Eines vorneweg: Ich habe Zivildienst gemacht.
Und noch was: Mit Feigheit hat es absolut nichts zu tun, wenn jemand den Kriegsdienst verweigert und auch nicht Drückebergertum. Genausowenig, wie es was mit Heldentum oder Kriegsgeilheit zu tun hat, wenn man zum Bund geht. Teilweise spielen da einfach praktische Erwägungen eine Rolle, teilweise geht es aber auch um Überzeugungen.
Ich für meinen Tail hätte der Bundeswehr bestimmt keinen großen Dienst erweisen können, weil ich von klein auf beigebracht bekommen habe für mich selbst zu denken und davon auch liebend gerne Gebrauch mache. versteht mich nicht falsch, ich will nicht sagen, daß Soldaten nicht für sich selbst denken KÖNNEN, ich glaube nur, daß es ihnen leichter fällt sich einen Teil davon abnehmen zu lassen.
Ich weiß zwar nicht, wie man ein Hemd auf DIN-A4 faltet, es ist mir aber auch reichlich egal! Ich weiß nicht, wie man Spinde mit Wattestäbchen putzt, aber in meinem Zimmer kann man trotzdem den Fußboden sehen und sich dreckfrei wohlfühlen. Ich weiß auch ohne "Sir, jawoll, Sir!", wie man sich Vorgesetzten gegenüber benimmt. Und auf die vielgelobte "Kameradschaft" kann ich gut verzichten, weil mir "Freundschaft" wichtiger ist als Kumpanei. Natürlich können beim Bund auch Freundschaften entstehen, aber von Bekannten höre ich immer nur, von der tollen "Kameradschaft".
An mir hätte die bestimmt keinen Spaß gehabt, ich wäre war wahrscheinlich am zweiten Tag in den Bau gewandert und da frühestens am letzten wieder rausgekommen, weil ich dem Spieß oder sonstwem wahrscheinlich gesagt hätte, er soll seinen Scheiß alleine machen.
Und was Holgers Argument angeht "warum sollen andere ihren Hintern hinhalten, wenn ich meinen im Bunker verstecke":
Erstens ist das zur Zeit kein entscheidungserheblicher Faktor, weil für den Wehrpflichtigen Kriegseinsätze praktisch ausgeschlossen sind (außer vielleicht bei freiwillgen UNO-Sachen). Vielmehr spielen praktische Gesichtspunkte die übergeordnete Rolle (kürzere Dauer, Möglichkeit zu verlängern bei fehlendem Ausbildungsplatz usw.). Es ist doch so, daß nach der Grundi noch ein paar Monate rumgelungert wird, am besten mit möglichst viel Alkohol.
Zweitens kann es sich doch jeder aussuchen! Und das ist gut, denn was will die Bundeswehr mit Leuten wie mir, die nur Ärger machen und nix leisten wollen, wenn doch genug andere da, sind die bereit sind das zu tun, denen vielleicht an der Erfahrung gelegen oder denen es einfach Spaß macht, sich mit Waffe in den Dreck zu schmeißen (und ich meine das wirklich nicht abwertend).
Wenn Holger fragt, warum andere den Hintern hinhalten sollen, wenn ich meinen verstecke, dann würde mich auch interessieren, ob er bei einem Autounfall oder Herzinfarkt von einem Panzer oder einem mit Zivis besetzten Rettungswagen abgeholt werden möchte und ob er im Alter den Hintern mit einem Gewehr abgewischt und mit Panzerkeksen gefüttert werden will

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Also: Ein jeder nach seiner Art!
Abschließend möchte ich bemerken, daß ich viele kenne, die nach dem Bund gesagt haben "hätte ich doch verweigert", aber keinen der nach dem Zivi gesagt hätte "wär ich doch zum Bund gegangen".
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Rock Hard, Ride Free, Hau rein!