AW: Saisonvorbereitung - Beispiel aus dem Profibereich - aber auch für fast alle geeignet
Hallo,am vergangenen Wochenende habe ich an einem TT-Lehrgang bei Thomas Keinath teilgenommen.Ich bin neu in diesem Forum und habe seit sechs Monaten nach zwanzig Jahren Pause wieder angefangen zu spielen. Das in einem kleinen Verein ohne Jugend und ohne Systemtraining. Es dauert keine fünf Minuten, dann macht man schon ein Spiel, weil jeder versucht, an dem Trainingsabend viele Spiele zu absolvieren. Bis 1987 gehörte ich zum VFL Höhr-Grenzhausen, da wurde auch viel untereinander gespielt. Jeder der ersten Mannschaft spielte auch mit denen aus der vierten oder fünften, und alle Schüler und Jugendlichen trainierten oft noch mit den Herren. Es gab aber auch Systemtraining unter den Trainern und das reichlich. Durch die Verbindung zu TTC Grenzau und zu den anderen Vereinen konnte man praktisch rund um die Uhr trainieren.
Nun also mit diesem Lehrgang ein Neustart in der Sommerpause.
Es war toll.
Thomas Keinath, auch Tommy genannt(von manchen auch keini) nahm mir zuerst einmal meine vorhandene Verkrampfung. Es ging locker zu, es wurde mit Auflockerungsübungen begonnen und er korrigierte mich ganz entscheidend in meiner Einstellung zum Spiel und da besonders in meiner Art, den Schläger zu halten. Das war exakt die Frage, mit der ich zu diesem Lehrgang kam. Die Übungen, die dann folgten, umfassten das ganze Kaliber an Schlägen: VH/RH-Konter, VH/RH-Top, VH/RH-Block- dies alles aufeinander aufbauend ohne kompliziert zu werden.
Es kam aber viel, viel mehr hinzu: Schupfbälle, Aufschlagtraining und dazu unzählige wichtige Tipps.
Nie hatte ich das Gefühl von Überforderung, obwohl meine beiden Mitspieler(ganz richtig: Wir waren nur zu dritt!) viel besser spielen konnten als ich.
Die Athmosphäre in dieser kleinen Halle in Offenbach in der wingtsun-Gesundheitsschule war freundlich, offen und annehmend.
Da Thomas geduldig mit mir am Tisch stand, zuspielte und ruhig und ohne Hektik korrigierte, wurde auch ich immer ruhiger und traf besser. Ich freute mich an meinem Fortschritt und verzweifelte nicht gleich bei Misserfolg. So fiel es mir zum Beispiel nicht leicht, bei Anschlägen Rotation in den Ball zu bringen oder einen schnellen Anschlag zu spielen.
Mir wurde bewusst, dass ich durch geduldiges Üben von einfachen Elementen viel erreichen kann und ich mein Niveau steigere, in dem ich zuerst sicher ein Niveau beherrsche, bevor ich zu dem achso beliebten Spielen mit extremen Schlägen(und vielen Fehlern) im Training zurückkehre.
Nach dem ersten Tag(Samstag) mit insgesamt fast fünf Stunden Tisch-Tennis war ich ziemlich platt, hatte aber durch die Lockerheit im Training nicht einen übermäßigen Muskelkater.
Dies, obwohl das Training ernsthaft, konzentriert und durch den Balleimer stark belastend war.
Am Sonntag ging es um 10 Uhr weiter; wir mussten die Einheit etwas verkürzen, weil wir drei doch müde und unkonzentrierter wurden.
Obwohl mir die Luft immer mehr ausging, hätte ich noch den ganzen Tag weiter machen können, weil es mir unendlichen Spaß machte.
Thomas vermittelte mir was ganz Entscheidendes: dass ich mein Hobby auch in meiner Spielstärke durch ständiges und sich wiederholendes Training, Kraftübungen und Laufübungen wesentlich verbessern kann, dass im Training Spitzenspieler ganz viel an "Kleinigkeiten" arbeiten, wie zB Ballannahme, Schupfen über dem Tisch, kurzer Aufschlag und beileibe nicht ständig Topspin ziehen, das, wenn etwas nicht geht( zB durch Krankheit) durchaus anderes geht(z.B. Schupfen, Aufschlagtraining), dass Beinarbeit am Tisch ohne Ball ebenso wichtig ist wie sorgfältige Fußstellung.
Ich war auch froh, dass mein in keinem Lehrbuch so stehender Bananenschlag nicht korrigiert sondern ganz im Gegenteil als Chance gesehen wurde und mir beigebracht wurde, wie ich diesen Topspinball taktisch besser einsetze.
Ein Lehrgang bei einem professionellen Tisch-Tennisspieler von dieser Qualität ist etwas ganz Besonderes. Besonders nicht durch sein Können,sondern durch sein Einlassen auf meine Person und meine Bedürfnisse. Thomas brachte mich vorwärts oft ohne dass ich es überhaupt merkte. Es waren leise, kurze Hinweise. Ich sperrte die Ohren weit auf.
Mike, dem die Schule gehört, organisierte das Drumherum hervorragend. Wir saßen alle in der Mittagspause am Main in einem zauberhaften Restaurant und redeten über alles Mögliche und ganz wenig über Tisch-Tennis.
Natürlich wurde in den Pausen über Material, Schlaf, Training von Profis gesprochen, aber eigentlich wenig. Mehr sorgten wir alle dafür, dass wir uns entspannten und ein bisschen Quatsch machten.
Ich bezahlte für diesen Lehrgang 150 Euro. Für mich kam noch die Anfahrt aus dem Ruhrgebiet hinzu, die Parkgebühr und normalerweise die Übernachtung, die sich bei mir privat regelte.
Natürlich kaufte ich mir ein neues Trikot und Socken. Aber das brauchte ich sowieso.
Der Lehrgang mit Thomas Keinath und dem Organisator(und Mitspieler) Mike Fischer war jeden Cent wert, weil ich Lust bekommen habe, mehr zu trainieren und mir eine Chance gebe, mit Ruhe und Spaß in meinem Hobby einen Ausgleich zu dem Beruf zu finden, der mich stark belastet, den ich aber liebe.
Ich arbeite mit Jugendlichen und dies mit vielen Übungen aus der Körperarbeit und glaube einschätzen zu können, was mich als Mensch vorwärts bringt und was nicht so.
Nun habe ich neue Freunde in Offenbach(das soll ein schwieriger Lebensort sein, für mich aus dem Schimanskiland nur sympathisch) und ich werde wieder kehren.
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