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Alt 04.04.2003, 12:57
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Arralen Arralen ist offline
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Habe endlich ein MA1 von Benjamin zum Testen bekommen... .
Bin dann auch gleich losgelaufen und habe mir -zusätzlich zu meinen China-Belägen- ein paar Japaner aus dem lokalen S&M-Shop geliehen, um eine "Referenz" zu haben, sozusagen. Ergebnisse meiner Ausprobiererei:

allg. Auffälligkeiten:

- der gerade Griff ist mir zu dünn. Während ich bei normalen Hölzern einen geraden Griff bevorzuge, weil ich den Schläger sehr "lang" fasse ( siehe http://www.tt-news.de/vb/showthread....&threadid=9850 ), ist mir das Griffende bei dem dicken MA1 dann für "ein sicheres Gefühl" etwas zu dünn. Ein leicht konkaver oder Schiffschrauben-Griff gleicht warscheinlich die größere Blattdicke gefühlsmäßig wieder aus. Habe vorgestern 'mal ein "Schiffschrauben-Holz" in der Hand gehabt, aber leider nicht gespielt - es schien optimal zu liegen, aber ohne Testspiel kann ich da nicht sicher sein, denn:

- durch den starken "Eigenkatapult" des Holzes (für alle Zweifler: ja, er ist tatsächlich vorhanden) empfand ich die Schlägerhaltung als kritisch: schon ein leichtes Bevorzugen (= Drehen des Blattes) in Richtung VH/RH ließ die Bälle auf der "anderen" Seite deutlich zu lang werden, insbs. mit Pf-4. Dazu weiter unten mehr...

+ Geschwindigkeit und insb. Beschleunigung ist enorm, ohne das dabei die Möglichkeit für kurze Bälle "zu kurz kommt", naja, meistenteils jedenfalls . Und ein deutliches Mehr an Spin konnte ich auch feststellen - nicht nur beim Topspin, sondern auch beim Aufschlag !!!. Dazu kommt natürlich das deutlich verringerte Gewicht etc. .. nichts was nicht tausende vor mir schon festgestellt haben

! Japanbeläge mit hohem Katapult sollte man tatsächlich nicht mit mehr als 1,8mm Schwamm spielen - außer man möchte den Gegner durch die Halle schicken, einen unberechenbar herum-spinnenden Ball einzufangen.
Dünne, sehr harte Schwämme sind unspielbar: kein Schnitt (Schupf, Topspin, Aufschlag, einfach alles), nur Konter und Schuss geht. Aber dafür kann man dann gleich Noppen nehmen, da entfällt die Anfälligkeit für Schnitt-Aufschläge.

! Das Verwendung von viel weichem Balsaholz im Kern bewirkt zusammen mit dem Buchen-Flugzeugsperrholz als Außenlage eine starke Dämpfung. Das Auftreffen des Balles ist zwar deutlich merkbar, aber ein Nachschwingen des Holzes ist nicht festzustellen. Dies ist sogar weitestgehend unabhängig von den aufgeklebten Schwämmen (siehe "Kombinationen"). Dabei habe ich bisher schon einige Balsa-Hölzer gespielt (von elastisch nach steif): Imperial Allround (15 Jahre alte Version, ultra-langsam und elastisch, jetzt aber kleinergesägt), Schildkröt Futec (das "Ei"), Joola Balsa Alu. Alle diese Hölzer bieten eine längere Rückmeldung als das MA1.
Allerdings leidet die Kontrolle nicht wirklich unter dieser verkürzten Rückmeldung. Dies erklärt sich ganz einfach: Man hat gar keine Zeit, während des Kontaktes von Ball und Schläger auf die taktile Rückmeldung zu reagieren. Die Verarbeitung der Informationen findet im Gehirn erst später statt, nur die "Unschärfe" der Wahrnehmung gaukelt uns etwas anderes vor. Damit ist aber völlig logisch, das eine deutliche, aber kurze Schwingung des Holzes für des motorische Feedback ausreichend ist. Alles andere ist Einbildung resp. Gewöhnung. Da führt mich gleich zum nächsten Punkt:

! Das MA1 erfordert aktives Spiel. "Nur hinhalten" wird durch unkontrolliert verspringende Bälle sofort bestraft. Dagegen gelingen die unwahrscheinlichsten Notbälle, wenn man nur eine einigermaßen zielgerichtete und korrekte Schlagbewegung hinbekommt.
Eindruckvollster Ball war ein VH-Seiten-Unterschnitt-Abwehrball, denn ich breitbeinig zwsichen meinen Schienenbeinen spielte ; der gegnerischen VH-Topspin kam mit wenig Seiten-, aber viel Oberschnitt longline in meine RH, ich stand "auf VH-Spiel" in Verlängerung der (linken) Plattenkante .. und ein Stück zu weit weg(kein Kommentar zu meinem Stellungsspiel und Beinarbeit bitte ). Also "wischte" ich sozusagen mit einer umgekehrten VH-Topspinbewegung den Ball vor meinen Beine weg .. der steuerte erstmal auf den linken Netzpfosten (also aufs Aus) zu, um sich dann eines besseren zu besinnen und im letzten Drittel der Platte auf die weiße Linie niederzugehen. Näher an ein "seitwärts ums Netz 'rum" bin ich noch nie gekommen... . Und dabei war der Ball schnell, hatte eine sehr flache Flugbahn und deutlichen Unterschnitt. Der Sidespin ließ den Ball dann vom Schläger des verdutzten Gegners ins Aus springen, als er versuchte nochmal nachzuziehen


Kombinationen:

"Referenz":
Tibhar Speedy S/L 1,8 rot (ein Speedy Spin war leider nicht da)
jede Menge Katapult. Für mich zu viel Tempo- und Spin-Variabilität schienen ok, aber glücklich war ich nicht - das Spielgefühl war viel zu indirekt. Ein 1,5mm Schwamm hätte dem warscheinlich abgeholfen, aber sowas gibt's als Leihbelag nicht - spielt ja kaum einer.

Btfly. Tackyfire Spezial 1,5mm rot mit ultrahartem Btfly.-Schwamm
Unspielbar. Absolut. (s.o.) Die Ballkontaktzeit war offensichtlich zu kurz, als dass ich mit der nicht-klebrigen Oberlage nenneswerte Rotation des Balles hätte erzeugen können.

"China-Test":
Friendship 729 SuperFx 1,5mm schwarz mit blauem Schwamm
Ähnlich wie der Tackyfire. Dank klebriger Oberfläche funktioniert zwar der Aufschlag und -in Grenzen- der Schupf, aber eine Topspin habe ich nicht hinbekommen. (auf einem Imperial Sensor Off kann ich mit dem Belag auf RH und VH sehr wohl TS spielen. Obwohl ich mit 1,5mm Belägen im Allg. nicht gut zurechtkomme)

DHS Pf-4 2,0mm rot/schwarz mit orangenem Schwamm
Interessanterweise überdämpfen die beiden dicken Schwämme das Holz nicht (im Gegensatz zb. zu einem Imperial Sensor Off), die Ballrückmeldung ist genauso stark wie bei der Speedy/Tackyfire Kombination. Und ich habe auch keinen Unterschied feststellen können, ob ich nur eine oder beider Seiten beklebt hatte - noch ein Indiz dafür, dass das Holz mit den Schwämmen harmoniert. Der Katapulteffekt des Holzes ergänzt den nur geringen Katapult der Beläge optimal - selbst mit der großen Schwammstärke ist weicher Topspin am Tisch, aber auch schneller Gegentopspin aus der Halbdistanz möglich. Letztes Training habe ich sogar Schlagspin am Tisch und Eröffnungstopspin mit stark verkürzter Bewegung (natürlich nur auf schnittarme Bälle) hinbekommen - sowas geht mit katapultarmen Chinesen normalerweise nicht.
Konter und Schuß profitiert natürlich enorm von den typischen "China-Eigenschaften" des Pf-4. Selbst Schupf ist akzeptabel, muß allerdings an/über der Platte manchmal als "Unterschnitt-Konter" mit stark geöffnetem Schlägerblatt gespielt werden. Nicht besonders viel Unterschnitt, aber gute Plazierungsmöglichkeit bei relativ hoher Geschwindigkeit; evtl. geht hier sogar ein wenig Schnittumkehr, aber das muß ich noch gegen eine Spieler mit viel Unterschnitt ausprobieren. Wer ein sehr gutes Händchen hat, kann den Ball auch knapp nach dem höchsten Punkt mit fast völlig flachen Blatt voll "unterreißen", der Ball kommt dann sehr langsam, aber mit einem Mordspin. Um das hinzukriegen wenn's drauf ankommt, bin ich warscheinlich einfach zu schlecht - mir gelingt sowas nur als Glücksball im Training

Ganz problemlos ist die Kombi allerdings nicht: Erstens sind die Beläge natürlich relativ schwer, wodurch ein spezifischer Vorteil eines Rendler-Schlägers teilweise verloren geht (ich bin allerdings daran gewöhnt und habe mit den dünnen Japanbelägen dauernd am Ball verbeigezogen .
Der zweite Punkt ist wesentlich gravierender - Beläge mit klebriger, aber relativ unelastischer Oberfläche haben einen stark veränderlichen Absprungwinkel ("Throw Angle" - ist in der amerikanischen Tischtennis-Newsgroup ein viel diskutiertes Kriterium) je nach Geschwindigkeit und Rotation des ankommenden Balles. Dadurch das der zusätzliche Katapult des Holzes ja nur senkrecht zur Blattoberfläche wirkt, ist dieser Effekt noch verstärkt, d.h. Rotation und Geschwindigkeit des "abfliegenden Balles" sind stark abhängig davon, mit welcher Blatthaltung(Winkel) und Schlagbewegung der Ball gespielt wird. Anfangs hatte ich meine alten Beläge so aufgeklebt, das ein Teil auf das obere Ende des Griffes ragte. Die daraus resultierende Unsicherheit bei der Schlägerhaltung reichte aus, um beim VH-/RH- Wechsel beinahe "automatische" Fehler hervorzurufen.

Offensichtlich ist es genau dieser Effekt, der zu aktiven Spiel zwingt, aber er ermöglicht dann aber auch eine erstaunliche Variabilität, wenn man ihn unter Kontrolle bekommt.


Fazit:

Für mich sind die Pf-4 (orangener Schwamm) auf dem MA1 eindeutig am variabelsten zu spielen, der zusätzliche Katapulteffekt des Holzes gleicht das Defizit des Belages in diesem Gebiet weitestgehend aus; Deswegen hat man genügend Power für Topspin aus der Halbdistanz, dazu kommt überragender Spin durch Oberfläche plus Holz, einfacher Block/Konter/Schuß durch harten Belag plus enorme Beschleunigung durch das Holz.
Kontrolle bei Schupf und US-Bällen ist durch den harten Belag ausreichend gegeben ... was will man mehr?

Der Tibhar Speedy S/L (dürfte ja Sriver etc. vergleichbar sein) in 1,8mm hat dagegen eindeutig Defizite - zuviel (schlagspinorientierter) Katapulteffekt, durch die Weichheit wenig Kontrolle bei stark tangential gespielten TS-Bällen, beim Konter und Schupf. Natürlich wäre es mit dünneren Schwamm möglich, dem übermäßigen Katapulteffekt abzuhelfen, aber ich bleibe doch lieber bei meinen Chinesen

Allerdings erwäge ich, die PF-4 in 1,8mm oder sogar nur 1,6mm auszuprobieren, um Gewicht zu sparen. Das wird allerdings die Kontaktzeit zwischen Schläger und Ball verringern, welchen Einfluß das auf Geschwindigkeit oder Spin haben wird kann ich nur schwer abschätzen.

Bevor ich aber wieder Geld ausgebe, werde ich den nächsten Test erstmal mit 729Fx rot(gelberSchwamm) in 2,0mm und Avalox Sogno 2,0 schwarz durchführen .. mal sehen was daraus wird.

Grüße,
Stefan

Geändert von Arralen (05.04.2003 um 13:50 Uhr)
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