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Aus dem Bremer Weser-Kurier vom 03.01.2003 (dpa-Bericht)
Nummer 1 der Weltrangliste - Boll: "Das wird gefeiert"
Hannover - Der unaufhaltsame Aufstieg des Timo Boll hat den zweifachen Europameister bis auf den Tischtennis-Gipfel geführt. Als erster deutscher Spieler ist der 21 Jahre alte Linkshänder des TTV Rebau Gönnern die Nummer 1 der Weltrangliste.
Das neue Ranking des Weltverbandes ITTF stufte den deutschen Meister wie erwartet mit 2295 Punkten als neuen Spitzenreiter ein. Der Vorsprung auf den zweitplatzierten Mannschafts-Weltmeister Ma Lin aus China beträgt exakt einen Punkt.
"Damit geht natürlich ein Traum in Erfüllung. Jeder Sportler träumt davon, das irgendwann zu schaffen. Mit nur einem Punkt Vorsprung vor Ma Lin - das ist unglaublich. Das wird gefeiert", kommentierte Boll im Urlaub in Ruhpolding den Machtwechsel im internationalen Herren-Tischtennis. Nach fast dreijähriger chinesischer Dominanz steht erstmals wieder ein Europäer an der Weltspitze. Von den anderen DTTB-Assen brachte es der frühe WM-Zweite Eberhard Schöler 1969 auf Platz zwei, Rekordnationalspieler Jörg Roßkopf schaffte es in seiner besten Zeit bis auf Rang vier.
Bolls Leistungsexplosion hat die Asiaten alarmiert. Vor einem Jahr war der Ausnahmespieler die Nummer 14 in der Welt. Der Doppel-Erfolg bei der EM 2002 in Zagreb, die Siege beim Europa Top 12-Turnier und beim Weltcup in China sowie zuletzt Platz drei beim Pro Tour-Finale in Stockholm haben Boll an die Spitze katapultiert. Kein Wunder, dass Chinas Cheftrainer Cai Zhenghua den jungen Hessen als gefährlichsten Gegner bezeichnet. "Wir studieren sein Spiel sehr viel im Moment. Er ist die Schlüsselfigur im europäischen Tischtennis", erklärte Zhenhua kürzlich in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung".
Boll, der vom Jäger zum Gejagten geworden ist, sieht sich selbst als einen Titelanwärter für die WM im Mai in Paris. "Der Top-Favorit für die WM bin ich deshalb nicht. Aber ich gehöre zu den Athleten, die um die Medaillen spielen und auch Titel-Chancen haben", meinte der Weltranglistenerste. Die Erfolge haben ihn selbstbewusst gemacht, dennoch ist er bescheiden geblieben. Unter Druck setzt er sich nicht: "Ich sage nicht, ich muss jetzt sofort Weltmeister werden oder unbedingt alle meine Titel verteidigen. Ich werde versuchen, mich ständig weiter zu verbessern und mein Spiel weiter zu entwickeln."
"Timo ist ein kompletter Spieler, die Vielseitigkeit ist seine Stärke. Bei ihm stimmen Technik, Taktik und mentale Verfassung", charakterisiert DTTB-Chefcoach Dirk Schimmelpfennig den Ausnahmespieler. Dessen Ruhe und Nervenstärke auch bei knappen Spielständen hat schon so manchen Gegner auf die Palme gebracht. Dafür hebt Boll nicht ab. Seine neue Adresse "Himmelsleiter" im Odenwaldstädtchen Höchst, wo er mit Freundin Rodelija seit wenigen Monaten wohnt, ist sein sportliches Leitmotiv. "Timo ist keiner, der sich auf Erfolgen ausruht", meinte sein Vereinscoach Helmut Hampl, der ihn vom achten Lebensjahr als Trainer begleitet.
[Bin aber nicht sicher, ob dies hier mit der gedruckten Papierversion übereinstimmt.]
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