Oh ja, da kann ich auch etwas aus meiner Jugend dazu beitragen.
Die Bayernliga besteht aus zwei Staffeln, einer Nord- und einer Südstaffel. Meine Jugendmannschaft wurde Meister der Südstaffel und durfte das Endspiel um die Gesamtbayerishe Meisterschaft und die damit verbundene Qualifikation zur Deutschen bestreiten.
Wie es der Zufall so wollte wurde dieses Endspiel in meinem Ort ausgetragen (von wegen neutraler Boden

) und es fanden bestimmt etwa 200 Zuschauer den Weg in die Halle, was mich damals total beeindruckt hatte.
Ich war auf Position 4 unseres Teams aufgestellt.
Wie es die Dramaturgie des Spiels wollte, stand es vor dem abschliessenden Einzel, das ich bestreiten musste, aus unserer Sicht 7-8. Aufgrund des uneinholbar besseren Satzverhältnisses hätte uns ein 8-8 zum titel gereicht, was hiesse, dass ich die Nummer 2 des Gegners (Regensburg) schlagen musste. Nachdem dieser gegen unsere Nummer 1 knapp verloren und gegen unsere Nummer 2 sehr deutlich gewann schien das ein schier unmögliches Unterfangen.
So lief der erste Satz dann auch, den ich mit 12:21 abgeben musste. Ich muss zugeben, die vielen Zuschauer und der Druck und die Hoffnung, die in mich gesetzt wurde, hemmte mich als 13-jährigen Steppke doch ganz enorm. Anfang des zweiten Satzes lief es ähnlich schlecht. Erst als mein Gegner die ersten beiden Fehler einstreute merkte ich, dass ich mich nicht kampflos geschlagen geben müsste. Ich holte Punkt um Punkt auf und entschied den zweiten Satz mit 22-20 für mich. Nun war die Menge natürlich am Grölen ohne Ende und ich glaube keiner in der Halle dachte, dass ich den dritten Satz noch verlieren würde.
Aber es kommt ja oftmals anders und so war mein Start in Satz Nummer 3 wieder recht bescheiden. Aber dank meines Kampfgeistes kämpfte ich mich wiederum heran, bis zum 15:15. Die Crux war nun, mein Gegner durfte fünfmal servieren und mit seinem Aufschlag kam ich überhaupt nicht zurecht, demnach sah ich mich bei einem 15:20 5 Matchbällen gegenüber.
Nun glaubte ich selbst nicht mehr an mich und lies doch gewaltig die Flügel hängen. Die Punkte zum 18:20 konnte ich zwar verbuchen, dann aber besiegelte ein verzogener Gegenspin mein und unser Schicksal.
Ich muss ganz ehrlich sagen, so niedergeschlagen war ich beim Sport definitiv nie zuvor und war es in der Folge auch nicht. Ist schon hart nach so einem knappen Spiel in diesem Alter vor 200 eigenen Fans den Gegenern beim ausgelassenen Jubel zuzusehen.
Dieses Szenario ging mir in der Tat monatelang nicht aus dem Kopf und ich trauerte der Gelegenheit nach. Dies war ein kleiner Knacks in meiner Tischtennislaufbahn.
Aber genau solche Erlebnisse machen doch schliesslich Sport aus, an die man sich auch 15 Jahre später detailgetreu erinnern kann