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Alt 14.01.2009, 09:43
Jaskula Jaskula ist offline
hasst die 11
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AW: Gaza

Ich fürchte, dass der Nahost-Konflikt die größte und dauerhafteste militärische und politische Problematik unserer Welt ist und bleiben wird.

Die Situation ist dort dermaßen komplex und verfahren, dass es m.E. keine Lösung geben kann. Warum ?

1. Das ganze Problem erwächst nicht aus den üblichen Konflikten von Nachbarstaaten, die sich um Territorium, Bodenschätze o.ä. streiten, sondern hier wurde ein Staat am Konferenztisch erschaffen und willkürlich in einem Gebiet angesiedelt. Wenn sich Nachbarstaaten bekämpfen, so gibt es dennoch meist Gemeinsamkeiten und Verflechtungen, meist sogar eine gemeinsame Geschichte, die eine Beilegung des Konflikts bei gutem Willen beider Seiten möglich machen.
Hier aber wurde ein Volk (eher sogar ein Völkergemisch mit gemeinsamem Glauben) in einem Gebiet angesiedelt, in dem völlig andere Völker lebten, die keinerlei Gemeinsamketen haben.
=> Da der Übergang von militärischen Auseinandersetzungen zu dauerhaften politischen Lösungen ein Mindestmass an gegenseitigem Verständnis und Respekt erfordert sehe ich hier wenig Anlass zu Optimismus.

2. Immer dann, wenn Religion Einfluss auf die Politik hat, sind Probleme und Konflikte vorprogrammiert. Leider sind alle Konfliktparteien nicht säkularisiert und in weiten Teilen der Bevölkerung auch glaubensfanatisch. Das gilt nicht nur für die hier immer gern gezeigten Islamisten, sondern auch z.B. für viele jüdische Siedler, die ähnlich aggressiv vorgehen.
=> Da Menschen in schlechten Zeiten und unter Angst gerne im Glauben Zuflucht suchen, wird der religiöse Einfluss leider eher zunehmen.

3. Wenn Konflikte nicht von den Beteiligten selbst gelöst werden können, gibt es oftmals zumindest die Möglichkeit, dass von außen solange eingewirkt wird, bis eine Lösung erzwungen wird.
Leider funktioniert das gerade in diesem Fall ganz und gar nicht.
- Die UN ist zu schwach, Israel mißachtet eine Vielzahl von Resolutionen ohne Folgen.
- Palästina ist kein eigenständiger, völkerrechtlich anerkannter Staat.
- die europäischen Staaten fühlen sich Israel verpflichtet, weil sie geschichtlich belastet sind. Juden wurden nicht nur in Deutschland, sondern in nahezu allen europäischen Staaten verfolgt
- die USA spielt eine unrühmliche Rolle, weil dort die jüdische Lobby extrem stark ist und nahezu jede Kritik an, geschweige denn Maßnahmen gegen die Politik Israels mit allen Mitteln bekämpft
- Israel verfügt über Atomwaffen, wodurch jede Überlegung, den Konflikt militärisch von außen lösen zu können, wie in vielen anderen Fällen geschehen, ad absurdum geführt wird.

4. Diplomatische / politische Lösung werden umso schwieriger, je länger eine Auseinandersetzung dauert und je erbitterter diese geführt wurde. Jedes Opfer egal auf welcher Seite führt zu zusätzlicher Trauer, Verbitterung und Haß. Diese sind dann eine große Belastung für alle Bemühungen um Kompromisse.

Mein Fazit: Eine Lösung ist auf lange Zeit nicht in Sicht, der Konflikt wird uns noch lange beschäftigen und viele Opfer fordern. Nahost ist als Ausgangspunkt für den dritten Weltkrieg durchaus vorstellbar.
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