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Fair-Play-Trophäe für "Chinesenschreck"
Quelle: RP-Online.de
Timo Boll nach Tischtennis-EM ausgezeichnet
Courmayeur/Köln (rpo). Der Verband Deutscher Sportjournalisten (VDS) hat Tischtennisspieler Timo Boll nach der Europameisterschaft mit der Fair-Play-Trophäe 2002 ausgezeichnet.
Fair geht vor. Für "Chinesenschreck" Timo Boll ist das kein Schlagwort. Der entthronte Europameister im Tischtennis genießt mit 22 Jahren in China eine große Popularität. Nicht zuletzt deshalb, weil er im Vorjahr bei den Katar Open einen Regelverstoß seines Gegners Ma Lin im Interesse des Sports akzeptierte, weiter spielte und das Match verlor. Für dieses Verhalten zeichnete der Verband Deutscher Sportjournalisten (VDS) den Weltranglisten-Ersten mit der Fair-Play-Trophäe 2002 aus. Sein Vorgänger, Kaiserslauterns Fußball-Bundesligatrainer Erik Gerets, sollte den neuen Preisträger am Montagabend in Köln auszeichnen.
"Ich stehe auch heute zu dieser Entscheidung, sonst hätte ich sie nicht so getroffen. Tischtennis ist bis auf wenige Ausnahmen eine sehr faire Sportart", sagte der Hesse. Auch bei der EM am vergangenen Wochenende in Courmayeur erwies sich Boll als fairer Sportsmann, als er die deutliche Überlegenheit seines zweimaligen Bezwingers und Nachfolgers Wladimir Samsonow (Weißrussland) neidlos anerkannte: "Er war der bessere Spieler, da gibt es nichts zu rütteln."
Vor einem Jahr, exakt einen Tag vor seinem 21. Geburtstag, verlor Boll in Doha im Viertelfinale gegen den Weltranglisten-Zweiten Ma Lin mit 1:4-Sätzen. Gegen das Regelwerk hatten die Schiedsrichter dem Chinesen erlaubt, nach dem glücklich gewonnenen ersten Satz seinen zuvor bereits beschädigten Schläger mit einem neuen Belag zu bekleben. Eigentlich hätte Ma Lin mit einem Ersatzmodell weiter spielen müssen. Doch auf der chinesischen Bank war kein Schläger vorhanden.
Verzicht auf Protest
Boll verzichtete auf einen berechtigten Protest und auf mindestens 8500 Dollar Preisgeld. "Ich möchte nicht am grünen Tisch in das Halbfinale eines Super-Turniers einziehen, obwohl ich eindeutig im Recht bin. Ich habe auch eine Verantwortung gegenüber unserer Sportart. Die Millionen Fernsehzuschauer in Asien hätten es nicht verstanden, wenn ich einfach vom Tisch gegangen wäre", begründete der damalige Weltranglisten-Fünfte seine viel beachtete Geste.
Sie wurde - mit etwas Verspätung - auch sportlich belohnt. Am 2. Januar dieses Jahres löste der Weltcup-Sieger und zweimalige Europa- Top-12-Sieger seinen Dauerkontrahenten Ma Lin als Nummer eins der Weltrangliste ab. "Auf diese Auszeichnung kann nicht nur Timo stolz sein, sie ist auch für unsere Sportart wichtig", sagte DTTB-Cheftrainer Dirk Schimmelpfennig.
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