger weg", wenn der Ball nicht "richtig" liegt, denn dann ist man dem normalen Angreifer hoffnungslos unterlegen, und hat auch meist keine Möglichkeit mehr, in eine gute Abwehrposition zu wechseln...

Ich hoffe meine Ausführungen waren jetzt nicht zu theoretisch und können Dir in der Praxis etwas dienlich sein...

Viele Grüße,
deejay

P.S.: "Matches-matches-matches" bringen Dir insofern extrem viel, weil Du nicht nur gegen immmer wieder unterschiedliche Spielsysteme mit Deiner Abwehr antrittst, sondern weil Dein Rückschlagspiel dadurch erheblich dazugewinnt, und dass ist schließlich die Ausgangsbasis für eine gute Abwehrausgangsposition...

Nachtrag:

Ach ja, da hab ich doch glatt die vielleicht nicht ganz so nebensächlichen Punkte 4. "Sicherheit" und 5. "Schnittwechsel" vergessen...
Ohne Sicherheit geht natürlich gar nichts, d.h. regelmäßiges Systemtraining(mit oder ohne Balleimer), mit vielen regelmäßigen(anfangs) und unregelmäßigen Übungen(später oder im Wechsel), ist nicht von Nachteil, und das nicht offen sichtbare Einsetzen von Schnittwechsel bringt auch noch mal den ein oder anderen Punkt...

Obigen Beitrag habe ich jetzt mal aus einem anderen Thread hier rein kopiert, da er bei dieser Thematik hier eigentlich besser passt...

Ergänzend zum Angriffspart des modernen Abwehrspielers lassen sich abgesehen von der direkten Angriffsoption bei eigenem Aufschlag noch folgende Optionen hinzufügen:

1. Man kann Returns die auf die Noppen gespielt werden, entweder mit einem agressiven Schupf(oder auch Druckschupf) diagonal weit in die RH beantworten oder aber den Return per Seitwärtsbewegung weit raus in die gegnerische VH spielen. Beide Optionen eröffnen einem häufig die Möglichkeit einen eigenen Angriff zu starten bzw. auf einen gegnerischen Angriffsversuch mit einem Gegenangriff zu reagieren.
Vorsicht ist allerdings hier bei diagonalen Returns geboten, wenn der Gegner ein Rückhandausleger ist...

2. Wenn man sich in der klassischen Abwehrsituation befindet, ergeben sich die besten Angriffsoptionen meist, wenn der Abwehrer sich aus der klassischen VH-Topspin vs RH-Abwehr Situation(in the line of fire) löst, und einen plazierten Abwehrball parallel in die weite Vorhand spielt. Aufgrund der Laufstrecke und des schlechten Winkels für einen parallelen Topspin, erfolgt darauf in der Regel ein nicht allzu harter Topspin diagonal in die VH des Abwehrers auf den er meist erfolgreich mit einem Gegentopspin reagieren kann...

Bei Rechts-/Linkshänderkombinationen sieht das Ganze natürlich noch einmal ganz anders aus - in der Regel zu Ungunsten des Abwehrers was die Angriffsoptionen angeht, aber das wäre noch mal ein spezielles Thema...

Viele Grüße,
deejay

Geändert von deejay (26.07.2008 um 14:25 Uhr)
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