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Alt 10.08.2009, 14:39
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AW: Was ich erklären möchte...

Zitat:
Zitat von tarantino Beitrag anzeigen
Jeder einzelne hat für sich gesehen die Möglichkeit, Arbeitslosigkeit zu vermeiden.

Da hast Du natürlich Recht - in Verbindung mit einem System ohne Mindestlöhne führt aber natürlich dieser Konkurrenzkampf um Arbeitsplätze zu Lohndumping.
Ich weiß, dass es keine Patentlösungen für all die hier angesprochenen Probleme gibt und halte mich daher hier eigentlich auch aus solchen Diskussionen heraus, aber gerader der Punkt der Mindestlöhne (die natürlich volkswirtschaftlich auch wieder zu anderen Problemen führen) ist mir schon wichtig.

Ein Arbeitsloser kann sich natülich irgendwie einen Job besorgen, wenn er bereit ist, z.B. 5 Euro/Std. -Kräfte zu unterbieten.
Es gibt genügend Unternehmer, die solche Niedriglöhne nicht aus wirtschaftlicher Notwendigkeit bezahlen, sondern um ihren durchaus hohen Lebensstandard nochmals zu erhöhen.
Und solches führt dann eben auch zu einem hohen Grad an Depression und Frustration bei den Billig-Lohn-Kräften - auch diese psychologische Komponente ist nicht zu vernachlässigen.



Mein brennender Wunsch nach Mindestlöhnen - bei dem Wissen, dass diese volkswirtschaftlich nicht nur Vorteile bringen - kommt einfach aus eigener Erfahrung und dem Umgang mit Kollegen, die einfach absolut jede Hoffnung auf ein Leben, wie sie es in den Medien oder auch einfach in den Cafes der Fußgängerzone sehen, fahren lassen. Sie wissen, dass nach dem Billig-Job entweder ALG II kommt oder der nächste Billigjob und damit andauernd nur ein "Irgendwie Überleben".
Dies sind die Leute, die sich dann vom TV verdummen lassen, bzw. irgendwann überhaupt keinen Bock auf Arbeit mehr haben, weil ihre Arbeit niemals wirklich honoriert wird. Auch psychologisch kann das ganz schöne Spuren hinterlassen, wenn die Leistung und die Anstrengung, die man bringt, lediglich einen Hungerlohn wert sein soll.


Ich habe an einer Tankstelle gejobt, wo einige Leute für etwa 5,50 pro Stunde Nachtschichten schieben und sich gesellschaftliches Leben und Gesundheit ruinieren (und "mit Glück" nebenbei noch diverse Schwarz-Jobs haben, da das Geld kaum zum Leben reicht). Fast jede Nacht Umgang mit betrunkenen Randalierern, ab und zu mal eine Pistole vor der Nase, merwürdiger Schlaf-Rythmus - das nagt. Und ich kann durchaus nachvollziehen, dass diese Leute irgendwann neidisch werden, jede Hoffnung fahren lassen und zu jener dumpfen Masse werden, die zu Recht als gesellschaftliches Problem immer stärker in den Vordergrund tritt.

Geändert von aleol (10.08.2009 um 14:42 Uhr)
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