"Die Wirtschaftskrise hat uns voll erwischt"
TISCHTENNIS Der TSG Steinheim zieht seine Mannschaft aus der zweiten Bundesliga zurück - Neuanfang in die Regionalliga
Steinheim. Es hat sich schon länger angedeutet - jetzt ist es amtlich. Der TSG Steinheim wird in der kommenden Saison nicht mehr in der zweiten Tischtennis-Bundesliga antreten. "Die Wirtschaftskrise hat uns voll erwischt", sagt Abteilungsleiterin Marion Baudisch.
Von Klaus Teichmann
Der TSG Steinheim hat auch in seinem zweiten Spieljahr sportlich den Klassenverbleib in der zweiten Bundesliga geschafft. Finanziell und logistisch jedoch nicht. Seit Dezember springen dem TSG bereits reihenweise gebeutelte Sponsoren ab, am Mittwoch hat der Verein nun die Reißleine gezogen. "Die Hälfte unseres Budgets fehlt uns jetzt", sagt die Abteilungsleiterin Marion Baudisch, "wir haben keine Rücklagen bilden können, alles ging gleich wieder in den Spielbetrieb - wir können die zweite Liga einfach so nicht sicher stemmen". Eine Verschuldung komme nicht in Frage - der Absturz des TTV Erdmannhausen vor wenigen Jahren hätte da als mahnendes Beispiel gegolten.
Die Enttäuschung im Team ist enorm. Besonders bei Spielertrainer Romulus Revisz und dem TSG-Eigengewächs Andreas Escher. "Der Rückzug ist sehr hart für uns", meint Escher, "der Verein hat jedoch alles versucht, wir haben auch schon etwas damit gerechnet". Das Sextett ist ohnehin bereits in den vergangenen Wochen auseinandergefallen: Der berufsbedingte Weggang des Düsseldorfer Trainers Zhu Xiaoyong und die Rückkehr von Adrian Klosek zu seinem Heilbronner Heimatclub stand schon länger fest. Auch Spitzenspieler Fabian Akerström war nach seinem fulminaten Jahr in Steinheim kaum in der zweiten Liga zu halten - er geht nun nach einer Saison wieder nach Frickenhausen, um den Sprung in die Eliteliga zu schaffen. An teure Verstärkungen sei der TSG erst gar nicht herangetreten, betont Baudisch: "Wir haben viele Sponsoren aus dem Mittelstand - die Krise ist da schnell angekommen". Einzelne Geldgeber hätten ihr Engagement halbiert, andere hätten es ganz eingestellt. "Die Firmen können nicht ihre Mitarbeiter in Kurzarbeit schicken und einen Zweitligisten finanzieren", zeigt die TSG-Chefin sogar Verständnis für die Betriebe.
Für die Regionalliga soll es jetzt jedoch reichen. Vier Akteure hat der TSG - neben Revisz und Escher zwei Ungarn. Heiko Bärwald hätte der TSG auch gerne für Liga drei gehalten, doch er geht in die Verbandsliga.
Erst war auch eine tiefere Liga im Gespräch. Doch in der Regionalliga sind die Kosten bereits deutlich geringer. "Es ist für mich bitter, im ersten Jahr meiner Amtszeit den Rückzug vermelden zu müssen", sagt Baudisch. Escher betont aber, dass es nicht an der Abteilungsleiterin gelegen hat: "Sie kann nichts dafür - es wären in der zweiten Liga einige Leute notwendig, die sich nur um die Erste kümmern".siehe Kommentar
Am Dienstag wird es bei der Auftaktveranstaltung zum mz3athlon um 19.30 Uhr im Murrer Bürgersaal genau um dieses Thema gehen - namhafte Persönlichkeiten diskutieren die Auswirkungen der Wirtschaftskrise für den Sport.
Quelle: Marbacher Zeitung von heute
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