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Alt 30.01.2003, 18:24
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Rene Adler hat wieder was geschrieben in der Welt!

„Es ist wie eine neue Karriere“
Jörg Roßkopf will im Sog des Weltranglistenersten Timo Boll zurück in die internationale Spitze
von René Adler


Der Weltranglistenerste Timo Boll
Foto: dpa
Saarbrücken - Auf diesen Moment hat Jörg Roßkopf über 14 Monate gewartet: Am Wochenende kehrt der lange verletzte Rekord-Nationalspieler auf die internationale Bühne zurück – noch dazu vor deutschem Publikum. Eigentlich hätte der 33-Jährige beim Europäischen Ranglistenturnier Top 12 in Saarbrücken gar nicht starten dürfen, weil er die verlangten Turnierstarts nicht vorweisen konnte. Doch die Europäische Tischtennis- Union (ETTU) erteilte eine Sondergenehmigung. Für den Mann vom Deutschen Vizemeister TTV Gönnern „nach dem schlimmsten Jahr meiner Karriere“ und der vom Ligaausschuss des Deutschen Tischtennis-Bundes (DTTB) beschlossenen Rückstufung in der Bundesliga von Position zwei auf vier endlich mal wieder eine gute Nachricht. Der Europameister von 1992 fiebert dem Top 12 seit Wochen entgegen: „Jedes Training oder Spiel, das gut läuft, ist etwas ganz besonderes – vom Gefühl her ist es wie eine neue Karriere.“


Dennoch wird in Saabrücken ein anderer Deutscher im Mittelpunkt stehen. Timo Boll ist seit dem 2. Januar die Nummer 1 der Welt – als erster Deutscher und als erster Spieler nach fast drei Jahren, der nicht aus China kommt. Beim Top 12 ist der Vereinskollege von Roßkopf nicht nur deshalb der Gejagte: Für Boll ist es der erste von drei großen Einzel-Titeln, die es in diesem Jahr zu verteidigen gilt. Mit dem Sieg vor einem Jahr in Eindhoven hatte der steile Aufstieg des 21-Jährigen begonnen, der im Frühjahr zweifacher Europameister wurde und im November den seit Jahren dominierenden Chinesen einen Schock versetzte, als er in deren Heimat den Weltcup gewann.


Trotz der großen Erwartungen von außen am Anfang eines ereignisreichen Jahres mit EM und Einzel-WM gibt sich Boll gelassen: „In den letzten Wochen sprechen die Leute immer über gewachsenen Druck, aber ich selbst mache mir überhaupt keinen.“ Was wie eine Floskel aus dem Standardrepertoire eines Spitzensportlers klingt, ist für Boll zur Philosophie geworden. „Immer alles geben, nicht rummeckern, und falls man trotzdem verliert, war der Gegner einfach besser“, lautet das Credo, das er sich erarbeitet hat. Schon mit 15 Jahren als Roßkopfs „Kronprinz“ tituliert, waren es vor allem zu hohe Erwartungen an sich selbst, die den großen internationalen Durchbruch des Jahrhunderttalents verzögerten. Erst mit einer gelasseneren Einstellung startete der Hesse voll durch. Jörg Roßkopf ist überzeugt, dass Bolls Aufstiegsjahr 2002 erst der Anfang einer Erfolgsstory war, die seine eigene um Längen toppen wird. „Timo hat einfach viel mehr Talent als ich“, attestiert er ohne Neid: „Er hat das Zeug, Weltmeister und Olympiasieger zu werden.“ Künstler Boll gibt das Lob an den Arbeiter Roßkopf zurück: „Ich habe von Jörg vor allem gelernt, dass es nicht reicht, viel Talent zu haben.“ Und Boll hat keinen Zweifel, dass seinem zwölf Jahre älteren Teamkollegen noch mal der Anschluss gelingt: „Ich bin überrascht, dass er jetzt schon so weit ist.“


Bolls großartige Perspektiven sind für Roßkopf eine zusätzliche Motivation, um die Rückkehr in die Weltspitze zu kämpfen. „Es ist zwar schwer, einen ähnlichen Boom auszulösen wie nach dem WM-Titel von mir und Steffen Fetzner 1989 in Dortmund“, sagt er, „aber Timo und ich wollen das gemeinsam anpacken“. Roßkopfs großer Traum: „Bei der EM im Frühjahr in Italien zusammen mit Timo Mannschafts-Europameister zu werden – dieser Titel fehlt mir noch.“ Auf dem Weg dorthin ist Saarbrücken nur eine Zwischenstation. „Ich habe erst wieder 50, 60 Prozent meines Leistungsvermögens erreicht“, erklärt Roßkopf Das erste gemeinsame Turnier mit Boll seit der WM im Frühjahr 2001 stößt dennoch auf riesiges Interesse. 2500 der jeweils 2800 Plätze in der Saarlandhalle sind bereits verkauft.


Artikel erschienen am 30. Jan 2003 in der Welt
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