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Alt 16.09.2009, 11:23
Horaser Horaser ist offline
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AW: Warum wurde Dima nicht disqualifiziert!?

"... Zu allem Überfluß stellte er dann noch bei seinem Ersatzschläger einen Riß im Belag fest. Mit Erlaubnis der Schiedsrichter nahm Ovtcharov seinen zweiten Ersatzschläger und spielte dann hervorragend. Beide verwendeten Schläger erwiesen sich bei der Kontrolle nach dem Match als korrekt."

Darin liegt ein Widerspruch. Wie kann bei einem Schläger, der nach dem Spiel als regelkonform eingestuft wird, während der Partie einen Riss im Belag gewesen sein? Entweder, es gab keinen Riss, sodass der Schläger unter Erfüllung auch der zusätzlichen Kriterien (Dicke ...) den Bestimmungen entsprochen hat und dies im Nachtest so festgestellt wird. Oder der Belag hat tatsächlich einen Riss, sodass der Schläger während des Spiels nicht regelkonform war und dies somit auch im Nachtest nicht sein kann.

Diese in dem Artikel dargelegten vermeintlichen Tatsachen können jedoch allem Anschein nach nicht auf die Goldwaage gelegt werden. Laut des Artikels verwendete Ovtcharov seinen Ersatzschläger, während Augenzeugen beschreiben, es sei Baums Schläger gewesen.

Allgemein scheint der Sport etwas zu kompliziert zu sein, wenn die Berichterstattung in der seriösen Presse so oft ungenau oder gar widersprüchlich ist. Ein weiteres Beispiel stellt der Live-Kommentar eines "Tischtennisfachmanns" und "aktiven Spielers" beim ZDF dar. Ein Fachmann sollte in der Lage sein, einen Konter vom einem Gegentopspin unterscheiden zu können. Darüber hinaus dürfen "Frischkleben" und "Tunen" nicht wild durcheinandergeworfen werden. Laut der Aussage des Reporters habe man mit dem inzwischen verbotenen Frischkleben (immerhin das ist richtig) den Schläger getunt.
Ich habe etwas gegoogelt und, siehe da, der Reporter spielt Kreisliga. "Aktiver Spieler" mag somit zutreffen, "Tischtennisfachmann" nur relativ zu z.B. Barack Obama. Man hätte besser Herrn Maxen von FFH eine Chance gegeben; nur arbeitet er leider nicht für ZDF.

Meine Meinung zum Spiel vom Ovtcharov:
Der Wechsel auf den Drittschläger scheint sich im Nachhinein doch als regelkonform herauszustellten, auch wenn kleine Zweifel bleiben: Weshalb reißt der Belag ausgerechnet bei dem Schläger, mit dem er nicht zurechtkommt?
Dennoch war sein Sieg absolut verdient. Sich nach all der Aufregung vor dem Spiel und dann dem Gefühl, durch einen nicht "funktionierenden" Schläger gehandicapt zu sein, wieder so in das Match zu kämpfen und dieses immer mehr zu dominieren, verdient größten Respekt.

Dieser Respekt gebührt allerdings nicht jenen Damen und Herren, die die Einhaltung der Regeln, geschweige denn die Aufstellung dieser, zu verantworten haben. Wie kann es sein, dass ein offensichtlich vorhandenes Gerät zur genauen Belagdickemessung nicht eingesetzt wird? Auch Enez kam wohl nicht flächendeckend zur Anwendung. Bei diesem Turnier auf europäischer Ebene wird demnach ähnlich genau verfahren wie bei einer Veranstaltung auf z.B. hessischer Ebene. Über die Einführung des Tuning-Verbots, das nicht kontrolliert werden kann, muss an dieser Stelle nicht diskutiert werden. Bevor sich an der Spitze der ITTF nicht etwas tut, wird sich diesbezüglich wohl nichts ändern. Es liegt in der Natur des Menschen, dass er selbst erarbeitete Dinge, auf die er stolz ist und für die er lange gekämpft hat, durchsetzen und nicht später wieder rückgängig machen will.
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