Hallo Philipp,
ich bin ebenfalls Linkshänder. Als ich mit ca. 4 Jahren zu schreiben anfing,
habe ich natürlich die Linke Hand genommen. Da ich damals oft bei meiner Oma war, da meine Eltern arbeiteten, wurde ich von ihr "umerzogen".
Ich durfte mit der "schlechten Hand" weder schreiben noch malen. Das ging bei meiner Oma gar nicht... (sie wusst es eben nicht anders)
OK als 4 Jähriger muckt man nicht auf, man schreibt eben so gut es geht mit der rechten Hand, gewöhnt sich dran und es ist eben so. Habe mit rechts auch eine recht ansehnlich Handschrift bekommen. Sauber, schön... Oma war zufrieden. Was will man als kleiner Junge mehr. Meine Eltern haben sich damals
keine grossen Gedanken gemacht, was für verherende Auswirkungen das für mich haben könnte. Die Linke Hand war also tabu und meine Linkshändigkeit wurde über Jahre nicht mehr gefördert.
Die Auswirkungen: Ich fing an zu stottern, und das recht heftig, wurde auch oft gehänselt. kam in Sprachtherapie... kein Erfolg
Damals konnte auch keiner nachvollziehen, dass es eventuell an meiner Linkshändigkeit liegen könnte...
Mit 12 spielte wir dann öfter auf einer Steinplatte auf dem Pausenhof Tischtennis.. anfangs mit rechts.... naja es ging aber mehr oder weniger ohne Gefühl...
Juxhalber nahm ich dann den Schläger in die Linke Hand.
Ich sag dir, das war wie eine Offenbarung, auf einmal konnte ich richtig Tischtennis spielen.
Ein Schulkamerad hat mich dann gefragt, ob ich nicht ins Tischtennistraining reinschauen möchte...
und von da an hat sich kein Leben schlagartig verändert. Endlich habe ich
meine linke Hand benutzt. Nach 2 Jahren Tischtennis spielte ich Landesliga Jugend Vorne...
Mit 14 fing ich an links zu malen... und zwischendurch links zu schreiben
und mit 16 war das Stottern weg.... wie das?
Das habe ich erst viel viel später erfahren, als ich folgendes Buch in meine Finger bekam
http://www.linkshaender-beratung.de/...KnotenBuch.htm
Zitat
"Die Umschulung der angeborenen Händigkeit ist einer der massivsten Eingriffe in das menschliche Gehirn: Durch den bevorzugten Gebrauch der nicht dominanten Hand, besonders zum Schreiben, kommt es im Gehirn oft zu schwersten Störungen und Irritationen, die den Menschen individuell meist sehr belasten und Auswirkungen für sein ganzes Leben haben können."
Zum Glück habe ich damals nicht den Schläger mit rechts hingeschmissen und aufgehört, weil es nicht ging, sondern einfach die Hand gewechselt.
Tischtennis sei dank, habe ich das stottern abgelegt

Mir hat es enorm viel gebracht.
Gruss Joe
PS: meine Oma war auch umerzogene Linkshänderin