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@ Thomas Höhl
Dass mancher Vereinboss (beileibe nicht jeder) im sportlichen Aufstieg eine "Katastrophe" sieht, liegt in erster Linie daran, dass jeder Aufstieg ab Oberliga unverhältnismäßig teuer wird, weil schon in (und unter) der 4. Liga kräftig bezahlt wird und ab der 3. Liga (zumindest in weiten Teilen) der Profi-Sport beginnt. Und weil die Leistungsunterschiede zwischen den einzelnen Ligen immer größer werden. Was tun?
Dein Vorschlag, die oberen Ligen mit schwächeren (weil "billigeren") Mannschaften "aufzufüllen" ist mE keine Lösung, selbst wenn die Vereine mitmachen würden (was sie ja anscheinend nicht tun). Wir hatten (aus juristischen Gründen-->Ausländerregel) in dieser Saison in der Regionalliga Süd genau diesen Fall: 14 (!) Mannschaften, von denen mindestens vier nicht konkurrenzfähig waren, also von vornherein zum Abstieg verdammt waren (lassen wir mal den Sonderfall Eilenburg II beseite), eine davon hat nach der Vorrunde gleich zurückgezogen. Drei Mannschaften waren eine Klasse für sich und haben die Meisterschaft unter sich ausgespielt - bis ausgerechnet am letzten Wochenende die beste Mittelfeldmannschaft (Neckarsulm) dem bisherigen Spitzenreiter (Eilenburg I) ein Bein stellte und für die einzige echte Sensation sorgte. Im übrigen war das meistgespielte Ergebnis 9:0 oder 9:1. Macht das Sinn?
Es kommt hinzu, dass die einzige Mannschaft (Seckenheim), die von Anfang an den größten Willen (und wohl auch das Geld) zum Aufsteigen hatte, nach relativ knappen (und zugegebenermaßen sehr spannenden) Spielen "nur" den dritten Platz belegte und damit nur noch geringe Aufstiegschancen hat. Jetzt rüsten sie trotzdem auf - egal, ob für die 3. oder die 2. Liga. Respekt vor diesem Mut, aber wohl ein Einzelfall.
Viele Vereine der 1., 2. und 3. Liga machen jedes Jahr einen neuen Kopfstand, um ihren Etat zu finanzieren. Manche stürzen dabei ab, wiederum andere suchen ihr Heil in Fusionen/Kooperationen etc. Kann das auf Dauer gut gehen, wird aus zwei Kranken wirklich ein Gesunder? Das Beispiel Offenburg/Neureut zeigt uns eher das Gegenteil.
Ich glaube, es gibt zur Zeit keine Ideal-Lösung für das Problem. Wenn man sich Fußball anschaut: Auch dort gibt es ein großes Finanz- und damit Leistungsgefälle. Allerdings boomen die noch (trotz Kirch-Krise) auf extrem hohem Niveau. Wir im Tischtennis könnten mit Timo Boll einen (vergleichsweise natürlich kleineren, aber immerhin) Boom auslösen, und genau da trifft uns die Wirtschaftskrise, es ist einfach deutlich weniger Werbegeld da.
Ein Lösungsvorschlag (mir gefällt er auch nicht, denn ich bin ein großer Freund professioneller Strukturen im Hochleistungssport) wäre: Die Vereine und (ja leider) auch die Sportler (die meisten Profis, aber vor allem auch die, die nur "nebenbei" spielen, also nicht vom Tischtennis leben) müssen in der jetzigen Situation größere finanzielle Abstriche machen, sonst bricht das ganze Ligen-System zusammen wie ein Kartenhaus. Aber an Vernunft und Solidarität zu apellieren, wird - befürchte ich - nur wenig nutzen. Allein die Krise schafft neue Ideen, neue Kräfte und neuen Zusammenhalt.
Vor so einer Krise stehen wir. Ich bin gespannt, ob und wie wir sie lösen.
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