Zitat:
Zitat von KÖNIGSBLAU04
Also ich finde nichts faszinierendes an Friedhöfen: mich überkommt dort eher ein mulmiges und trauriges Gefühl.
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Das ist die Stimmung die ich meinte, zum Leben gehört sterben, in unseren erlebnisorientierten Gesellschaften wird der Tod enorm negiert, übt aber andererseits eine starke Faszination auf uns aus. Wir alle können uns dem nicht entziehen, das letzte Stündchen ist oft näher als man denkt. Viele meinen dann wäre noch Zeit genug sich damit zu beschäftigen, ein enormer Denkfehler. Der Tod verliert für mich seinen Schrecken wenn ich die beschauliche Ruhe eines Friedhofs spüre. Die vielen Vorgenerationen, die alle zeitlebens die gleichen Ängst und Nöte, Sorgen und Freuden, hatten wie wir, die wir noch körperlich existent sind, trösten mich. Alle Pein hat einst ein Ende, es kehrt Stille und Ruhe ein, Frieden.
Ich weiß nicht wer von euch jemals dem Tod ins grausame Anlitz gesehen hat. Es ist hochinteressant, kein anderes Erlebnis hat mich je so beeindruckt, als jemand sterben zu sehen. Man meint die Zeit bleibt stehen, sie verliert für diese Augenblicke ihre Bedeutung, alles was uns sonst so treibt rückt in den Hintergrund. Nur eines zählt in jenem Moment, eine unergründlich tiefe Traurigkeit, die einen erfasst, der man sich nicht entziehen kann, der Moment des Abschieds. Es muß keine Verwandter oder Bekannter sein, das Gefühl ist das gleiche bei einem fremden Menschen, nur die Trauer hinterher hat eine andere Intensität. In der Sekunde des Todes empfinden wir für alle Seelen das gleiche. Ein mit Worten nur schwer zu beschreibendes Gefühl. Die von uns gegangenen zu besuchen erinnert mich stets in Anflügen an dieses, letztlich sogar erhebende Gefühl, den Moment der Gewißheit wenn sich die Augen schließen, daß Du den letzten Blick auf diese Welt eines Menschen miterlebt hast. Ich erinnere mich an den Tod meiner Großmutter, auf der einen Seite die Qual den geliebten Menschen ziehen lassen zu müssen, auf der anderen Seite die Gewißheit, geschöpft aus dem letzten Blick, wir sind nicht alleine. Hat was großes.
Wer mich nun für depressiv hält sei auf die humoristischen Seiten des Daseins verwiesen, siehe ************. Aber beides gehört dazu, lieber königsblau, leugnen und wegsehen machts nur erschreckender.