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Zitat von Plänkschda Gängschda
...zurück zum Thema: Dein Vergleich der Sucht mit Ritualen hinkt...ein Auto vier Stunden zu waschen und polieren, ist eine Macke und hat mit Sucht nix am Hut...
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Auch das ist - laut neuesten Erkenntnissen - nicht zutreffend. Es handelt sich wohl eher um ein kulturelles Phänomen, das insbesondere bei "den" Deutschen anzutreffen ist und unter dem Schlagwort "Werkeln" zusammenfasst wird.
Während
z.B. "der" Franzose seine Freizeit lieber damit verbringt, im Kreise der Familie zu entspannen und gemeinsam zu schmausen, kann "der" Deutsche offensichtlich weniger von Aktivitäten wie Autowäsche, Gartenarbeit, Heimwerken etc. lassen. Sitzt "der" Franzose im Garten, genießt er die Zeit und die Familie, während "der" Deutsche innerhalb kürzester Zeit unruhig wird und einer Beschäftigung nachgehen muss. "Der" Franzose hat kein Problem mit zu hohem Rasen, abblätternder Farbe an der Gartenlaube oder Matschflecken an der Karosserie, während er seine Freizeit zelebriert.
Wenn "der" Deutsche sich in den Garten setzt, sieht er über solche Kleinigkeiten nicht hinweg, sondern schreitet umgehend zur Tat, oftmals motiviert durch freundliche Hinweise der Gattin wie "Schatz, die Hecke quillt langsam über!" oder "Wolltest Du nicht schon letztes Jahr die Terrasse streichen?"
Lediglich beim Auto kommt es zwischen Frau und Mann zu leichten Abweichungen: "Du hast den Wagen doch erst letzte Woche poliert - die Terrasse hätte es nötiger...wolltest Du die nicht schon letztes Jahr...?"
Die Seele baumeln zu lassen, ist "dem" Deutschen daher fast nur im Urlaub außerhalb des eigenen Bereichs möglich, am besten bei Fernreisen...da er bei Verzicht auf das eigene Automobil nicht ständig mit dessen Gegenwart und überdeutlich sichtbaren Steinschlagschäden konfrontiert wird, die man sich auf der Fahrt zum Urlaubsort zugezogen hat.
Währenddessen liegt "der" Franzose in der Hängematte seines Gartens, philosophiert mit seiner Frau über das Leben, nippt genüsslich am Weinglas und freut sich schon auf das Abendessen im Kreise seiner Lieben. Und wenn in diese Idylle das Zusammenkrachen der Gartenlaube platzt, dann sagt seine Frau amüsiert: "Cherie, isch freue misch, dass diese ässlische ütte endlisch kaputt iist.", die Kinder kommen angelaufen und rufen freudig erregt: "Urraaa, eute maachen wir un Lagerfeueer!" und der Herr Papa ruft seine Eltern an, um diese spontan für den Abend zum gemeinsamen Grillen einzuladen.
Besten Gruß
Olaf