Zitat:
Original geschrieben von Jaskula
@Bernd Beringer
- Erfolge in der Spitze kommen niemals unten an. Aus eigener Erfahrung weiß ich, daß der mehrfach erwähnte Tennis-Boom bei uns völlig wirkungslos war, weil die Infrastruktur im Verein schlecht war. Alles war auf dem absteigenden Ast, wenig Engagement etc., die Perspektiven fehlten. So konnten Becker+ Graf keine positiven Impulse setzen, auch ich habe damals mit dem Tennis aufgehört und mich für TT entschieden.
Erst viele Jahre später, als Tennis langsam weniger attraktiv wurde, wendete sich in meinem Verein das Blatt. Durch viel Engagement vor Ort, wurde dem Trend entgegen ein erfolgreicher Verein auf die Beine gestellt, der heute zu den stärksten in Hessen zählt. Man sieht, am wichtigsten sind die Bedingungen vor der Haustür, denn die werden wahrgenommen.
|
Daß Erfolge in der Spitze niemals unten ankommen sehe ich nicht unbedingt als Tatsache.
Es mag bei Euch so gekommen sein, weil eben die Infrastruktur schlecht war, dennoch gab es nach Beckers Erfolgen unbestritten einen Tennisboom mit erheblichen Mitgliederzuwächsen im DTB (das ist eine Tatsache).
Natürlich kann die Basis durch mehr Nachwuchs, der neugierig darauf geworden ist, einen Sport selber auszuüben, profitieren. Mehr Mitglieder bedeuten mehr Geld, bedeuten mehr potentielle Spieler auch für den Erwachsenenbereich, bedeuten mehr Einflußmöglichkeiten im Gesamtverein, bedeuten auch mehr potentielle Trainer in der Zukunft etc.
Ebenso selbstverständlich ist aber eben auch, daß dann auch die Strukturen in den Vereinen, die Qualität des Trainings etc stimmen müssen, um neugierig gewordenen Kindern auch vermitteln zu können, daß Tischtennisspielen Spaß macht.
Darum kann ich ehrlich gesagt nicht verstehen, daß sich die Diskussionen mittlerweile oft darum drehen, ob Medienpräsenz oder Vereinsstrukturen entscheidend für die Entwicklung des Tischtennissportes seinen. Bei einer solch isolierten Sichtweise ist es nur natürlich, wenn es mit dem Sport abwärts gehen.
Beides ist wichtig und muß verbunden werden.
Gute Vereinstrukturen vor Ort können in gewissem Maße dafür sorgen, daß mehr Kinder den Sport eimal ausprobieren möchten, werden aber bei bisher für TT noch nicht Interessierten oft nicht so wahrgenommen, wie man es sich wünschen würde. Aber wenn erstmal Kinder in der Halle sind, ist es natürlich absolut entscheidend, daß sie sich dort wohlfühlen.
Präsenz in den Medien dagegen spielt für diejenigen, die mit dem TT-Spielen schon begonnen haben sicher keine so entscheidende Rolle, auch wenn bei Jugendlichen sicherlich auch positiv sein kann, daß "ihre" Sportart eine gute Reputation in der Öffentlichkeit hat. Dafür können aber z.B. Fernsehübertragungen etc. auch neugierig auf eine Sportart machen un damit durchaus auch dafür sorgen, daß der ein oder ander auch mal in die Halle schaut.
So sollten eben beide Ebenen miteinander verknüpft werden, und nicht als zwei unterschiedliche, konkurrierende Strategien angesehen werden. So ist ein Kind, das z.B. gerade einen Bericht über Timo Boll mit tollen Ballwechseln im Fernsehen gesehen hat, sicherlich besser dazu zu motivieren, auch mal bei den Mini-Meisterschaften mitzumachen, als eines, das sich noch nie mit TT befaßt hat.
Klar, wenn man davon ausgeht, daß die Regeländerungen nur der Medienpräsenz dienen sollen, aber dafür dem Sport an der Basis schaden (was ich eben nicht unbedingt so sehe - aber das ist eine andere Diskussion), dann gibt es sicherlich einen Widerspruch.
Klar ist auch, daß Regeländerungen alleine sicherlich nicht für großartig mehr Interesse an einer Sportart sorgen können. Sie können allerdings eine Unterstützung sein, wenn es einen Star wie Boll gibt, indem sie eine Übertragung, die es wohl nur wegen deutscher Stars geben wird, für den Zuschauer interessanter machen.