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Alt 22.01.2003, 23:44
Bernd Beringer Bernd Beringer ist offline
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Bravo Dieter, bravo auch Günter! Ihr habt dem "Spatzenhirn" eine Antwort gegeben, die fachlich und emotional angemessen ist. Ich musste mich bei seinem ersten Beitrag (danach wurde es besser) ziemlich bremsen, um nicht loszubrausen.

Noch mal zur Sache: Ohne engagierte Eltern hat heutzutage (fast) kein Talent mehr eine Chance, Hochleistungssport zu betreiben - da kann der Trainer/Verein noch so gut sein. Das heißt in letzter Konsequenz: Die Eltern sind wichtiger als der/die Trainer. Und zwar deswegen, weil es dem Trainer fast immer nur um den Erfolg seines Schützlings (und damit von sich selber) geht - den Eltern dagegen geht es (meistens) nur um die Zukunft ihres Kindes.

Jedem Elternpaar ist anzuraten, dass es für sein Kind die Schule/Berufsausbildung mindestens genauso wichtig nimmt wie den Sport - gerade beim Tischtennis. Die Chance, dass ein ganz großes Tischtennistalent mal seinen gesamten Lebensunterhalt als Profi mit seinem Sport betreiben kann, liegt vielleicht bei 10 Prozent. Weniger als zehn deutsche (auch ehemalige) Profis fallen darunter.

"Mein" bestes (positives) Beispiel ist Bastian Steger. Der hat ganz viel (im Keller) mit seinem Vater trainiert, "daneben" Abitur gemacht und die Zeit bei der Bundeswehr und gleichzeitig bei einem guten Verein genutzt, um eine Profi-Karriere zu v e r s u c h e n. Ich weiß nicht, ob dieser Versuch schon abgeschlossen und der Basti schon endgültig Profi geworden ist. Jedenfalls hat er vor einer Woche das höchste deutsche Ranglistenturnier gewonnen und auch sonst (z.B. in der Champions League) für Furore gesorgt.

Das war (beim Basti) der "duale" Weg. Und nur der macht Sinn - in einer Sportart, in der die Bezahlung der Profis (und vor allem der Top-Leute) weit hinter der anderer Sportarten hinterherhinkt. Dank Timo Boll haben wir (alle) eine Chance, dass sich das ein bisschen ändert. Aber es ist nur eine Chance - und noch keine Realität. Lasst uns diese Chance nutzen und nicht unseren Sport (und unsere größten Talente und ihre wichtigsten Förderer, nämlich die Eltern) mit Beiträgen wie anfangs vom "Spatzenhirn" niedermachen.

PS: Das schließt natürlich nicht aus, dass man sich mit einzelnen Beiträgen von Trainern/Eltern/Umfeld kritisch auseinandersetzt.

PPS: Auch der Gerd Richter ist ein gutes Beispiel: Der hat mal - parallel zum Studium - versucht, Profi zu werden. Als er dabei (knapp, aber letztlich wohl doch) gescheitert war, hatte er immer noch eine gute Zukunft - erst als Student und dann als Angestellter bei der Uni und als (hoffentlich) ordentlich bezahlte Nr. 1 eines Zweitligisten. Ist doch auch nicht schlecht, oder? Und die Eltern waren (fast) immer dabei. Die Trainer dagegen nie oder wenig.

Geändert von Bernd Beringer (22.01.2003 um 23:59 Uhr)
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