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Alt 26.02.2009, 11:34
GWF.Seb GWF.Seb ist offline
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AW: Milky Way o. Yinhe Hölzer

Nach anfänglichem Zögern habe ich mir das Yin He M-6 bestellt, im Austausch zum T-6, dass ich wieder eingeschickt habe. Nach recht intensiven Trainingseinheiten damit kann ich nun meine Eindrücke darstellen und das Holz gegen das T-6 und das BTY Boll Forte abgrenzen. Here goes:

Stichwort Gewicht:

Das Boll Forte ist zusammen mit 2 Tenergy 05 Belägen recht schwer, ist aber noch zu managen. Das T-6 war ein Fliegengewicht dagegen, über 10g Unterschied. Wer ab und an über dem Tisch flippt oder schupft, wird schnell merken wie viel 10g ausmachen. Mein M-6 liegt irgendwo dazwischen. Es ist zwar schwerer als das T-6, aber dennoch merklich leichter als das Boll Forte.

Stichwort Anschlagshärte:

Mein altes Boll Forte bestand aus 3 weichen Innenfurnieren und 2 harten Aussenfurnieren, was das Holz sowohl recht stabil als auch gefühlvoll im Anschlag machte. Ich würde es niemals als weich bezeichnen, es spielt sich jedoch auch nicht wirklich hart. Das T-6 dagegen ist ein wahres Brett. Es besteht aus 3 Holz- und 2 Carbonfurnieren, was es im Anschlag eher Richtung "Bratpfanne" gehen lässt. Es lässt sich dennoch, oder gerade deswegen, sehr kontrolliert spielen, wenn auch der gewisse "Touch" fehlt. In diesem Punkt ist das M-6 das weichste Holz. Es besteht aus harten Innenfurnieren (3) und zwei weichen Aussenschichten, also genau der umgekehrte Aufbau des Boll Forte. Demnach spielt es sich bei fein getroffenen Bällen (weiche Spins, Aufschläge) ziemlich weich, entwickelt aber die nötige Härte für Schüsse und Konterbälle.

Stichwort Handling:

Alle drei Kandidaten sind sehr hochwertig verarbeitet. Das Boll Forte kommt Butterfly-typisch mit etwas dickerem Griff daher. Zusätzlich ist die konkave Griffform recht schwach ausgeprägt, so dass es ordentlich in der Hand liegt. Das T-6 und das M-6 sind da filligraner. Der konkave Schliff ist klarer zu erkennen und die Griffe sind insgesamt dünner. Geschmackssache.

Stichwort Spieleigenschaften:


1. Referenz - Spielstil.
Mein Spielstil baut auf rotationsreichen Aufschlägen auf, mit denen ich Punkte im 3. Ball (auf schlechte Rückschläge) durch harte Topspins zu machen versuche. Bei Rückschlägen achte ich auf exakte Platzierung und versuche bei längeren Aufschlägen durch weiche, effetreiche Topspins ins Spiel zu kommen. In längeren Ballwechseln halte ich mich gerne in der Halbdistanz auf, wo ich in VH durch härtere und in der RH durch effetreichere Topspins zu punkten versuche. Nah am Tisch stehe ich seltener. Wenn, bemühe ich mich mit der RH zu kontern oder kurz abzulegen und mit der VH zu flippen oder zu schlagen. ----> Ein perfektes Holz müsste zu 100% zu diesem Spieltypus passen


Butterfly Boll Forte:

Das Boll Forte war für mich immer ein ausgesprochen gutes Holz. Es nahm durch die verringerte Härte enormen Schnitt an und ließ sich dabei prima kontrollieren. Für harte Schläge und Topspins entwickelte es immer ausreichende, wenn auch nie überragende Dynamik. Als Spielertypus würde ich es für eher weich spielende, spinorientierte Spieler empfehlen. Gerade Aufschläge und weiche Topspins entwickeln -richtig getroffen- immense Rotation. Negativ fallen sowohl hohes Gewicht als auch schwach ausgeprägte Dynamik (Katapult) ins Gewicht. Gerade in der Halbdistanz waren die Topspins (durch die Rotation) zwar gefährlich, jedoch nie lang genug. Der Ball sprang durch die hohe, stark gekrümmte Flugkurve meist auf der Tischmitte auf, was es schwierig machte durch Platzierung zu punkten. Auch (aktive) Blocks und Konterbälle waren eher zu langsam mit dem Holz. In Zahlen ausgedrückt würde ich dem Holz 80% attestieren. Es passt also zu 80% zu meinem Spielstil.


Yinhe T-6:

Das T-6 passte hingegen nicht wirklich. Im Vergleich zum Boll Forte ließ sich damit wenig Rotation entwickeln, was der harten Carbonfaser geschuldet ist. Durch die Härte blieb der Ball nicht so lange am Belag und konnte sich dementsprechend wenig darin "eingraben". Der positive Effekt daran ist die sensationelle Kontrolle dieses Holzes. Trotz der hohen Geschwindigkeit (würde es als OFF/OFF+ einstufen) war die Flugkurve kaum gekrümmt, was extrem genaue Platzierung ermöglichte. Sowohl im passiven Spiel (Block) als auch im aktiven Spiel (Schlagspins aus der Halbdistanz) habe ich damit kaum Fehler produziert. Als Spielertypus würde ich es schnellen Angriffspielern empfehlen, die ihre Punkte durch harte und gut platzierte Schläge machen wollen. Mein Problem damit war die verringerte Gefährlichkeit meines Spiels durch die verminderte Rotation. Daher passte es nur zu 60% zu meinem Spiel.


Yinhe M-6:

Also blieb das M-6. Hier fiel mir bereits beim einkontern auf, dass das Holz nicht so steif ist wie seine Vorgänger (Achtung: steif heisst nicht hart, sondern beschreibt die Biegefestigkeit. Steife Hölzer "schwingen" nicht nach, sind also vibrationsfrei). Das M-6 vermittelt aber eine extrem exakte Ballrückmeldung ohne in Schwingung auszuarten. So etwas habe ich noch nicht erlebt. Das Stiga Offensive Classic z.b. schwingt extrem nach. So merkt man zwar den Balltreffpunkt, dies leider jedoch im ganzen Arm. Das M-6 findet da einen guten Mittelweg. Ich würde es daher als enorm gefühlvoll bezeichnen. Gleich vorweg: Der Spin war einfach fantastisch. Im Vergleich zum Boll Forte war sogar eher mehr Rotation im Ball, was man sowohl am Ball als auch am Grinsen in meinem Gesicht beobachten konnte. Dennoch fällt das Holz nicht durch ungefährlichkeit auf. Während man bei tangentialen Schlägen (also "Schnittschlägen") sofort die weichen Aussenfurniere ins Spiel bringt, so entwickelt das Holz dennoch bei harten Bällen eine unglaubliche Geschwindigkeit. Gerade Konterbälle gelangen sogar aus der Halbdistanz, was ich persönlich noch nie erlebt habe bei meinen Schlägern. Topspins aus der Entfernung fielen durch erhöhte Länge (mehr Präzision) als auch durch gekrümmte Flugkurve (mehr Rotation) positiv auf. Im Spiel über dem Tisch vereint das M-6 meiner Meinung nach die Vorteile des T-6 (Gewicht, Kontrolle, Tempo) und des Boll Forte (Gefühl, Rotation), so dass ich dem M-6 keine Nachteile anmäkeln konnte. Für mich ist es bisher das beste Holz, dass ich spielen durfte. Die Wechselkriterien, die mir am Boll Forte negativ auffielen, sind erfüllt und die positiven Eigenschaften blieben erhalten. Ich gebe dem M-6 glatte 90% und empfehle es für schnittorientierte Spieler, die auf der Suche nach mehr Katapult und Kontrolle sind - bedenkenlos.


Grüße,

Seb

Geändert von GWF.Seb (26.02.2009 um 15:14 Uhr)
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