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Leider werden Erfolge von Frauen nicht so registriert
Diese Meinung vertritt Elke Wosik bei einem Interview, das RHEINPFALZ ONLINE, am Dienstag, 25. März veröffentlichte:
TISCHTENNIS: Elke Wosik vor EM zuversichtlich - Schwere Gegner für Deutschland - Interesse ja, Anerkennung weniger
SPEYER. Am Mittwoch ist es soweit: Die gebürtige Römerbergerin Elke Wosik fliegt mit der Nationalmannschaft nach Italien zur Tischtennis-Europameisterschaft. Mit dem Damenteam holte die 29-Jährige im vergangenen Jahr Silber. "Diesmal werden die Medaillen noch härter umkämpft", sagte Wosik gestern im Gespräch mit RHEINPFALZ-Mitarbeiterin Sandra Weinacht.
Frau Wosik, freuen Sie sich auf die Wettkämpfe?
Ich habe eine sehr gute Saison hingelegt. Wenn ich meine Leistung abrufe, glaube ich, dass man einiges von mir erwarten kann.
Mit welchen Erwartungen reisen Sie zur EM in Courmayeur?
Bei einem solchen Turnier ist eine Medaille in allen Disziplinen möglich, es ist aber auch möglich, dass ich leer ausgehe. Das Feld ist in diesem Jahr ziemlich dicht. Es gibt viele Anwärter auf Medaillen und vor allem die Europameistertitel. Ich denke, es gibt in diesem Jahr viele Spielerinnen, die aufs Treppchen wollen und da gehöre ich auch dazu. Ob es am Ende klappt, das wird sich zeigen, wenn es losgeht. Ein bisschen Glück bei der Auslosung gehört da auch dazu. Allerdings habe ich in den letzten Wochen und Monaten ziemlich gut gespielt, und es macht mir viel Spaß Tischtennis zu spielen. Ich möchte die Leistungen, die ich in der Bundesliga gezeigt habe, wiederholen. Kurz gesagt, ich fahre mit gutem Gewissen und zuversichtlich nach Courmayeur.
Das heißt, Sie sind topfit?
Ja, im Moment bin ich fit und bisher von Krankheiten verschont geblieben. Ich hoffe, dass das auch so bleibt. Im Moment bin ich noch in Busenbach bei meiner Bundesligamannschaft und bereite mich hier vor, bevor wir am Mittwoch mit der Mannschaft nach Italien fliegen. Die Übungen hier gehen nicht in den Ausdauerbereich. Ich trainiere spielnahe Züge, also Schnellkraft und Spritzigkeit. Ausdauer habe ich in den Wochen und Monaten vorher trainiert. Die muss natürlich auch stimmen, sonst kann man ein so langes Turnier nicht durchstehen.
Haben Sie sich speziell auf die Höhe vorbereitet?
Abgesehen davon, dass ich beim Lesen des Wetterberichts und dem Betrachten der dortigen Schneeverhältnisse am liebsten die Ski eingepackt hätte, habe ich keine besonderen Vorbereitungen getroffen. Ich war ewig nicht mehr Ski fahren, das würde mich schon reizen. Aber Spaß beiseite. Die EM beginnt am Samstag, aber wir Damen fangen erst am Sonntag an zu spielen. Zur Vorbereitung auf die Höhe fliegen wir bereits am Mittwoch los. Das sollte genug Zeit zum Akklimatisieren sein. Ich war schon zweimal in Courmayeur und weiß, welche Umstellung auf uns zukommt. Die Luft da ist dünner, der Widerstand zum Ball ist gering, er springt in der Höhe ganz anders von der Platte ab als hier bei uns. Beim letzten Mal bin ich in der Höhe erst einen Tag vor dem Wettkampf angereist und habe dann sehr schlecht gespielt. Man muss sich schon an die veränderten Bedingungen gewöhnen. Deshalb ist es sinnvoll, einige Tage vorher anzureisen.
Wie schätzen Sie ihre Gegner ein. Sind Italien beziehungsweise Frankreich harte Brocken?
Dadurch, dass wir in der Europaliga den vierten Platz belegt haben, steigen wir ja als Mannschaft erst im Viertelfinale ein. Unser Gegner wird aus der Partie Frankreich gegen Italien ermittelt. Voraussichtlich wird es Italien sein, das sich seit diesem Jahr durch eine mit einem Italiener verheiratete Chinesin verstärkt hat. Die italienische Mannschaft wird ein sehr schwerer Gegner werden. Über weitere Paarungen kann ich zu diesem Zeitpunkt noch nichts sagen, da die Auslosung für alles andere vor Ort ist. In der Mannschaft ist Rumänien als Favorit einzuschätzen. 2002 sind die Rumäninnen Europameister geworden und das ohne ihre Nummer Zwei, und die ist diesmal dabei. Allerdings treffen wir hier auf Einzelspielerinnen, die Nicole Struse und ich alle schon geschlagen haben. Insofern ist jedes Spiel ein offenes Spiel. Falls wir das Viertelfinale gewinnen, treffen wir wohl auf den Gewinner der Begegnung Russland gegen Ungarn. Beide Mannschaften sind auch ziemlich stark.
Haben Sie bei den Männern einen
persönlichen Favoriten?
Nun, Deutschland hat den Weltranglistenersten Timo Boll. Er ist für mich schon der Favorit. In der Mannschaft müssen die Männer schon bei den letzten 16 einsteigen und treffen im ersten Spiel auf Griechenland, das einen ganz starken Spitzenspieler hat. Das heißt, es geht gleich mit einer schweren Partie los. Im Grunde gibt es bei den Männern wie bei uns Damen vier, fünf Mannschaften, die es alle verdient hätten, Europameister zu werden.
Hat sich das Publikumsinteresse, das die Tischtennisspieler erfahren, nach Olympia und den daran anschließenden Erfolgen verbessert?
Wenn man in einer Sportart die Nummer Eins der Welt hat, ist das sicher förderlich. Wenn da nichts rüber käme, wär das ganz schlecht. Im Moment ist so ein kleiner Tischtennis-Boom in Deutschland, aber das betrifft vor allem die Männer. Schlecht für uns Frauen ist das nicht, aber ist es nicht in ziemlich vielen Sportarten so, dass - abgesehen vom Eisschnelllauf, und da geht es warum auch immer noch um ganz andere Dinge als die erzielten Erfolge - die Leistungen von Frauen nicht wirklich registriert werden?
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