Einzelnen Beitrag anzeigen
  #486  
Alt 29.11.2008, 12:20
Timo Boll Timo Boll ist offline
registrierter Besucher
Forenmitglied
 
Registriert seit: 26.02.2001
Ort: Höchst im Odenwald
Alter: 44
Beiträge: 186
Timo Boll trifft öfters den Nagel auf den Kopf (Renommeepunkte mindestens +100)Timo Boll trifft öfters den Nagel auf den Kopf (Renommeepunkte mindestens +100)
AW: Erke German Open 2008

Hi,

da es hier viele Diskussionen über den Vorgang meines Achtelfinalspiels gegen Adrian Crisan gab, möchte ich mal die Vorgänge schildern, wie sie wirklich abgelaufen sind. Jede Partei versucht hier den schwarzen Peter in die Schuhe des anderen zu schieben. Es waren viele Fehler und Missverständnisse die hier passiert sind:

Adrian Crisan und ich gingen ein halbe Stude vor dem Spiel gemeinsam zum Schlägertest. Mein Schläger war ok, sein Vorhandbelag war mit 4,15mm zu dick. Darauf meinte der Kontrolleur, er solle ein bisschen auf den Belag drücken, dann wird er dünner und sie messen dann nochmal. Da war ich schon etwas verwundert und erregt. Als der Schläger nochmal gemessen wurde nach ein paar Minuten war er nur noch 4,08mm, aber immer noch zu dich, da der Grenzwert 4,04mm ist. Was mich noch mehr ärgerte ist, dass daraufhin nochmal der Schläger getestet wurde, doch er war immer noch zu dick.
Adrian hatte aber keinen eigenen Ersatzschläger und ließ daraufhin den Butterflyschläger seines Landsmanns Cioti messen. Dieser war 3,88mm und regelkonform.
Das Spiel konnte also beginnen, doch als ich an die Box kurz vor SPielbeginn kam gab es schon wieder Diskussionen. Donic-Chef Frank Schreiner und Ochsenhausens Präsident Rainer Ihle waren erbost über die Tatsache, dass der Donic-Schläger von Adrian Crisan zu dick war. Da Frank Schreiner ihren Vertragsspieler Crisan anscheinend nicht mt Butterfly-Material nicht spielen lassen wollten(was ich nachvollziehen kann), sagten sie zu Richard Prause und zu mir, dass Adrian aufgeben muss. Als die Turnierorganisation dies mitbekam und sich einschaltete kam es nochmal zu Diskussionen. Schreiner und Ihle schimpften, dass Crisan mit seinem Schläger gestern noch spielen durfte und es keine Probleme gab und heute wäre er plötzlich zu dick. Dies wäre seltsam.
Daraufhin ging der Turnierdirektor zum Schlägerkontrolleur und schaute sich nur die Messergebnisse an, ohne den Schläger nochmal zu testen. Da stand natürlich 3,88mm, dies waren allerdings die Messergebnisse des Butterflyschlägers von Cioti und nicht die des Donic-Schlägers.
Daraufhin kam der Turnierdirektor mt dem Donic-Schläger zurück an die Box und meinte: Der Schläger ist ok.
Ich war natürlich stinksauer. Dachte, der Schläger wurde nochmal(!) kontrolliert und nun hat er den Tets bestanden. Ich hatte natürlich die Spannung verloren da ich dachte, das Spiel findet gar nicht statt, da Crisan aufgeben wollte! Zudem wird so lang getestet, Hauptsache die Zuschauer bekommen dieses Spiel zu sehen, ohne sich ans Regelwerk zu halten.(Normale Testprozedur: 1x Schlägertest, falls zu dick 1x Test des Ersatzschlägers und falls dieser nicht in Ordnung ist Disqualifikation).
Naja, nun musste ich doch in die Box, Adrian hat sehr gut gespielt und ich habe knapp verloren. Doch wie das alles gelaufen war, fand ich nicht in Ordnung. Ich düste aus der Halle direkt ins Hotel. Duschte und sass schon gepackt im Auto, als Richard Prause meine Frau an der Hotelrezeption am Telefon erwischte. Er meinte zu ihr Crisan sei noch disqualifiziert worden. Als ich mit ihm sprach, hörte ich dann, wie alles weitergelaufen ist, als ich schon aus der Halle war.
Die Schiedsrichter müssen im SPiel gemerkt haben, dass Crisan doch nicht mit dem getesten Butterflyschläger spielte und witterten, dass etwas nicht stimmte. Diese ließen dann nach dem Spiel nochmal den gespielten DOnic-Schläger testen. Dieser war noch immer zu dick und daraus resultierte die nachträgliche Disqualifikation von Crisan.
Ich musste nun überlegen, was ich mache. Weiterspielen oder Heimfahren?
Nachdem ich alles abschätzte, dachte ich mir: Ich habe keinen Fehler gemacht. Crisan hat mit einem unerlaubten Schläger gespielt, wollte schon aufgeben und bei den Schiedsrichtern und der Turnierorganisation sind Fehler unterlaufen, für die ich auch nichts kann.
Wir sind im Tischtennis einfach noch zu unprofessionel.
Der Spieler hat keinen Ersatzschläger: Darf nicht passieren.
Der Turnierdirektor mischt sich ins Geschehen ein: Da hat er nix verloren!
Die Schiedsrichter sind nicht konsequent.
Ich hätte nichts gewonnen, wenn ich nicht weitergespielt hätte: Ich hätte viele Weltranglistenpunkte verloren, hätte viel Preisgeld verloren, die Zuschauer hätten kein Viertelfinale gesehen.
Ich hoffe, der Trubel wird etwas ändern in den Köpfen der ITTF: Die Schlägerkontrollen sind nämlich wie sie sind lächerlich. Es muss härtere Strafen geben! SOnst werden die SPieler machen was sie wollen.

Gruß

Timo Boll
Mit Zitat antworten